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Es gibt 4 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Dreifaltigkeit, Allerheiligste .

Wie merkwürdig ist die Fähigkeit des Menschen, die herrlichsten Dinge zu vergessen und sich an das Geheimnis zu gewöhnen. In dieser Fastenzeit wollen wir erneut daran denken, dass ein Christ nicht oberflächlich sein darf. Auch wenn er ganz mit seiner gewöhnlichen Arbeit beschäftigt ist, mit Aufgaben überhäuft und in dauernder Anspannung wie alle anderen Menschen, muss der Christ zugleich doch ganz in Gott geborgen sein, da er Kind Gottes ist.

Die Gotteskindschaft ist eine herrliche Wahrheit, ein tröstliches Geheimnis. Sie erfüllt ganz unser inneres Leben. Denn durch sie lernen wir, mit unserem himmlischen Vater umzugehen, Ihn kennenzulernen, Ihn zu lieben. Sie gründet unseren inneren Kampf auf die Hoffnung, und sie ist es schließlich, die uns die vertrauensvolle Einfachheit kleiner Kinder schenkt. Mehr noch: gerade weil wir Kinder Gottes sind, schauen wir mit Liebe und Bewunderung auf alle Dinge, die aus der Hand des göttlichen Vaters und Schöpfers stammen. Auf diese Weise leben wir kontemplativ inmitten der Welt und lieben diese Welt.

Die Liturgie der Fastenzeit verdeutlicht die Folgen der Sünde Adams im Leben der Menschen. Adam wollte kein guter Sohn Gottes sein und lehnte sich gegen Ihn auf. Gleichzeitig hören wir aber auch ständig den Widerhall des felix culpa – selige, glückbringende Schuld –, das die ganze Kirche in der Osternacht singen wird.40

Als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt, damit Er den Frieden wiederherstelle. Der Sohn erlöste uns Menschen von der Sünde, ut adoptionem filiorum reciperemus41, damit wir Kinder Gottes würden, befreit von der Sünde und befähigt zur Teilnahme am Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit. Und so hat Er diesen neuen Menschen, dieses Pfropfreis der Gotteskinder42, befähigt, die gesamte Schöpfung von der Unordnung zu befreien und in Christus alles zu erneuern43, der ja alles mit Gott versöhnt hat44.

Zeit der Buße also. Aber wie wir sehen, ist dies nichts Negatives. Die Fastenzeit will gelebt sein aus dem Geist der Kindschaft, den Christus uns mitgeteilt hat und der in unserer Seele lebendig ist.45 Der Herr ruft uns, damit wir uns Ihm mit dem Wunsch nähern, Ihm gleich zu werden: Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder.46 So können wir demütig, aber kraftvoll an dem göttlichen Plan mitwirken: zu einen, was getrennt ist, zu retten, was verloren ist, zusammenzufügen, was durch den sündigen Menschen aus den Fugen geraten ist, zu einem guten Ende zu führen, was verfahren ist, und die gottgewollte Eintracht der ganzen Schöpfung wiederherzustellen.

Die Sakramente der Gnade Gottes

Wer wirklich kämpfen will, setzt die entsprechenden Mittel ein; und diese haben sich in den zwanzig Jahrhunderten des Christentums nicht geändert: Gebet, Abtötung und Empfang der Sakramente. Da die Abtötung ebenfalls Gebet ist – das Gebet der Sinne –, können wir diese Mittel in zwei Worten zusammenfassen: Gebet und Sakramente.

Betrachten wir jetzt gemeinsam die Sakramente, diese Quelle göttlicher Gnade, diesen wunderbaren Erweis des göttlichen Erbarmens. Wir wollen ihre Definition im Katechismus Pius V. sorgfältig bedenken: »bestimmte sinnfällige Zeichen, welche die Gnade, die sie bewirken, andeuten und gewissermaßen vor Augen stellen«12. Gott unser Herr ist unendlich, seine Liebe unerschöpflich, seine Milde und sein Erbarmen mit uns sind grenzenlos. Obwohl Er uns seine Gnade auf vielfache Weise gewährt, hat Er ausdrücklich und weil Er es so wollte – Er allein konnte dies tun –, jene sieben wirksamen Zeichen eingesetzt, damit wir Menschen auf sichere, einfache und allen zugängliche Weise an den Verdiensten der Erlösung teilhaben können.

Ohne den Empfang der Sakramente schwindet jedes wahre christliche Leben. Und dennoch kann man nicht übersehen, dass es gerade in unserer Zeit nicht wenige gibt, die diesen Gnadenstrom der Erlösung Christi zu vergessen oder gar zu verachten scheinen. Es ist zwar schmerzlich, auf diese offene Wunde einer Gesellschaft, die sich christlich nennt, den Finger zu legen, aber es ist notwendig, damit wir in uns den Wunsch stärken, mit mehr Liebe und Dankbarkeit diese Quellen der Heiligung aufzusuchen.

Bedenkenlos schiebt man die Taufe der Neugeborenen hinaus und beraubt sie so – indem man schwer gegen die Liebe und Gerechtigkeit verstößt – der Gnade des Glaubens und der Einwohnung der Heiligsten Dreifaltigkeit, dieses unermesslichen Schatzes der Seele, die befleckt mit der Erbsünde zur Welt kommt. Ebenso geht man daran, das Wesen der Firmung in Frage zu stellen. Die Tradition hat immer einmütig in diesem Sakrament eine Stärkung des geistlichen Lebens gesehen und eine stille, fruchtbare Eingießung des Heiligen Geistes, damit die Seele, übernatürlich gekräftigt, als miles Christi in diesem inneren Kampf gegen Egoismus und Begierlichkeit bestehen kann.

Wenn das Gespür für die Dinge Gottes verlorengeht, ist das Bußsakrament kaum zu verstehen. Die sakramentale Beichte ist kein menschlicher Dialog, sondern ein Gespräch mit Gott; sie ist ein Gericht vor Gottes unfehlbarer Gerechtigkeit, vor allem aber vor dem Erbarmen jenes liebevollen Richters, der kein Gefallen hat am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass ein Schuldiger sich abkehrt von seinem Weg und am Leben bleibt13.

Die zärtliche Liebe unseres Herrn ist wahrhaft unendlich. Seht, mit welcher Zuneigung Er seine Kinder behandelt. Die Ehe hat Er zu einem heiligen Band gemacht, zum Abbild der Vereinigung Christi mit seiner Kirche14, zu einem großen Sakrament und zur Grundlage der christlichen Familie, die mit Hilfe der Gnade Gottes als Schule der Heiligkeit Frieden und Eintracht ausstrahlen soll. Die Eltern sind Mitarbeiter Gottes, und daher haben die Kinder die liebenswerte Pflicht, sie zu ehren. Man könnte das vierte Gebot – so schrieb ich schon vor vielen Jahren – das liebenswerteste Gebot des Dekalogs nennen. Wenn die Ehe, so wie Gott es will, heilig gelebt wird, dann wird das Zuhause ein friedlicher, heller und fröhlicher Ort.

Jesus Christus im Brot und im Wort begegnen

Wenn wir es verstehen, das Geheimnis Christi zu betrachten, wenn wir uns bemühen, Ihn mit reinen Augen zu sehen, wird uns aufgehen, dass es auch heute möglich ist, Jesus mit Leib und Seele ganz nahe zu kommen. Christus hat uns deutlich den Weg gewiesen: im Brot und im Wort; in der Nahrung der Eucharistie, im Kennenlernen und Erfüllen seiner Lehre, und indem wir Ihn im Gebet aufsuchen. So wird jeder, der mich isst, durch mich leben6. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.7

Das sind nicht bloße Versprechungen. Hier haben wir das Herzstück und die Wirklichkeit wahrhaftigen Lebens: des Lebens der Gnade, die uns zu einer persönlichen und unmittelbaren Begegnung mit Gott antreibt. Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.8 Diese Verheißung Jesu beim Letzten Abendmahl ist die beste Einstimmung auf den Tag der Himmelfahrt. Christus wusste, dass Er gehen musste; denn nach der Himmelfahrt sollte auf eine geheimnisvolle Weise, die wir nie ganz ergründen werden, in einem erneuten Ausströmen göttlicher Liebe die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit kommen: Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich Ihn zu euch senden.9

Er ist weggegangen und hat uns den Heiligen Geist gesandt, der unsere Seele führt und heiligt. In uns wirkend, bestätigt der Tröster, was Christus uns verheißen hatte: dass wir Kinder Gottes sind: Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!10

Seht, das ist das Wirken der Dreifaltigkeit in uns. Jeder Christ hat Zugang zu dieser Einwohnung Gottes in seinem Innersten, wenn er der Gnade entspricht, die zur Vereinigung mit Christus im Brot und im Wort, in der Eucharistie und im Gebet führt. Die Kirche erinnert uns jeden Tag an die Wirklichkeit des lebendigen Brotes und widmet der Eucharistie zwei Festtage im liturgischen Jahr: Gründonnerstag und Fronleichnam. An diesem Tag der Himmelfahrt wollen wir betrachten, wie wir Christus begegnen durch das aufmerksame Hören des Wortes.

Wir haben uns jene Begegnung in Naïn vergegenwärtigt. Wir hätten uns auch viele ähnliche Szenen ins Gedächtnis rufen können, denn das Evangelium bietet sie in Fülle. Diese Berichte haben schon immer die Herzen der Menschen bewegt, früher wie heute, denn hier zeigt sich nicht nur die aufrichtige Geste eines Menschen, der mit seinesgleichen Mitleid empfindet, sondern vor allem die Offenbarung der unauslotbaren Liebe Gottes. Das Herz Jesu ist das Herz des menschgewordenen Gottes, das Herz des Emmanuel, Gott mit uns.

»Die Kirche, mit Christus vereint, wird aus einem durchbohrten Herzen geboren.«37 Aus diesem weit geöffneten Herzen empfangen wir das Leben. Wie sollten wir nicht hier, wenn auch nur kurz, die Sakramente erwähnen, durch welche Gott in uns wirkt und uns der erlösenden Kraft Christi teilhaftig macht? Wie sollten wir nicht mit besonderer Dankbarkeit das heiligste Sakrament der Eucharistie, das heilige Opfer auf Golgota und seine ständige unblutige Erneuerung in der Heiligen Messe erwähnen? Es ist Jesus, der sich uns zur Speise gibt. Weil Christus zu uns kommt, wird alles anders: Eine Kraft – der Beistand des Heiligen Geistes – wirkt in uns, erfüllt die Seele und prägt Handeln, Denken und Fühlen. Christi Herz ist Frieden für den Christen.

Der tragende Grund der Hingabe, die der Herr von uns erwartet, ist nicht der eigene Wunsch oder die eigene Kraft, die oft hilf- und machtlos sind; diese Hingabe stützt sich vielmehr zuerst auf die Gnade, welche die Liebe aus dem Herzen des menschgewordenen Gottes für uns erlangt hat. Daher können und müssen wir in unserem inneren Leben als Kinder unseres Vaters im Himmel ausharren, ohne mutlos zu werden oder zu ermüden. Ich verweise gern darauf, dass der Christ gerade in seinem Alltagsleben, in den einfachen Dingen, in den ganz gewöhnlichen Situationen Glaube, Hoffnung und Liebe lebt, denn darin äußert sich wesenhaft das Verhalten eines auf die göttliche Hilfe vertrauenden Menschen; und hier, in der Ausübung dieser göttlichen Tugenden, findet er Freude, Kraft und Ruhe.

Das sind die Früchte des Friedens Christi, des Friedens, den uns sein heiligstes Herz bringt. Denn die Liebe Jesu zu den Menschen – es ist gut, wieder einmal daran zu erinnern – ist ein unergründlicher Teil des göttlichen Geheimnisses, der Liebe des Sohnes zum Vater und zum Heiligen Geist. Der Heilige Geist, das Band der Liebe zwischen Vater und Sohn, findet im göttlichen Wort ein menschliches Herz.

Es ist nicht möglich, über diese zentralen Geheimnisse unseres Glaubens zu sprechen, ohne die Begrenztheit unseres Verstandes und den Reichtum der Offenbarung gewahr zu werden. Aber fest und demütig glauben wir diese Wahrheiten, auch wenn sie für die staunende Vernunft unfassbar sind: Gestützt auf das Zeugnis Christi wissen wir, dass es so ist; dass die Liebe im Schoß der Dreifaltigkeit sich ausgießt über alle Menschen durch die Liebe des Herzens Jesu.

Anmerkungen
40

Osterlob (Exsultet).

41

Gal 4, 5.

42

Vgl. Röm 6, 4-5.

43

Vgl. Eph 1, 5-10.

44

Vgl. Kol 1, 20.

45

Vgl. Gal 4, 6.

46

Eph 5, 1.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
12

Römischer Katechismus nach dem Beschluss des Konzils von Trient, II. Kap. I, 3.

13

Ez 33, 11.

14

Vgl. Eph 5, 32.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
6

Joh 6, 57.

7

Joh 14, 21.

8

Joh 15, 10.

9

Joh 16, 7.

10

Röm 8, 15.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
37

Aus dem Hymnus der Vesper vom Fest.