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Es gibt 24 Nummer in «Die Spur des Sämanns» deren Stichwort lautet Freundschaft.

Wie muss der Blick Jesu gewesen sein, aus dem die Freude leuchtete … Und genauso werden die Augen seiner Mutter geleuchtet haben, als sie ihren Jubel nicht mehr zurückhalten konnte: »Magnificat anima mea Dominum!« – Meine Seele preist die Größe des Herrn … Ja, ihre Seele jauchzt Ihm zu, den sie im Schoß trägt und an ihrer Seite weiß.

Mutter! Unsere Freude soll wie die deine darin gründen, dass wir bei Ihm sind und Ihn zu eigen haben.

Wenn ich mit dir vom »Apostolat der Freundschaft« spreche, dann meine ich eine persönliche Freundschaft, die opferfreudig ist und aufrichtig: eine Freundschaft von Du zu Du, von Herz zu Herz.

Wenn es dir einmal schwerfällt, jemandem einen Gefallen zu tun, ihm einen Dienst zu erweisen, erinnere dich daran, dass dieser Mensch ein Kind Gottes ist und dass der Herr uns geboten hat, einander zu lieben.

Aber mehr noch: Begnüge dich nicht mit einer oberflächlichen Befolgung dieses Gebotes aus dem Evangelium; erfasse es jeden Tag tiefer! Zieh die Konsequenzen daraus – es ist gar nicht so schwer –, und richte in jedem Augenblick dein eigenes Verhalten nach den Forderungen des Herrn.

Das Leben in der heutigen Welt ist so hektisch, dass die christliche Nächstenliebe zu einer Art Ausnahmeerscheinung geworden ist, obwohl man Christus – zumindest verbal – weiterhin verkündet …

Ich gebe das zu. Aber – was tust du selbst, der du ja als katholischer Christ mit Ihm eins sein und seinen Fußstapfen folgen sollst? Hat Er uns doch geboten, seine Lehre überall zu verbreiten, bei allen Menschen – bei allen! – und zu allen Zeiten.

Immer ist es in der Geschichte so gewesen, dass Menschen sich zusammentun, um eine gemeinsame Aufgabe zu erfüllen und ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Sollte etwa den Männern und Frauen von heute das »einzige Ziel«, die ewige Glückseligkeit, weniger wert sein?

Du hast den tiefsten Sinn der Freundschaft erfasst, seitdem dir aufgegangen ist, dass du gleichsam der Hirt einer kleinen Herde bist. Jetzt möchtest du die, die du früher links hast liegen lassen, neu um dich sammeln und jedem einzelnen dienen.

Du darfst dich nicht bloß passiv verhalten. Werde ein echter Freund, indem du deinen Freunden hilfst. Vor allem mit dem Beispiel deiner Lebensweise, dann auch mit deinem Rat und durch den Einfluss, der auf deiner Vertrauenswürdigkeit beruht.

Ganz unerwartet trafst du auf diesen Geist der Brüderlichkeit und Freundschaft, der dich jetzt begeistert …

Natürlich: denn davon hattest du immer voller Sehnsucht geträumt, ihn aber nie verwirklicht gesehen. Und warum nicht? Weil die Menschen vergessen, dass sie Brüder Christi sind, Geschwister dieses liebenswerten Bruders aller Menschen, der sein Leben für alle, für jeden einzelnen von uns, vorbehaltlos hingegeben hat.

Es ist für dich ein großes Glück gewesen, wahren Lehrern und echten Freunden begegnet zu sein, die dich mit Hingebung in allem unterwiesen, was immer du auch hast wissen wollen. Du musstest keine besonderen Winkelzüge anwenden, um dir gleichsam ihr Wissen zu »rauben«, denn immer haben sie dir den gangbarsten Weg gezeigt, den sie selbst vielleicht erst nach harter, mühsamer Arbeit entdeckt hatten … Jetzt ist es an dir, ebenso zu handeln: an diesem, an jenem – an allen!

Beherzige meinen Rat und handle danach: Diese Leute, denen du unsympathisch bist, werden ihre Meinung revidieren, sobald sie merken, dass du sie »wirklich« gerne hast. Alles hängt also von dir ab.

Gut zu sein, genügt nicht, es muss auch von außen zu spüren sein. Was hieltest du von einem Rosenstrauch, der nichts als Dornen hervorbrächte?

Um die Lauen zu erwärmen, ist es nötig, dass sie um sich das Feuer der Begeisterung verspüren.

Viele könnten uns zurufen: Anstatt über meine derzeitige Verfassung zu klagen, zeigt mir lieber den Weg, wie ich aus dem, was euch so sehr betrübt, herauskommen kann!

Gelegentlich suchst du dich selbst zu rechtfertigen und versicherst, du seist so zerstreut und vergesslich. Andere Male sagst du, du seist von deinem Charakter her eher trocken und reserviert. Deshalb, so fügtest du hinzu, kennst du nicht einmal die Menschen in deiner Nähe richtig.

Hör zu: Du wirst dich doch mit solchen Ausreden nicht zufriedengeben?

Ich habe dir geraten, in all den kleinen Begebenheiten deines normalen Tagesablaufs ein tiefes Gespür für das Übernatürliche zu entwickeln. Und ich habe sofort noch hinzugefügt: Der Umgang mit deinen Mitmenschen bietet dir im Laufe des Tages sehr viele Gelegenheiten dazu.

Lebendige Nächstenliebe heißt, die Denkweise der anderen zu respektieren, sich über ihren persönlichen Weg zu Gott zu freuen, ohne darauf zu bestehen, dass sie denken wie du oder sich dir anschließen.

Als Erläuterung dazu sagte ich dir: Diese verschiedenen Wege verlaufen parallel. Jeder erreicht Gott, indem er seinen Weg geht. Vergleiche oder Vermutungen darüber, welcher Weg der bessere ist, sind müßig. Das einzig Wichtige ist, dass wir alle das Ziel erreichen.

Dieser Mensch habe leider so viele Fehler! Mag sein … Aber abgesehen davon, dass du die Vollkommenheit nur im Himmel findest – auch du schleppst deine Fehler mit dir, und trotzdem ertragen dich die anderen; sie schätzen dich sogar, weil sie dich mit der Liebe lieben, die Christus seinen Jüngern entgegenbrachte. Und auch bei denen war die Last der Armseligkeiten nicht gerade klein.

Lerne daraus!

Du klagst darüber, dass er dich nicht versteht … Und doch bin ich sicher, dass er alles daran setzt, um dich zu verstehen. Du aber – wann wirst du dich auch nur ein wenig bemühen, ihn zu verstehen?

Ja, ich gebe es zu: Dieser Mensch hat schlecht gehandelt; sein Verhalten war unwürdig und verwerflich, charakterlos.

Du meintest: Er verdient nur Verachtung!

Nochmals: Ich verstehe dich – aber deiner Schlussfolgerung stimme ich nicht zu. Auch das Leben dieses entgleisten Menschen ist ein geheiligtes Leben. Auch für ihn ist Christus gestorben, um ihn zu erlösen! Wenn Christus ihn nicht verachtete – wie kannst du es dann tun?

Wenn deine Freundschaft verkommt zur Komplizenschaft mit den Verfehlungen der »Freunde«, dann verdient eine solch elende Kumpanei nicht die geringste Wertschätzung.

Es ist wahr – das an sich schon ziemlich beengte und unsichere Leben kann manchmal recht schwierig werden. Aber das wird dir zu einer mehr übernatürlichen Sicht verhelfen, die dich in allem die Hand Gottes erkennen lässt – und du wirst deiner Umgebung menschlicher und verständnisvoller begegnen.

Das Ausmaß der Autorität und die Möglichkeit, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, sind einander proportional: der einfache Richter wird den überführten und geständigen Angeklagten – vielleicht unter Berücksichtigung mildernder Umstände – verurteilen müssen. Ein Staatsoberhaupt kann bei bestimmten Anlässen eine Amnestie erlassen oder einen Verurteilten begnadigen. Gott aber verzeiht der reuigen Seele immer.

»Mit eurer Hilfe habe ich Gott erkannt: er hat all meine Torheiten und Beleidigungen vergessen und mich mit der Liebe eines Vaters angenommen.« So schrieb ein verlorener Sohn aus dem 20. Jahrhundert, als er reuevoll ins väterliche Haus heimkehrte.

Es hat dich viel gekostet, all deine kleinen Sorgen und persönlichen Anliegen, die an sich eher banal und auch gar nicht so zahlreich waren, aber doch tief in deiner Seele verwurzelt, nach und nach abzuwerfen und zu vergessen. – Dafür hast du die schöne Sicherheit eingetauscht, dass deine Sorge um die Brüder, und nur um sie, nunmehr die erste Stelle unter deinen Anliegen einzunehmen hat. Denn du hast gelernt, in deinem Nächsten Jesus Christus zu entdecken.

»Das Hundertfache!« … Wie mächtig kam dir vor wenigen Tagen diese Verheißung des Herrn in den Sinn!

Dieses »Hundertfache« wird dir zuteil – das versichere ich dir – in der Brüderlichkeit, die das Leben mit deinen Gefährten im Apostolat trägt und prägt.

Verzeichnis der Schriftstellen
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