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Wie falsch verhalten sich Eltern, Lehrer, Leiter … die unumschränkte Aufrichtigkeit fordern und dann, wenn sie die ganze Wahrheit erfahren, schockiert sind!
Die Kirche achtet mit ehrfürchtiger Sorgfalt auch auf die liturgischen Formen, damit wir die Schönheit der Geheimnisse unseres Glaubens immer tiefer erfassen und inniger lieben. Ähnlich, wenn auch auf einer anderen Ebene, begegnen wir mit einer natürlichen Höflichkeit, die von innen kommt – ohne übertriebenes Gehabe –, und mit ungezwungenen, aber respektvollen Umgangsformen unseren Leitern, denn durch sie erfahren wir, was Gott von uns will.
Der gute Hirt braucht seine Herde nicht einzuschüchtern. Das ist vielmehr Art der schlechten Regenten. Kein Wunder also, dass diese am Ende vereinsamt und verhasst sind.
Der Herr hat in deine Seele den guten Samen ausgesät. Und für diese Saat des ewigen Lebens hat Er sich eines mächtigen Mittels bedient: des Gebetes.
Denn eines kannst du nicht bestreiten: Viele Male hat Er dich während deines Gebetes vor dem Tabernakel, von Angesicht zu Angesicht, tief in der Seele den Ruf vernehmen lassen, dass Er dich ganz zu eigen haben wollte und dass du für Ihn alles aufgeben solltest. Wenn du das jetzt bestreitest, bist du ein schwächlicher Verräter. Wenn du es vergessen hast, bist du undankbar.
Ebenso hat Er sich – das kannst du nicht in Zweifel ziehen, und du hast es bis jetzt auch nicht bezweifelt – der Ratschläge und der geistlichen Anregungen deines Leiters bedient, der immer wieder und eindringlich Worte zu dir gesprochen hat, die du nicht einfach in den Wind schlagen kannst … Ganz am Anfang hat der Herr sich auch eines guten, aufrichtigen Freundes bedient, der dir harte Wahrheiten sagte, Wahrheiten der Liebe Gottes … Durch all das hat der Herr den guten Samen in deine Seele eingesenkt.
Nun entdeckst du – naiv und überrascht –, dass der Feind Unkraut in deiner Seele gesät hat. – Und er sät es weiter, während du bequem schläfst und dein inneres Leben vor die Hunde gehen lässt. – Hier und nirgends sonst liegt der Grund dafür, dass du nun in deiner Seele das ganze klebrige Gestrüpp der Weltverstricktheit wuchern siehst. Ja, schon kommt es dir gelegentlich so vor, als erstickten in ihm die Körner des guten Weizens, die du empfangen hattest …
Reiß das ganze Unkraut mit einem Ruck aus! Die Gnade Gottes genügt dir. Befürchte nicht, es könnte eine »leere Stelle« zurückbleiben, so etwas wie eine Wunde … Der Herr wird in sie von neuem seinen Samen säen: die Liebe zu Ihm, die Brüderlichkeit, den Eifer für das Apostolat … Nach einiger Zeit wird nicht mehr die geringste Spur von Unkraut zu finden sein. Jetzt aber – gerade noch rechtzeitig – musst du es mit Stumpf und Stiel ausreißen. Und am besten ist es, wenn du, statt zu schlafen, auch bei Nacht dein Feld bewachst.
Ein Christ mit sensiblem Gewissen klagte sich in der Beichte gewisser Konzessionen an die Neugier an. Der Beichtvater »disqualifizierte« solche Begierlichkeit mit der Bemerkung: »Ach ja … der Trieb von Männlich und Weiblich!«
Du bist unglaublich glücklich. Nur gelegentlich, wenn du bemerkst, dass ein Kind Gottes sich von Ihm abwendet, bricht aus der Tiefe deines Friedens und deiner Freude ein Schmerz aus Liebe auf – ein Stich, der jedoch weder verwirrt noch beunruhigt.
Gut so. Aber setze alle natürlichen und geistlichen Mittel zu helfen ein, damit der Gefährdete sich wieder fängt! Vertraue voller Zuversicht auf Jesus Christus! Auf diese Weise kehren die über die Ufer getretenen Fluten stets in ihr Bett zurück.
Sei nicht ungehalten; denn oftmals rührt ein Mangel an verantwortlichem Verhalten nicht so sehr aus einem Mangel an gutem Geist her, als vielmehr aus Gedankenlosigkeit und ungenügender Bildung.
Solche Mängel müssen nach und nach behoben werden. Das erlegt den Lehrern und Leitern eine umso größere Verantwortung auf. Wenn du eine solche Aufgabe hast, wirst du dich daher immer wieder prüfen müssen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10427/ (08.05.2026)