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Erschrick nicht! Lass den Mut nicht sinken, wenn du deine Fehler entdeckst … und was für Fehler!
Streng dich an, sie zu überwinden. Und sei in deinem Ringen gewiss, dass es für dich gut ist, all diese Schwächen zu spüren; sonst würdest du hochmütig werden, und Hochmut trennt von Gott.
Betrachte die Güte Gottes und staune, denn Christus will in dir leben … obwohl du die ganze Last deines leiblichen und geistlichen Elends verspürst, deiner Niederträchtigkeit, deiner staubgeborenen Existenz!
Ja, gerade dann sollst du den Ruf Gottes in dir vernehmen, denn Christus – Gott und Mensch – versteht mich und hilft mir als mein Bruder und mein Freund.
Du bist zufrieden und sehr glücklich, obwohl du manchmal die Traurigkeit mit kalter Hand nach dir greifen fühlst und sogar fast ständig eine Schicht von Trübsal über deiner Seele verspürst.
Und wirklich können beide, Freude und Trauer, zusammenwohnen, jede in ihrem »Menschen«; die Freude in dem neuen, die Trauer in dem alten …
Die Demut erwächst als Frucht der Gotteserkenntnis und der Selbsterkenntnis.
Ich bitte Dich, Herr, um eine Gabe: die Liebe … eine Liebe, die mich rein macht. – Und noch um eine weitere Gabe bitte ich Dich: um Selbsterkenntnis, damit ich demütig werde.
»Heilig« sind die zu nennen, die bis zum letzten Atemzug kämpfen; die es fertigbringen, nach jedem Fehltritt, nach jedem Sturz sich wieder zu erheben und ihren Weg beherzt weiterzugehen: in Demut, in Liebe, in Hoffnung.
Wenn deine Verirrungen dich demütig machen, wenn sie dich dahin bringen, entschlossener nach der starken Hand Gottes zu greifen, dann sind sie ein Weg zur Heiligkeit! »Felix culpa« – selige Schuld! – singt die Kirche.
Es ist kaum zu glauben, dass jemand wie du, der – wie er sagt – klar seine Nichtigkeit erkennt, der Gnade Gottes Hindernisse in den Weg zu legen wagt.
Denn das tust du mit deiner unechten Demut, mit deiner Pseudo-Objektivität, mit deinem Pessimismus.
An der Demut erkennt man den echten Glauben.
»Dicebat enim intra se« – jene arme Frau sagte sich: »si tetigero tantum vestimentum eius, salva ero« – wenn ich auch nur den Saum seines Gewandes berühre, werde ich geheilt.
Wie groß war ihre Demut, Frucht und Zeichen ihres Glaubens!
Lass die Gottesmutter dir Vorbild sein! Erst wenn wir uns ganz und gar die eigene Nichtigkeit eingestehen, wird unser Leben in den Augen des Schöpfers kostbar.
Wir werden niemals die echte übernatürliche und menschliche Freude, den wirklichen Frohsinn, erlangen, wenn wir Jesus nicht wirklich nachahmen, wenn wir nicht demütig sind wie Er.
Bist du imstande, die Demütigungen zu ertragen, die Gott von dir in unbedeutenden Dingen erwartet, die die Wahrheit nicht verdunkeln? – Nein? Dann liebst du die Tugend der Demut nicht.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/forja/10494/ (08.05.2026)