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Es gibt 3 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Armut.

Der andere Feind, von dem der heilige Johannes spricht, ist die Begierde der Augen – eine abgrundtiefe Gier, die uns nur das schätzen lässt, was man betasten kann. Es sind Augen, die am Irdischen kleben, aber auch Augen, die eben deshalb unfähig sind, das Übernatürliche zu entdecken. Wir können also das Wort der Heiligen Schrift auch auf die Gier nach materiellen Gütern beziehen und darüber hinaus auf jene verzerrte Sicht, die uns alles, was uns umgibt – die anderen Menschen, unser Leben und unsere Zeit –, rein menschlich betrachten lässt.

Die Augen der Seele trüben sich, der Verstand hält sich allein für fähig, alles zu verstehen, ohne Gott in Betracht zu ziehen. Es ist eine subtile Versuchung, die sich geschickt auf die Würde der menschlichen Vernunft beruft, die Gott, unser Vater, dem Menschen gegeben hat, damit er Ihn erkenne und in Freiheit liebe. Getrieben von dieser Versuchung, hält sich die menschliche Vernunft für die Mitte des Universums; sie berauscht sich noch einmal an dem ihr werdet wie Gott22, und indem sie sich in sich selbst verliebt, wendet sie sich von der Liebe zu Gott ab.

Auf diesem Weg können wir in die Hände des dritten Feindes, der superbia vitae, geraten. Dabei handelt es sich nicht nur um vorübergehende Gedanken der Eitelkeit oder der Selbstliebe: Es ist eine umfassende Aufgeblasenheit. Täuschen wir uns nicht: Dies ist das schlimmste Übel und der Ursprung aller Irrwege. Der Kampf gegen den Hochmut muss beharrlich sein. Nicht von ungefähr hat man treffend gesagt, diese Leidenschaft sterbe erst einen Tag nach dem Tod des Menschen. Es ist der Übermut des Pharisäers, und es widerstrebt Gott, ihn zu rechtfertigen, da Er bei ihm auf eine Mauer der Selbstgerechtigkeit stößt. Es ist die Arroganz, die dazu führt, die anderen Menschen zu verachten, sie zu beherrschen und zu misshandeln; denn kommt Hochmut, kommt auch Schande23.

Gold, Weihrauch und Myrrhe

Videntes autem stellam gavisi sunt gaudio magno valde17, heißt es ausdrucksvoll im lateinischen Text: Als sie den Stern wieder sahen, freuten sie sich sehr, mit großer Freude. Warum eine derartige Freude? Weil jene, die nie zweifelten, vom Herrn den Beweis erhalten, dass der Stern nicht verschwunden war. Sie hatten ihn zwar nicht mehr sehen können, aber in ihrer Seele hatten sie sein Bild bewahrt. Genauso ist es mit der Berufung des Christen: Wenn man den Glauben nicht verliert und die Hoffnung auf Jesus Christus nicht aufgibt, der bei uns sein wird bis zum Ende der Welt18, dann wird der Stern wieder hervortreten. Und wenn wir dann von neuem die Wirklichkeit unserer Berufung erfahren, entbrennt in uns eine um so größere Freude, die unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe vermehrt.

Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten Ihm.19 Auch wir knien uns vor Jesus nieder, dem in der Menschheit verborgenen Gott: Wir bekräftigen vor Ihm, dass wir sein göttliches Rufen niemals mehr überhören und uns nie wieder von Ihm trennen wollen; dass wir auf unserem Weg alles beseitigen wollen, was der Treue hinderlich ist; dass wir den aufrichtigen Wunsch haben, seinen Eingebungen zu folgen. Wir beide: du, im Innern deiner Seele, und ich – denn ich bete in meinem Innersten mit stummen Schreien aus der Tiefe –, wir sind gerade dabei dem Kind zu erzählen, wie sehr wir Ihm, gleich jenen Knechten im Gleichnis, treu sein wollen, damit Christus auch uns sagen kann: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener.20

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten Ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.21 Wir wollen zum besseren Verständnis ein wenig bei dieser Stelle des Evangeliums verweilen. Wie können wir, die wir doch nichts sind und nichts taugen, Gott Geschenke darbringen? In der Heiligen Schrift heißt es: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab.22 Der Mensch vermag nicht einmal, die Tiefe und Schönheit der Gaben des Herrn vollkommen zu ermessen: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht23, erwidert Jesus der Samariterin. Jesus Christus hat uns gelehrt, alles vom Vater zu erhoffen, vor allem anderen das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu suchen, weil uns alles andere hinzugegeben wird. Denn Er weiß genau, wessen wir bedürfen.24

Unser Vater sorgt voll Liebe für jede Seele: Jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.25 Daher wäre es müßig, dem Herrn etwas anbieten zu wollen, wessen Er bedürfte. Insofern wir Schuldner sind, unfähig, unsere Schuld zu begleichen26, würden unsere Gaben denen des Alten Bundes ähnlich sein, die der Herr nicht mehr annimmt: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst Du nicht, Du hast daran kein Gefallen.27

Der Herr weiß aber, dass Verliebte immer schenken wollen, und so sagt Er uns, was Er sich von uns wünscht. Ihn interessieren nicht Reichtümer, nicht die Früchte der Erde, nicht die Tiere der Erde, des Meeres oder der Luft, denn alles das gehört Ihm ja. Er will etwas ganz Persönliches, das wir Ihm aus freien Stücken geben sollen: Gib mir dein Herz, mein Sohn.28 Seht, Er gibt sich nicht zufrieden, wenn Er mit anderen teilen muss, Er will alles. Er ist nicht auf der Suche nach unseren Gütern, ich wiederhole es: uns selbst will Er. Hier, und nur hier liegt der Grund für alle anderen Geschenke, die wir dem Herrn anbieten können.

So wollen wir Ihm Gold geben: das feine Gold des Losgelöstseins vom Geld und den materiellen Dingen. Wir wollen nicht vergessen, dass es gute Dinge sind, die aus Gottes Hand kommen. Der Herr hat jedoch gewollt, dass wir sie benutzen, ohne das Herz an sie zu hängen, dass wir sie einsetzen zum Wohl aller Menschen.

Die Güter der Welt sind nicht schlecht. Der Mensch wendet sie jedoch zum Bösen, wenn er sie zu Götzen erhebt und sich vor ihnen niederwirft. Sie werden geadelt, wenn wir sie – in einer christlichen Arbeit, in Gerechtigkeit und Liebe – in Werkzeuge des Guten verwandeln. Wir können nicht den wirtschaftlichen Gütern nachjagen wie jemand, der auf Schatzsuche geht. Unser Schatz ist hier und liegt in einer Krippe. Es ist Christus, und auf Ihn muss sich unsere ganze Liebe richten, denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz29.

Wie verständlich sind die Ungeduld, die Beklemmung und die ungestümen Wünsche jener, die mit einer natürlich christlichen Seele29 nicht resignieren wollen angesichts der persönlichen und sozialen Ungerechtigkeit, die das menschliche Herz hervorbringen kann. So viele Jahrhunderte schon leben die Menschen zusammen, und noch immer gibt es so viel Hass, so viel Zerstörung, so viel Fanatismus in Augen, die nicht sehen, und in Herzen, die nicht lieben wollen.

Die Reichtümer der Erde verteilt unter einige wenige, die Bildungsgüter einem kleinen Kreis vorbehalten und draußen Hunger nach Brot und Wissen. Draußen menschliches Leben, das heilig ist, weil es von Gott kommt, und das behandelt wird wie eine Sache, wie Zahlen in einer Statistik. Ich verstehe und teile diese Ungeduld, eine Ungeduld, die mich drängt, auf Christus zu schauen, der uns ständig auffordert, jenes neue Gebot der Liebe zu verwirklichen.

Alle Situationen unseres Lebens bergen eine göttliche Botschaft in sich und fordern von uns eine Antwort der Liebe und Hingabe an die anderen. Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit Ihm, dann wird Er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor Ihm versammelt werden, und Er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden Ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.30

In unseren Brüdern, den Menschen, müssen wir Christus sehen, der uns in ihnen begegnet. Kein menschliches Leben ist isoliert, sondern jedes ist mit allen anderen verflochten. Keiner ist wie ein bezugloser Vers, alle sind wir Teil ein und derselben göttlichen Dichtung, die Gott unter Mitwirkung unserer Freiheit verfasst.

Anmerkungen
22

Gen 3, 5.

23

Spr 11, 2.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
29

Vgl. Tertullian, Apologeticum, 17 (PL 1, 375).

30

Mt 25, 31-40

Verzeichnis der Schriftstellen