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So sehe ich mich! Ein schwacher, kleiner Vogel, der nichts anderes als den Flug von Baum zu Baum kennt, der sich vielleicht auch einmal bis zum Balkon des dritten Stockwerks hinaufwagt, aber bestimmt nicht höher … Eines Tages riskierte er es, auf das Dach eines recht bescheidenen Gebäudes – keineswegs eines Hochhauses – zu fliegen …
Da kam ein Adler und ergriff den Vogel, den er irrtümlich für sein eigenes Junges hielt. Von den mächtigen Krallen gehalten, steigt der kleine Vogel immer höher – hoch über alle Berge und die verschneiten Gipfel der Erde, und noch höher über die vielfarbig leuchtenden Wolken, und weiter hinauf, der Sonne entgegen … Und dann lässt der Adler den armen Vogel los: Komm, jetzt flieg du! …
Lass mich, Herr, nie wieder in den Niederungen des rein Irdischen herumfliegen! Gewähre mir, dass die göttliche Sonne – der eucharistische Christus – immerfort mein Leben in Licht tauche! Dass mein Flug nicht eher ende, bis ich in Deinem Herzen Ruhe finde!
Hege viele hochherzige Wünsche, denn das ist heilig und Gott wohlgefällig. Aber bleibe nicht dabei, sei ein Mann, eine Frau der Tat! Willst du, dass das Wünschen zu Handeln wird, so fasse klare und bestimmte Vorsätze.
Und dann, mein Kind, kämpfe mit Gottes Hilfe um ihre Verwirklichung!
Heiligkeit hat etwas von der Geschmeidigkeit entspannter Muskeln. Wer heilig werden will, versteht es, unverkrampft zu sein! Während er etwas, das ihn Anstrengung oder Opfer kostet, tut, unterlässt er froh und dankbar etwas anderes, das ihm ebenfalls schwerfällt – vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um eine Beleidigung Gottes. Würden wir Christen uns anders verhalten, liefen wir Gefahr, und leblos wie Puppen zu werden.
Heiligkeit ist nicht starr wie Karton – sie vermag zu lächeln, ist biegsam und kann warten. Sie ist Leben – übernatürliches Leben.
Ja, es stimmt! In deiner Seele wirkt Gott alles allein, du trägst von dir aus nichts dazu bei.
Und doch – du musst mitwirken!
Heute hast du in deinem Gebet den Vorsatz erneuert, mit Jesus eins werden zu wollen. Und wie gut verstehe ich, was du hinzugesetzt hast: Ich weiß, ich werde das Ziel erreichen. Nicht weil ich meiner sicher wäre, Herr, sondern … weil ich Deiner sicher bin!
Lass dich von Gott leiten. Er wird dich auf »seinem Weg« führen. Er wird dabei zahllose Widrigkeiten benutzen … und sich vielleicht sogar deiner Faulenzerei bedienen, damit man sieht, dass Er es ist, der dein Tun bewirkt.
Trage aufrichtig und beständig dein Streben nach Heiligkeit und nach Apostolat vor Gott hin. Dann wird das armselige Gefäß – deine Seele – nicht zerbrechen; oder wenn es zerbricht, wird man es neu und noch schöner zusammensetzen, und es wird deiner Heiligkeit und dem Apostolat weiterhin dienen.
Mache mich heilig, mein Gott, und wenn es sein muss, durch Schläge … Ich möchte Deinem Willen nicht ausweichen. Ich will ihm gehorchen, ich will großzügig sein. Jedoch … will ich es wirklich?
Es ist gut, dass du oft dem Herrn den brennenden, starken Wunsch nach Heiligkeit äußerst, auch wenn deine Erbärmlichkeiten dir deutlich vor Augen stehen.
Gerade deshalb musst du weiter so beten!
Persönliche Heiligkeit! Das ist kein Hirngespinst, sondern die konkrete Realität, die Gott und den Mitmenschen zum Mittelpunkt hat und die sich immerfort, jeden Tag aufs Neue, in Taten der Liebe bewahrheitet.
»Ure igne Sancti Spiritus!« – Entzünde mich mit dem Feuer Deines Geistes! – so rufst du. Und dann der Gedanke: Meine arme Seele muss sich unbedingt so bald wie möglich wieder erheben … und ihr Flug soll nicht eher enden, bis sie ruht in Ihm!
Wie gut, dass du dies wünschst! Ich will viel für dich zum Tröster beten; Ihn immer wieder anflehen, dass Er im Innersten deiner Seele wohne und alles, was du tust, sprichst, denkst und begehrst, präge und ins Übernatürliche erhebe.
Du stellst mit Erstaunen fest, dass sich der Bereitschaft, im geistlichen Leben zu wachsen, viele verschiedenartige Ziele darbieten …
Es sind verschiedene Möglichkeiten innerhalb des »einen Weges«. Sie schließen blinde Routine aus und bringen dich dem Herrn näher.
Nimm du dir vor, mit großzügigem Einsatz das höchste Ziel anzustreben.
Die ganze Kirche – Menschen auf allen Kontinenten der Erde, Menschen unserer Zeit und kommender Zeiten – erwartet viel von dir … Aber eins muss dir klar sein im Kopf und im Herzen: Du wirst keine Frucht bringen, wenn du nicht heilig bist, oder besser gesagt, wenn du nicht um die Heiligkeit kämpfst.
Wärest du konsequent, so wolltest du jetzt – da das Licht Gottes dich getroffen hat – mit der gleichen Intensität heilig werden, wie du früher gesündigt hast. Du würdest kämpfen, damit diese Sehnsucht Wirklichkeit wird.
Genau darin besteht die Heiligkeit: Kampf um Treue, solange wir leben, und freudige Annahme des Willens Gottes, wenn es ums Sterben geht!
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/forja/12445/ (08.05.2026)