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Es gibt 6 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Kirche → das Reich Christi ausbreiten .

Das künftige Leben

Die apostolische Aufgabe, die Christus allen seinen Jüngern anvertraut hat, zeitigt daher greifbare Ergebnisse in der Gesellschaft. Es ist falsch zu meinen, man müsse der Welt den Rücken kehren, man müsse die menschliche Natur vergewaltigen, um Christ zu sein. Alles, was gut ist, mag es auch noch so unbedeutend sein, birgt einen menschlichen und göttlichen Sinn. Christus, vollkommener Mensch, ist nicht gekommen, um das Menschliche zu zerstören, sondern um es zu adeln, indem Er unsere menschliche Natur, ausgenommen die Sünde, annahm; Er ist gekommen, alles Mühen der Menschen zu teilen, nur nicht den traurigen Irrweg des Bösen.

Der Christ muss immer bereit sein, die Gesellschaft von innen her zu heiligen, da er ja voll und ganz in der Welt ist, wenn auch nicht von der Welt – jener Welt, in der Gott geleugnet wird, in der man sich seinem liebenswerten Erlösungswillen widersetzt; nicht weil die Welt so geschaffen worden wäre, sondern weil sie durch die Sünde so geworden ist.

Das Fest der Himmelfahrt des Herrn zeigt uns noch eine andere Wirklichkeit: Derselbe Christus, der uns die Welt als Aufgabe übertragen hat, erwartet uns im Himmel. Mit anderen Worten: das Leben hier auf Erden, das wir lieben, ist nicht das endgültige; wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige42, dauernde Wohnstatt.

Hüten wir uns jedoch, das Wort Gottes aus einem verengten Blickwinkel heraus zu deuten. Der Herr will nicht, dass wir während dieser Wanderschaft unglücklich sind und Trost allein im Jenseits erhoffen. Gott will, dass wir bereits hier glücklich sind, aber voller Verlangen nach der endgültigen Erfüllung in jener anderen Glückseligkeit, die nur Er ganz geben kann.

Das Betrachten der übernatürlichen Wirklichkeiten, das Wirken der Gnade in unserer Seele, die Liebe zum Nächsten als köstliche Frucht der Liebe zu Gott geben uns schon hier einen Vorgeschmack des Himmels, einen Anfangsgrund, der von Tag zu Tag zunehmen wird. Wir Christen führen kein Doppelleben: Unser Leben bildet eine Einheit, die all unser Tun trägt und durchdringt.

Christus erwartet uns. Unsere Heimat ist im Himmel43, doch leben wir vollkommen als Bürger der Erde inmitten von Schwierigkeiten, Ungerechtigkeit und Unverständnis, aber auch inmitten der Freude und Gelassenheit, die aus dem Wissen kommen, dass Gott uns als seine Kinder liebt. Harren wir aus im Dienst unseres Gottes, und wir werden erleben, wie dieses friedbringende christliche Heer, dieses zur Miterlösung bestimmte Volk an Zahl und Heiligkeit zunimmt. Seien wir Menschen des Gebetes, die immer wieder mit dem Herrn Zwiesprache halten, indem wir vom ersten Gedanken des Tages bis zum letzten des Abends fortwährend unser Herz bei Ihm haben. Durch Maria, unsere Mutter, kommen wir zu Ihm und durch Ihn zum Vater und zum Heiligen Geist.

Wenn aber trotz allem die Himmelfahrt des Herrn in unserem Herzen einen Nachgeschmack von Bitternis und Traurigkeit zurücklassen sollte, dann wollen wir uns an seine Mutter wenden wie damals die Apostel: Dann kehrten sie nach Jerusalem zurück … und verharrten dort einmütig im Gebet … mit Maria, der Mutter Jesu.44

Christus den Menschen bekanntmachen

Alle Geschehnisse des Lebens – jene der persönlichen Existenz und in etwa auch die entscheidenden Stunden der Geschichte – erscheinen mir als Anrufe, die Gott an die Menschen richtet, sich der Wahrheit zu stellen; und gleichzeitig sind sie Gelegenheiten für uns Christen, durch Werke und Worte mit Hilfe der Gnade zu verkünden, wes Geistes wir sind.19

Jede Generation von Christen muss ihre eigene Zeit erlösen und heiligen. Hierzu müssen sie die Sorgen ihrer Mitmenschen verstehen und teilen, damit sie ihnen mit der Sprachengabe näherbringen können, wie sie auf das Wirken des Heiligen Geistes und auf den stets überfließenden Reichtum des göttlichen Herzens antworten können. Uns Christen fällt in unserer Zeit die Aufgabe zu, der Welt, in der wir sind und leben, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden, die alt und zugleich immer neu ist.

Es stimmt nicht, dass die Menschen von heute – im allgemeinen, insgesamt – verschlossen oder gleichgültig wären für alles, was der christliche Glaube über Schicksal und Sein des Menschen lehrt; es ist nicht wahr, dass der Mensch unseres Zeitalters nur an das Irdische denkt und den Himmel vergisst. Auch wenn es nicht an in sich verschlossenen Ideologien und deren Verfechtern fehlt, finden wir in unserer Zeit neben Gemeinheit große Ideale, neben Feigheit Heroismus, neben Enttäuschung Sehnsucht; es gibt Menschen, die von einer neuen, gerechteren und menschlicheren Welt träumen, und Menschen, die, vielleicht aus Enttäuschung über das Scheitern ihrer ursprünglichen Ideale, zu egoistischer Ruhe Zuflucht nehmen oder dem Irrtum verhaftet bleiben.

Allen diesen Menschen, überall, wo sie sind, und gleichgültig, ob wir sie in einem Augenblick des Jubels oder einer Niederlage antreffen, müssen wir die feierlichen und bestimmten Worte des Apostels Petrus in der Zeit nach Pfingsten zurufen: Christus ist der Eckstein, der Erlöser, die Fülle unseres Lebens, denn außerhalb von Ihm ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen20.

Heute, am Fronleichnamsfest, betrachten wir gemeinsam die Tiefe der Liebe, die Christus dazu führte, unter den sakramentalen Gestalten verborgen zu bleiben; es ist, als würden wir mit unseren eigenen Ohren hören, wie der Herr die Volksmenge lehrt: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.1

Heute ist es nicht anders. Auch heute wirft der göttliche Sämann den Samen aus. Das Werk der Erlösung setzt sich fort, und der Herr will sich dabei unser bedienen: Er will, dass wir Christen alle Wege der Erde seiner Liebe erschließen; Er fordert uns auf, die göttliche Botschaft durch Lehre und Beispiel bis in die letzten Winkel der Erde zu tragen. Er bittet uns, dass wir, als Glieder der Kirche und des Staates, unseren Aufgaben treu nachkommen, dass jeder von uns ein zweiter Christus wird durch die Heiligung seiner beruflichen Arbeit und der Pflichten des eigenen Standes.

Wenn wir um uns schauen in dieser Welt, die wir lieben, weil sie ein Werk Gottes ist, stellen wir fest, wie sich das Gleichnis erfüllt: Das Wort Jesu Christi ist fruchtbar, es ruft in vielen Seelen den Wunsch nach Hingabe und Treue wach. Das Leben und Verhalten derer, die Gott dienen, hat die Geschichte verändert. Selbst viele, die den Herrn nicht kennen, richten sich – ohne es vielleicht zu wissen – nach Idealen, die dem Christentum entstammen.

Wir sehen aber auch, dass ein Teil des Samens auf unfruchtbares Erdreich oder unter Dornen und Disteln fällt, dass es Herzen gibt, die sich dem Licht des Glaubens verschließen. Die Ideale des Friedens, der Versöhnung, der Brüderlichkeit werden wohl akzeptiert und verkündet, aber nicht selten durch die Tat verleugnet. Einige Menschen setzen vergeblich alles daran, die Stimme Gottes zum Schweigen zu bringen, und sie versuchen, ihre Resonanz gewaltsam oder durch eine Waffe, die weniger vernehmbar, aber grausamer ist, weil sie den Geist einschläfert, zu unterbinden: durch die Gleichgültigkeit.

Vergessen wir nicht, dass es noch sehr viel zu tun gibt. Eines Tages, vielleicht beim Anblick der reifen, wogenden Ähren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.24 Wie damals fehlen auch heute Arbeiter, die bereit sind, die Last des Tagesund die Hitze zu tragen25. Und wenn wir, die wir arbeiten, nicht treu sind, wird sich das Wort des Propheten Joël erfüllen: Vernichtet ist das Feld, der Ackerboden trauert; denn vernichtet ist das Korn, vertrocknet der Wein, versiegt das Öl. Die Bauern sind ganz geschlagen, es jammern die Winzer; denn Weizen und Gerste, die Ernte des Feldes ist verloren!26

Es gibt keine Ernte ohne die Bereitschaft, großmütig eine oft lange und mühevolle Arbeit auf sich zu nehmen: das Feld zu pflügen, zu bestellen und zu versorgen, später zu mähen und zu dreschen. Das Reich Gottes verwirklicht sich in der Geschichte, in der Zeit. Der Herr hat uns allen, ohne Ausnahme, diese Aufgabe anvertraut. Jetzt, während wir Christus in der Eucharistie anbeten und betrachten, wollen wir daran denken, dass die Zeit des Ausruhens noch nicht gekommen ist, dass der Tag noch nicht zu Ende ist.

Im Buch der Sprichwörter lesen wir: Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot27. Versuchen wir, dieses Wort geistlich auf uns anzuwenden: Wer den Acker Gottes nicht bearbeitet, wer dem göttlichen Auftrag nicht treu ist, sich den anderen hinzugeben und ihnen zu helfen, Christus kennenzulernen, wird schwerlich verstehen, was das eucharistische Brot ist. Niemand schätzt, was keine Mühe macht. Um die heilige Eucharistie zu schätzen und zu lieben, muss man den Weg Jesu gehen: Weizen sein, sterben, voll Kraft wiedererstehen und reiche Frucht bringen: das Hundertfache!28

Dieser Weg lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Lieben. Lieben heißt, ein großes Herz haben, die Sorgen unserer Mitmenschen teilen, verzeihen können und verstehen können: sich mit Jesus Christus für alle Seelen aufopfern. Wenn wir mit dem Herzen Christi lieben, werden wir lernen zu dienen, und wir werden die Wahrheit klar und in Liebe verteidigen. Um so zu lieben, muss jeder aus seinem eigenen Leben alles das ausmerzen, was das Leben Christi in uns beeinträchtigt: der starke Hang zur Bequemlichkeit, die Versuchungen des Egoismus, die Neigung, uns selbst ins Licht zu stellen. Nur wenn wir in uns dieses Leben Christi nachbilden, werden wir es an die anderen weitergeben können; nur wenn wir das Sterben des Weizenkorns in uns erfahren, werden wir gegenwärtig sein in den Aufgaben der Welt, werden wir die Welt von innen her umgestalten, sie fruchtbar machen.

Aber die vielen, die im Unrecht verharren, möchtest du einwenden. Ja, doch der Herr ermuntert uns ausdrücklich: Fordere von mir, und ich gebe Dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde. Du wirst sie zerschlagen mit eisernem Stab, wie Krüge aus Ton wirst Du sie zertrümmern.52 Es sind harte Verheißungen, und sie kommen von Gott: Wir können sie nicht überhören. Nicht umsonst ist Christus der Erlöser der Welt, und Er herrscht erhaben zur Rechten des Vaters. Diese Worte sind eine furchtbare Ankündigung dessen, was einen jeden erwartet, wenn sein Leben vorüber ist – und es geht vorüber –, was uns alle am Ende der Geschichte erwartet, falls das Herz sich im Bösen und in der Verzweiflung verhärtet.

Gott, der immer Sieger sein könnte, zieht es vor zu überzeugen: Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! Mit Furcht dient dem Herrn, jubelt Ihm zu mit Beben, küsst den Sohn, damit Er nicht zürnt und euer Weg sich verliert, denn wenig nur und sein Zorn ist entbrannt.53 Christus ist der Herr, der König: So verkünden wir euch das Evangelium: Gott hat die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, an uns, ihren Kindern, erfüllt, indem Er Jesus auferweckt hat, wie es im zweiten Psalm heißt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt …

Ihr sollt also wissen, meine Brüder: Durch diesen wird euch die Vergebung der Sünden verkündet, und in allem, worin euch das Gesetz des Mose nicht gerecht machen konnte, wird jeder, der glaubt, durch Ihn gerecht gemacht. Gebt also Acht, dass nicht eintrifft, was bei den Propheten gesagt ist: Schaut hin, ihr Verächter, staunt und vergeht! Denn ich vollbringe in euren Tagen eine Tat – würde man euch von dieser Tat erzählen, ihr glaubtet es nicht.54

Das ist das Werk der Erlösung, das Reich Christi in den Seelen, der Ausdruck des göttlichen Erbarmens. Selig alle, die bei Ihm sich bergen!55 Wir Christen haben das Recht, die Königswürde Christi zu lobpreisen; denn obwohl gewaltige Ungerechtigkeit herrscht und viele dieses Reich der Liebe nicht wollen, schreitet das Werk der göttlichen Erlösung in der menschlichen Geschichte, dem Schauplatz des Bösen, voran.

Anmerkungen
42

Hebr 13, 14.

43

Phil 3, 20.

44

Apg 1, 12-14.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
19

Vgl. Lk 9, 55.

20

Apg 4, 12.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
1

Mt 13, 3-8.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
24

Mt 9, 37-38.

25

Mt 20, 12.

26

Joël 1, 10-11.

27

Spr 12, 11.

28

Vgl. Mk 4, 8.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
52

Ps 2, 8-9.

53

Ps 2, 10-12.

54

Apg 13, 32-33; 38-41.

55

Ps 2, 12.

Verzeichnis der Schriftstellen