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Zugegeben, diese Lust am Kritisieren ist keine böswillige Nörgelei. Aber du darfst sie nicht in den Umgang mit deinen Brüdern und in euer Apostolat hineintragen. – Verzeih, wenn ich dir sage, dass solche Kritiklust ein schweres Hindernis für euer übernatürliches Werk darstellt. Denn wenn du ohne Befugnis die Leistung der anderen überprüfst – in lauterer Absicht, zugegeben –, dann lieferst du keinerlei positive Arbeit und hinderst mit dem Beispiel deiner Passivität noch die anderen auf ihrem Wege.
Beunruhigt fragst du: »Was dann mit diesem kritischen Geist, der so tief in meinem Wesen steckt …?«
Ich kann dich beruhigen. Nimm etwas zu schreiben und lege einfach und vertrauensvoll – und kurz, bitte! – nieder, was dich bedrückt. Gib den Zettel deinem Vorgesetzten und denke nicht mehr daran. Er ist der zuständige Mann, er hat die Standesgnade. Er wird den Zettel aufheben … oder in den Papierkorb werfen. – Da dein kritischer Geist für dich ja keine böswillige Nörgelei ist und du die Kritik in lauterer Absicht übst, bleibt sich das gleich.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/camino/53/ (26.04.2026)