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Der Herr hat dich deinen Weg als Christ mitten in der Welt klar erkennen lassen. Jedoch versicherst du mir, du hättest dir oft voller Neid – eigentlich sei es Bequemlichkeit, meintest du – das Glück ausgemalt, ein Unbekannter zu sein, der von allen übersehen im letzten Winkel dieser Erde arbeitet … Gott und du!
Neben der Vorstellung, als Missionar nach Japan zu gehen, lockt dich jetzt der Gedanke an jenes verborgene, entbehrungsreiche Leben … Würdest du aber versuchen – nachdem du dich von manchen gottgewollten natürlichen Verpflichtungen befreit hast –, dich in irgendeiner religiösen Einrichtung zu »verbergen«, ohne dass dies deine Berufung wäre, dann würdest du nicht glücklich. Dir ginge der Friede ab, denn du hättest zwar deinen Willen, nicht aber den Willen Gottes getan.
Deine »Berufung« müsste man dann anders nennen, nämlich Flucht, und zwar nicht aufgrund göttlicher Eingebung, sondern aus bloßer menschlicher Angst vor kommenden Kämpfen. Das kannst du nicht wollen!
Gott sei Dank! sagtest du, nachdem du gebeichtet hattest. Und du dachtest: Es ist, als wäre man neu geboren.
Dann fuhrst du ruhig und gelassen fort: »Domine, quid me vis facere?« – Herr, was willst Du, das ich tue?
Selbst gabst du dir die Antwort: Mit Deiner Gnade werde ich, allem und allen zum Trotz, Deinen heiligsten Willen erfüllen: »Serviam!« – ich will Dir bedingungslos dienen.
Der Herr mahnt uns vom Kreuz herab: Ich leide, damit meine Brüder und Schwestern, die Menschen, glücklich werden, und dies nicht erst im Himmel, sondern auch – soweit es möglich ist – schon auf Erden, wenn sie den heiligsten Willen meines himmlischen Vaters erfüllen.
Noch unschlüssig sagtest du mir: Wie deutlich spürt man doch diese Zeiten, da der Herr mich um mehr bittet!
Ich konnte dir nur ins Gedächtnis rufen: Du hattest mir versichert, dein einziges Streben sei, Ihm gleichförmig zu werden. Warum wehrst du dich jetzt dagegen?
Fordere dich ohne Zimperlichkeit! Viele Menschen tun das ganz unauffällig in ihrem Leben, damit allein der Herr Licht ist.
Ich wünschte, du und ich könnten auch so empfinden wie jener Bekannte, der sich ganz Gott hingeben wollte. Er schrieb am Fest der Heiligen Familie, das damals in der Woche nach Erscheinung des Herrn gefeiert wurde:
»Mir fehlt es nicht an kleinen Kreuzen. Das von gestern – es hat mich sogar Tränen gekostet – führte mich zu der Überlegung, dass der heilige Josef, mein Vater und Herr, und meine Mutter Maria mich, ›ihr Kind‹, nicht ohne weihnachtliche Bescherung lassen wollten. So schenkten sie mir Licht, meine Undankbarkeit gegen Jesus zu erkennen – entspreche ich Seiner Gnade doch ganz ungenügend – und meine schwere Verfehlung, denn mit meinem schändlichen Verhalten widersetze ich mich dem heiligsten Willen Gottes, der mich zu seinem Werkzeug machen will.«
Die Liebe zu Gott fordert uns dazu auf, das Kreuz beherzt zu tragen … auf unseren Schultern das Gewicht der ganzen Menschheit zu verspüren und in den je eigenen Situationen unseres Standes und unseres Berufes die unmissverständlichen, liebevollen Ratschlüsse des Willens unseres Vaters zu erfüllen.
Dir sei es einerlei, hier oder in China zu arbeiten, sagst du mir.
Gut. Sieh aber zu, dass du da zur Stelle bist, wo du den heiligen Willen Gottes erfüllst.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/forja/12886/ (08.05.2026)