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Es gibt 4 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Nächstenliebe → Merkmale der Nächstenliebe.

Er erfüllte den Willen des Vaters

Ich bin sicher: Jesus sucht auch heute Wohnung in unseren Herzen. Bitten wir Ihn um Vergebung für unsere persönliche Blindheit und Undankbarkeit. Und bitten wir Ihn um die Gnade, Ihm niemals mehr unser Herz zu verschließen.

Der Herr lässt uns nicht im unklaren darüber, dass ein in den göttlichen Willen ergebener Gehorsam Verzicht und Hingabe verlangt, denn die Liebe pocht nicht auf Rechte: sie will dienen. Er ist als erster diesen Weg gegangen. Und wie hast Du den Gehorsam gelebt, Jesus? Usque ad mortem, mortem autem crucis20, bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Man muss von sich selbst loskommen, bereit sein, sich aus seiner Ruhe bringen zu lassen, sein Leben zu verlieren aus Liebe zu Gott und den Menschen. »Da wolltest du nun leben und wolltest nicht, dass dir etwas widerfährt, aber Gott hat es anders gewollt. Es gibt einen zweifachen Willen: der deine muss korrigiert werden, um mit dem Willen Gottes eins zu werden: nicht hat sich der Wille Gottes dem deinen anzupassen.«21

Ich habe voll Freude gesehen, wie so viele Menschen ihr Leben weggegeben haben, um den Willen Gottes zu erfüllen – wie Du, Herr: usque ad mortem. Ihre Kraft und ihre berufliche Arbeit haben sie dem Dienst an der Kirche gewidmet, zum Wohle aller Menschen.

Wir wollen lernen zu gehorchen, lernen zu dienen. Es gibt keine höhere Würde als die der freiwilligen Hingabe zum Wohl der anderen. Wenn der Stolz in uns brodelt und der Hochmut uns glauben machen will, wir seien Übermenschen, dann ist der Augenblick gekommen, nein zu sagen und zu bekräftigen, dass unser Triumphieren allein in der Demut liegt. Auf diese Weise werden wir eins mit Christus am Kreuz, aber nicht verdrossen, geängstigt oder widerwillig, sondern freudigen Herzens, denn diese Freude, die im Selbstvergessen liegt, ist der beste Beweis unserer Liebe.

Balsam für die Augen

Die Sünde der Pharisäer bestand nicht darin, dass sie in Christus nicht Gott sahen, sondern dass sie sich willentlich in sich verschlossen und nicht duldeten, dass Jesus, das Licht selbst, ihnen die Augen öffnete.17 Dieses Sich-Verschließen hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Beziehungen zu den Mitmenschen. Der Pharisäer, der meint, selbst Licht zu sein, und nicht zulässt, dass Gott ihm die Augen öffnet, wird dem Nächsten voller Hochmut und Ungerechtigkeit begegnen: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort18 – das ist sein Gebet. Und der Blindgeborene, der bei der Wahrheit bleiben will und von einer wunderbaren Heilung spricht, muss sich sagen lassen: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.19

Unter jenen, die Christus nicht kennen, gibt es viele gute Menschen, die sich aus einer natürlichen Haltung heraus feinfühlig verhalten: Sie sind aufrichtig, herzlich, aufmerksam. Wenn sie und wir uns nicht dagegenstemmen, dass Christus die Blindheit heilt, die unsere Augen noch trübt, wenn wir es zulassen, dass der Herr diese Augen mit einem Teig bestreicht, der in seinen Händen zu heilender Salbe wird, dann werden wir in einem neuen Licht – mit dem Licht des Glaubens – die irdischen Dinge wahrnehmen und die ewigen erahnen: wir werden einen lauteren Blick erwerben.

Dazu ist der Christ berufen, zur Fülle der Liebe. Diese Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.20

Die Liebe Christi ist nicht bloß ein Gefühl des Wohlwollens gegenüber dem Nächsten, sie ist nicht lediglich eine philanthropische Laune. Die Liebe, die Gott der Seele eingießt, verwandelt Verstand und Willen von innen her, sie gibt der Freundschaft und der Freude an guten Werken eine übernatürliche Grundlage.

Führt euch die Heilung des Gelähmten vor Augen, von der die Apostelgeschichte berichtet. Petrus und Johannes steigen zum Tempel hinauf und stoßen beim Vorübergehen auf einen Mann, der am Tor des Tempels sitzt. Er ist lahm von Geburt. Alles erinnert an die Heilung des Blindgeborenen. Doch jetzt bringen die Jünger dieses Schicksal nicht mehr in Zusammenhang mit den persönlichen Sünden des Kranken oder mit den Verfehlungen seiner Eltern. Sie sagen zu ihm: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!21 Früher waren sie voll Unverstand, jetzt sind sie voll Erbarmen, früher urteilten sie voreilig, jetzt heilen sie auf wunderbare Weise im Namen des Herrn. Seht, wieder ist es Christus, der vorübergeht! Christus geht immer noch vorüber auf den Straßen der Welt, in der Gestalt seiner Jünger, in der Gestalt der Christen. Und ich bitte Ihn aus ganzem Herzen, Er möge dicht an der Seele so mancher vorübergehen, die mich jetzt hören.

Wahre Andacht zum Herzen Christi

Wieviel Reichtum liegt in diesen Worten: Heiligstes Herz Jesu. Wenn wir vom menschlichen Herzen sprechen, meinen wir nicht allein die Gefühle, sondern die ganze Person, die liebt und sich anderen zuwendet. Im Sprachgebrauch der Menschen, den die Heilige Schrift übernimmt, um uns die Dinge Gottes verständlich zu machen, ist das Herz Mitte und Ursprung, Ausdruck und Urgrund der Gedanken, Worte und Handlungen. Man kann es so ausdrücken: Ein Mensch ist wert, was sein Herz wert ist.

Sache des Herzens ist die Freude: Mein Herz soll über Deine Hilfe jubeln12; die Reue: Mein Herz ist geworden wie Wachs, in meinen Eingeweiden zerflossen13; das Lob Gottes: Mein Herz fließt über von einem guten Wort. Ich trage mein Werk dem König vor14; das Verlangen, auf den Herrn zu hören: Mein Herz ist bereit15; das liebevolle Wachen: Ich schlief, doch mein Herz war wach16; ja, auch der Zweifel und die Furcht: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.17

Das Herz fühlt nicht nur, es weiß und versteht auch. Das Gesetz Gottes wird im Herzen empfangen18, und im Herzen bleibt es eingeschrieben19. In der Heiligen Schrift heißt es auch: Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund.20 Der Herr warf den Schriftgelehrten vor: Warum denkt ihr Böses in euren Herzen?21 Und Er meint alle Sünden, deren der Mensch fähig ist, wenn Er sagt: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen.22

Mit dem Herzen meint die Heilige Schrift nicht das vorübergehende Gefühl von Heiterkeit oder Trübsinn; gemeint ist vielmehr die Person, die, wie Christus selbst uns sagt, sich in ihrer Ganzheit – mit Leib und Seele – dem zuwendet, was sie als ihr Wohl erfasst: Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.23

Wenn wir also jetzt vom Herzen Jesu sprechen, sehen wir darin die Gewissheit der Liebe Gottes und die Wirklichkeit seiner Hingabe für uns; und wenn wir die Verehrung des Heiligsten Herzens empfehlen, so empfehlen wir, dass wir uns mit allem, was wir sind – mit Seele und Gefühl, Gedanken, Worten und Taten, Mühen und Freuden –, dem ganzen Jesus zuwenden.

So gewinnt die wahre Andacht zum Herzen Jesu Gestalt: Gott erkennen und uns erkennen, auf Jesus blicken und zu Ihm gehen, zu Ihm, der uns ermutigt, uns lehrt, uns leitet. Oberflächlich kann diese Form der Frömmigkeit nur für denjenigen sein, der so wenig Mensch ist, dass er die Wirklichkeit des fleischgewordenen Gottes nicht zu erfassen vermag.

Unsere Liebe Frau nachahmen

Unsere Mutter ist darin Vorbild, wie sie der Gnade entspricht. Wenn wir ihr Leben betrachten, wird uns der Herr Klarheit schenken, damit wir unser gewöhnliches Dasein vergöttlichen können. Wir Christen denken oft an die Mutter Gottes: im Laufe des Jahres, wenn wir die Marienfeste feiern, wie auch oft mitten im gewöhnlichen Alltag. Wenn wir diese Gelegenheiten nutzen und uns dabei vorstellen, wie Maria den Aufgaben, die uns beschäftigen, nachgehen würde, so werden wir ständig hinzulernen; und schließlich werden wir ihr ähnlich sein wie Kinder ihrer Mutter.

An erster Stelle ist ihre Liebe nachahmenswert. Die Liebe darf es nicht bei Gefühlen bewenden lassen: Sie soll in Worten bestehen, vor allem aber in Werken. Die Mutter Gottes sagte ihr fiat nicht nur, sondern sie verwirklichte diesen festen, unwiderruflichen Entschluss in jedem Augenblick ihres Lebens. So auch wir: wenn die Gottesliebe unser Herz unruhig macht und wir den göttlichen Willen erkannt haben, dann müssen wir uns auch entschließen, treu und loyal zu sein, und diesen Entschluss wirksam werden lassen. Denn nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.12

Auch ihre vollendete Art im Natürlichen und Übernatürlichen sollen wir nachahmen. Maria ist in der Heilsgeschichte ein bevorzugtes Geschöpf, denn in ihr ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt13. Sie war feinfühlender Zeuge und blieb unauffällig; es missfiel ihr, Lob zu empfangen, denn ihr Trachten ging nicht auf eigene Ehre. Maria ist zugegen in den Geheimnissen der Kindheit ihres Sohnes –vielleicht dürfen wir sie normale Geheimnisse nennen –, aber zur Stunde der großen Wunder und der begeisterten Menge ist sie nicht da. Maria ist nicht da, als Christus in Jerusalem – auf einem Esel reitend – als König umjubelt wird. Aber sie erscheint wieder unter dem Kreuz, als alle fliehen. Ihr unauffälliges Verhalten zeigt die Größe, Tiefe und Heiligkeit ihrer Seele.

Versuchen wir von ihr zu lernen, folgen wir ihrem Beispiel im Gehorsam gegenüber Gott, in dieser unauffälligen Verbindung von Dienen und Herrschen. In Maria ist nichts von jener Haltung der törichten Jungfrauen, die zwar gehorchen, aber ohne zu überlegen. Unsere Liebe Frau hört aufmerksam auf das, was Gott will, erwägt, was sie nicht versteht, fragt, was sie nicht weiß. Dann liefert sie sich ganz dem göttlichen Willen aus: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.14 Seht ihr das Wunderbare? Maria, die Lehrmeisterin unseres Lebens, zeigt uns hier, dass der Gehorsam gegenüber Gott nicht Unterwürfigkeit ist und das Gewissen nicht unterjocht, sondern er bringt uns in unserem Inneren dazu, die Freiheit der Kinder Gottes15 zu entdecken.

Anmerkungen
20

Phil 2, 8.

21

Augustinus, Enarrationes in psalmos, 31, 2, 26 (PL 36, 274).

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
17

Vgl. Joh 9, 39-41.

18

Lk 18, 11.

19

Joh 9, 34.

20

1 Kor 13, 4-7.

21

Apg 3, 6.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
12

Ps 13 (12), 6.

13

Ps 22 (21), 15.

14

Ps 45 (44), 2.

15

Ps 57 (56), 8.

16

Hld 5, 2.

17

Joh 14, 1.

18

Vgl. Ps 40 (39), 9.

19

Vgl. Spr 7, 3.

20

Mt 12, 34.

21

Mt 9, 4.

22

Mt 15, 19.

23

Mt 6, 21.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
12

Mt 7, 21.

13

Joh 1, 14.

14

Lk 1, 38.

15

Vgl. Röm 8, 21.

Verzeichnis der Schriftstellen