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Wie viel bist du Gott, deinem Vater, schuldig! Er hat dir das Dasein, die Vernunft, den Willen geschenkt … und die Gnade – den Heiligen Geist, Jesus in der Hostie, die Gotteskindschaft, Unsere Liebe Frau, die Mutter Gottes und unsere Mutter. Er gibt dir die Möglichkeit, an der heiligen Messe teilzunehmen, Er gewährt dir Vergebung deiner Sünden – immer und immer wieder! Er hat dich mit unzähligen Gaben – auch mit außergewöhnlichen – gesegnet …
Mein Kind: Wie hast du all dem entsprochen? Wie entsprichst du all dem jetzt?
Gott ein wenig näherkommen heißt, bereit sein zu einer erneuten Bekehrung, zu einer abermaligen Begradigung des Weges, zu einem noch wacheren Hinhören auf die Anregungen, die Er als heiliges Streben in unsere Seele hineinlegt. Und diese Anregungen in die Tat umsetzen.
Wie viel Gemeinheit in meinem Verhalten! Wie viel Untreue angesichts der Gnade Gottes!
Du, meine Mutter, Zuflucht der Sünder, bitte für mich, damit ich nie wieder das Wirken Gottes in meiner Seele erschwere.
So viele Jahre schon Christus so nahe und … was für ein Sünder bin ich immer noch!
Wie liebevoll hat Jesus dich angenommen! Berührt es dich nicht schmerzlich, wenn du daran denkst?
Lazarus kam aus dem Grabe hervor, weil er die Stimme Gottes hörte – und sogleich wollte er aus dem Kerker des Todes herauskommen. Hätte er nicht »gewollt«, so wäre er von neuem gestorben.
Nimm es dir aufrichtig vor: Ich will immer an Gott glauben; ich will immer auf Gott hoffen; ich will Gott immer lieben … Er verlässt uns niemals, auch wenn – wie bei Lazarus – die Verwesung schon begonnen hat.
Gott sei Dank! sagtest du, nachdem du gebeichtet hattest. Und du dachtest: Es ist, als wäre man neu geboren.
Dann fuhrst du ruhig und gelassen fort: »Domine, quid me vis facere?« – Herr, was willst Du, das ich tue?
Selbst gabst du dir die Antwort: Mit Deiner Gnade werde ich, allem und allen zum Trotz, Deinen heiligsten Willen erfüllen: »Serviam!« – ich will Dir bedingungslos dienen.
Jesus wurde in einem Stall geboren, weil – so berichtet die Heilige Schrift – »in der Herberge kein Platz für sie war«.
Es ist keine weit hergeholte Auslegung dieser Textstelle, wenn ich dir sage: Jesus sucht immer noch eine Herberge – in deinem Herzen!
Ja, es stimmt! In deiner Seele wirkt Gott alles allein, du trägst von dir aus nichts dazu bei.
Und doch – du musst mitwirken!
Du weißt, dass die Gnade Gottes dir nicht fehlen wird, denn Er hat dich von Ewigkeit her auserwählt. Da Er dies an dir getan hat, wird Er dir auch alle Hilfen gewähren, damit du Ihm ein treuer Sohn, eine treue Tochter sein kannst.
Geh also sicher deines Weges und sei treu in jedem Augenblick.
Noch unschlüssig sagtest du mir: Wie deutlich spürt man doch diese Zeiten, da der Herr mich um mehr bittet!
Ich konnte dir nur ins Gedächtnis rufen: Du hattest mir versichert, dein einziges Streben sei, Ihm gleichförmig zu werden. Warum wehrst du dich jetzt dagegen?
Jesus bittet dich um Gebet. Das spürst du deutlich.
Und doch, wie wenig entsprichst du dem! Alles fällt dir schwer! Du bist wie ein Kind, das sich träge gegen die ersten Gehversuche sträubt. Aber bei dir ist es nicht nur Trägheit, sondern auch Angst und Mangel an Großzügigkeit.
Das unendlich weite Feld der Seelen, die auf uns warten, und die gewaltige Verantwortung für sie lassen vielleicht auch in dir – wie es mir manchmal geschieht – den Gedanken aufkommen: Und dies alles ist mir anvertraut? Mir, der ich so wenig tauge?
Schlagen wir das Evangelium auf und betrachten wir, wie Jesus den Blindgeborenen heilt: Er macht einen Teig aus Erde und Speichel. Das ist das Heilmittel, das den blinden Augen die Sehkraft zurückgibt.
Dieser Teig – das sind wir! Wir wissen um unsere Schwachheit und unsere Ohnmacht, aber mit der Gnade Gottes und mit unserem guten Willen werden wir zum Heilmittel, das sehend macht, das die anderen und uns selbst stärkt.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/forja/11685/ (08.05.2026)