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Ihm wurde nahegelegt, sich persönlich zu verpflichten; er wand sich – »dann könnte ich dies … dann müsste ich das …«
Daraufhin meinte jemand: »Hier feilschen wir nicht mit dem Herrn. Das Gesetz Gottes, die Aufforderung des Herrn – man nimmt sie an, so wie sie sind – oder man lässt es. Man muss sich entscheiden: entweder ohne Vorbehalte und mit Schwung voran, oder weggehen … ›Qui non est mecum …‹ – wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.«
Nur ein Schritt trennt den Mangel an Großzügigkeit von der Lauheit.
Damit du es nicht nachahmst, schreibe ich aus einem Brief ein Beispiel für Feigheit ab: »Selbstverständlich bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie an mich denken, denn ich kann die Gebete gut gebrauchen. Doch wäre ich Ihnen ebenfalls dankbar, wenn Sie sich bei Ihrem Gebet, der Herr möge aus mir einen ›Apostel‹ machen, die Mühe ersparten, auch noch von Ihm zu erbitten, Er möge mich zur Hingabe meiner Freiheit auffordern.«
Dein Bekannter – sehr intelligent, etwas spießig, ein lieber Mensch – meinte: »Das Gesetz erfüllen – ja, aber mit Maßen, ohne zu übertreiben, korrekt, nicht mehr.«
Und er fügte hinzu: »Sündigen? Nein! Aber sich hingeben – auch nicht!«
Sie tun einem wirklich leid, solche Menschen: knauserig, berechnend, unfähig, sich für ein hohes Ideal aufzuopfern.
Dein Egoismus hält dich vom gemeinschaftlichen Streben nach angemessenem und rechtmäßigem Wohlstand für die Menschen ab; du wirst immer berech-nender, und das materielle oder seelische Elend deiner Mitmenschen geht dir nicht unter die Haut … Das zwingt mich, dir offen und hart zu sagen, damit du zur Besinnung kommst: Wenn dir das Gefühl für die gesegnete Solidarität mit deinen Menschenbrüdern abgeht, wenn du nur am Rande der großen christlichen Familie dahinlebst, dann bist du ein erbärmlicher Einzelgänger.
Er zeigt viel Begeisterung, viel Verständnis. Aber er weicht feige aus, sobald er merkt, dass es um »ihn« geht, dass »er selbst« es ist, der ernsthaft mitarbeiten soll.
Mich erinnert er an die Leute, die angesichts schwerer Gefahr pathetisch zum Kampf aufriefen – aber weder ein Geldopfer bringen wollten noch bereit waren, selbst zur Verteidigung des Vaterlandes anzutreten.
Du fühlst dich einsam … Du klagst ständig … Alles geht dir auf die Nerven. – Das kommt daher, dass dein Egoismus dich von deinen Brüdern und Schwestern isoliert und du dich Gott nicht näherst.
Du hältst dich an einen anspruchsvollen Lebensplan: Du stehst früh auf, hältst eine feste Zeit des Gebetes ein, empfängst oft die Sakramente, arbeitest oder studierst intensiv, bemühst dich um Genügsamkeit und um Abtötungen … Und trotz allem: du spürst, dass dir noch etwas fehlt!
Nimm einmal in dein Gespräch mit Gott die folgende Überlegung hinein: Da die Heiligkeit – genauer: das Ringen um sie – nichts anderes als Fülle der Liebe ist, musst du dich prüfen, wie es um deine Liebe zu Gott und – aus ihr entspringend – um deine Liebe zu den Mitmenschen bestellt ist. Vielleicht entdeckst du dann, tief verborgen in deiner Seele, ernste Fehler, die du bis jetzt noch nicht bekämpft hast. Du bist noch kein guter Sohn, kein guter Bruder, kein guter Kamerad, kein guter Freund, kein guter Kollege. Und da du »deine eigene Heiligkeit« auf falsche Weise suchst, bist du neidisch auf die anderen …
Du »opferst dich« in vielen »persönlichen« Kleinigkeiten, und so klebst du an deinem Ich, an deiner Person, und lebst im Grunde weder für Gott noch für die anderen, sondern für dich allein.
Da dir jeglicher Sinn für den Wert der Menschen in den Augen Gottes fehlt, siehst du in ihnen nur ihre mehr oder weniger bedeutende soziale Stellung. Weder denkst du an ihre Seele, noch bist du bereit, ihnen zu dienen. Deshalb geht dir jede Großherzigkeit ab. Du magst viel beten, aber deine Frömmigkeit ist schal, und du lebst weit von Gott entfernt …
Der Meister hat es sehr deutlich gesagt: »Hinweg von mir in das ewige Feuer … Denn ich war hungrig … Ich war durstig … Ich war im Gefängnis … und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.«
Gott vollkommen zu lieben und sich zugleich von Egoismus oder Gleichgültigkeit im Umgang mit dem Nächsten beherrschen zu lassen – das ist unvereinbar.
Deine Nächstenliebe muss auf die Bedürfnisse deiner Mitmenschen eingehen und sich ihnen anpassen – nicht deinen eigenen Bedürfnissen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10435/ (08.05.2026)