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Es gibt 2 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Teufel.

Die rechte Zeit

Exhortamur ne in vacuum gratiam Dei recipiatis11, wir ermahnen euch: Empfanget die Gnade Gottes nicht vergeblich! Die göttliche Gnade wird uns in dieser Fastenzeit erfüllen, wenn wir ihr unser Herz nicht verschließen. Wir müssen empfänglich sein, bereit, uns wirklich zu ändern und nicht mit der Gnade Gottes zu spielen.

Ich spreche nicht gern von Furcht, denn, was den Christen bewegt, ist die Liebe Gottes, die sich uns in Christus geoffenbart hat und die uns lehrt, alle Menschen und die ganze Schöpfung zu lieben; aber von Verantwortung und Ernsthaftigkeit müssen wir sprechen. Täuscht euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten12, mahnt uns der Apostel.

Man muss sich entscheiden. Es geht nicht, dass in unserem Leben jene zwei Kerzen brennen, die – nach dem Volksmund – jeder Mensch besitzt: eine für den heiligen Michael und eine andere für den Teufel. Wir müssen die Kerze des Teufels auslöschen, wir müssen unser ganzes Leben in Brand stecken, damit es sich im Dienst am Herrn verzehre. Wenn unser Bemühen um Heiligkeit aufrichtig ist und wir fügsam genug sind, uns der Hand Gottes anzuvertrauen, wird alles gutgehen. Denn Er ist immer bereit, uns seine Gnade, und besonders in dieser Zeit die Gnade einer neuen Bekehrung, einer Besserung unseres christlichen Lebens zu schenken.

Wir müssen in dieser Fastenzeit mehr sehen als nur eine beliebige Zeitspanne, die im liturgischen Jahr regelmäßig wiederkehrt. Dieser Augenblick ist unwiederbringlich, er ist ein göttliches Hilfsangebot, das wir entgegennehmen müssen. Der Herr tritt an unsere Seite und erwartet von uns – hier und jetzt –, dass wir uns ernsthaft ändern.

Ecce nunc tempus acceptabile, ecce nunc dies salutis13: seht, jetzt ist die rechte Zeit, seht, jetzt ist der Tag des Heils. Aufs neue hören wir den liebevollen Ruf des Guten Hirten: ego vocavi te nomine tuo14. Er ruft einen jeden von uns bei seinem Namen, wie es jene zu tun pflegen, die uns lieben. Die innige Liebe Jesu zu uns lässt sich nicht in Worte fassen.

Betrachtet mit mir dieses Wunder der Liebe Jesu: Da ist der Herr, der uns begegnen will und am Wegesrande wartet, damit wir Ihn nicht übersehen können. Er ruft einen jeden von uns persönlich zu sich und spricht mit uns über unsere Angelegenheiten, die auch die seinen sind. Er schenkt uns reuevolle Einsicht, macht uns großzügig und weckt in uns den Wunsch, treu zu sein und uns seine Jünger nennen zu können. Dieser innige Anruf der Gnade klingt wie ein liebevoller Vorwurf, der uns merken lässt, dass der Herr uns in all der Zeit, in der wir Ihn schuldhaft aus dem Blick verloren haben, nicht vergessen hat. Christus liebt uns mit der unermesslichen Liebe, zu der nur sein göttliches Herz fähig ist.

Seht, wie Er es bekräftigt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag des Heiles helfe ich dir.15 Er verheißt dir die Herrlichkeit – seine Liebe – und schenkt sie dir im rechten Augenblick. Er ruft dich; du aber, was willst du Ihm dafür geben, was wirst du und was werde ich selbst antworten auf diese Liebe Jesu, der nahe an uns vorübergeht?

Ecce nunc dies salutis, jetzt haben wir den Tag des Heiles vor uns. Der Ruf des Guten Hirten erreicht uns: ego vocavi te nomine tuo, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Und wir müssen antworten, Liebe mit Liebe vergeltend: ecce ego quia vocasti me16: Du hast mich gerufen, hier bin ich, fest entschlossen, diese Fastenzeit nicht spurlos dahinfließen zu lassen wie Wasser über Granit. Ich will mich durchtränken lassen, mich bekehren, mich erneut dem Herrn zuwenden und Ihn lieben, wie Er geliebt werden will.

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.17 Der heilige Augustinus sagt dazu: »Was von deinem Herzen bleibt noch, womit du dich selbst lieben könntest? Was bleibt von deiner Seele, was von deiner Vernunft? ›Ex toto‹ heißt es. ›Totum exigit te, qui fecit te‹.«18 Der dich schuf, Er verlangt alles von dir.

Weizen und Unkraut

Ich habe euch anhand der Lehre Christi, nicht anhand eigener Vorstellungen das Ideal eines christlichen Weges gezeigt. Ihr werdet mir zustimmen, dass es hoch und anziehend ist. Aber vielleicht fragt sich der ein oder andere: Ist es denn in der heutigen Welt möglich, so zu leben?

Es ist wahr: der Herr hat uns zu einer Zeit gerufen, da man viel von Frieden spricht, es aber keinen Frieden gibt: weder in den Herzen noch in den Institutionen, weder in der Gesellschaft noch unter den Völkern. Gleichheit und Demokratie sind in aller Munde, und doch stößt man laufend auf sich hermetisch abkapselnde, unzugängliche Kasten. Der Herr hat uns zu einer Zeit gerufen, da man nach Verständnis schreit, es aber kein Verständnis gibt, selbst bei solchen nicht, die aus gutem Glauben handeln und die Liebe verwirklichen wollen; denn vergesst nicht: die Liebe besteht mehr als im Geben im Verstehen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Fanatiker und die Intoleranten – unfähig, die Argumente anderer gelten zu lassen – sich schadlos halten und die von ihnen Geschädigten als gewalttätig und aggressiv hinstellen. Der Herr hat uns schließlich zu einem Zeitpunkt gerufen, da man viel von Einheit redet, sich aber kaum eine größere Uneinigkeit vorstellen kann – selbst unter den Katholiken, nicht nur generell unter den Menschen.

Ich befasse mich nicht mit Politik, denn sie ist nicht meine Aufgabe. Um als Priester die Lage unserer Welt zu schildern, genügt es mir, erneut an das Gleichnis des Herrn vom Weizen und Unkraut zu denken. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg.39 Es ist offenkundig: der Acker ist fruchtbar und der Samen ist gut; der Herr des Ackers hat mit weitem Wurf den Samen zur rechten Zeit und mit vollendeter Kunst ausgesät; außerdem hat er die aufgehende Saat bewachen lassen. Wenn trotzdem Unkraut aufschießt, dann, weil man sich nicht an sein Wort gehalten hat, weil die Menschen – und vor allem die Christen – geschlafen und zugelassen haben, dass der Feind sich nähert.

Als die verantwortungslosen Knechte den Herrn fragen, woher das Unkraut auf seinem Acker kommt, gibt er eine einleuchtende Antwort: inimicus homo hoc fecit40, das hat der Feind getan. Wir Christen, die wir darauf hätten achten müssen, dass die guten Dinge, die Gott in die Welt hineingelegt hat, sich im Dienst an der Wahrheit und am Guten entwickeln, wir haben geschlafen – welch böse Trägheit, dieser Schlaf! –, während der Feind und seine Komplizen unentwegt am Werk waren. Ihr seht ja, wie das Unkraut aufgeschossen ist, wie es überall wuchert!

Ich bin nicht zum Unglückspropheten berufen und möchte kein düsteres, hoffnungsloses Bild zeichnen. Ich will nicht über eine Zeit klagen, in der wir nach der Vorsehung des Herrn leben. Wir lieben unsere Zeit, denn in ihr müssen wir unsere persönliche Heiligung erlangen. Eine naive und sterile Wehmut bringt uns nicht weiter: Der Welt ist es niemals besser ergangen. Seit den Anfängen der Kirche, als noch die Predigt der ersten Zwölf zu hören war, hat es heftige Verfolgungen gegeben, entstanden Irrlehren, breitete sich die Lüge aus und tobte der Hass.

Es lässt sich aber nicht leugnen, dass das Böse offensichtlich zugenommen hat. Überall auf dem Acker Gottes, der die Erde ist, das Erbteil Christi, ist das Unkraut aufgeschossen: Unkraut über Unkraut! Wir dürfen uns nicht durch den Mythos eines dauernden, unaufhaltsamen Fortschritts täuschen lassen. Der geordnete Fortschritt ist gut, und Gott will ihn. Aber höher gepriesen wird ein anderer, falscher Fortschritt, der die Augen vieler blendet, weil sie häufig nicht sehen, dass manche Schritte die Menschheit zurückwerfen und sie das Errungene wieder verliert.

Wie gesagt: der Herr hat uns die Welt zum Erbe gegeben; wir müssen unsere Seele und unseren Verstand hellwach halten, wir müssen Realisten sein und dürfen nicht mutlos werden. Doch nur ein abgestumpftes Gewissen, eine durch Routine entstandene Oberflächlichkeit, nur eine leichtfertige Gedankenlosigkeit können dazu führen, dass jemand die Welt betrachtet und das Böse nicht sieht, die Beleidigungen Gottes und den manchmal nicht wiedergutzumachenden Schaden an den Seelen. Wir müssen Optimisten sein, aber unser Optimismus soll aus dem Vertrauen auf die Macht Gottes hervorgehen – Gott verliert keine Schlachten – und nicht aus menschlicher Selbstzufriedenheit oder aus eitler, dünkelhafter Selbstgefälligkeit.

Anmerkungen
11

2 Kor 6, 1 (Lesung der Heiligen Messe).

12

Gal 6, 7.

13

2 Kor 6, 2 (Lesung der Heiligen Messe).

14

Jes 43, 1.

15

2 Kor 6, 2 (Lesung der Heiligen Messe).

16

1 Sam 3, 9.

17

Mt 22, 37.

18

Augustinus, Sermo, 34, 4, 7 (PL 38, 212).

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
39

Mt 13, 24-25.

40

Mt 13, 28.

Verzeichnis der Schriftstellen