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Du plätscherst in den Versuchungen herum, bringst dich dabei in Gefahr, spielst mit Blicken und mit Vorstellungen, ergehst dich in seichtem Geschwätz. – Und dann bist du verstört, wenn Zweifel, Skrupel, Verwirrung, Trübsinn und Niedergeschlagenheit auf dich einstürmen.
Du musst mir zugeben, dass du wenig konsequent bist.
Nach der anfänglichen Begeisterung nunmehr Zögern, Unschlüssigkeit, Ängste … Vieles macht dir Sorge: das Studium, die Familie, Geldfragen und vor allem der Gedanke, dass du es nicht schaffst oder vielleicht nicht taugst oder noch zu wenig Lebenserfahrung besitzt.
Ich will dir ein sicheres Mittel nennen, um solche Befürchtungen – Versuchungen des Teufels oder Mangel an Großzügigkeit! – zu überwinden: Verachte sie, vergiss sie … Der Meister hat es schon vor zwanzig Jahrhunderten klar verkündet: Blicke nicht zurück!
Wir müssen in unserer Seele einen wirklichen Abscheu vor der Sünde empfinden. Sage Ihm mit zerknirschtem Herzen: Herr, gib, dass ich Dich niemals mehr beleidige!
Erschrick aber nicht, wenn du die Last deines armen Leibes und der menschlichen Leidenschaften spürst … Es wäre töricht und naiv, wenn du jetzt erst entdecktest, dass es »so etwas« gibt. Deine menschliche Schwachheit ist kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um dich noch mehr mit Gott zu vereinen und Ihn beharrlich zu suchen. Denn bei Ihm ist Läuterung.
Wenn deine Phantasie sich um dich selber dreht, bringt sie merkwürdige Situationen und Gebilde hervor, die meist nicht zu deinem Weg passen und dich sinnlos ablenken, erkalten lassen und das Bewusstsein der Gegenwart Gottes in dir verdunkeln. – All das: leerer Wahn!
Wenn sich die Phantastereien auf die anderen richten, dann verfällst du leicht in den Fehler, über sie zu urteilen – auch wenn das nicht deine Aufgabe ist –, und deutest ihr Verhalten in unangemessener und unsachlicher Weise, als fahrlässiger »Richter«.
Wenn sich deine Einbildungskraft mit deinen eigenen Fähigkeiten, deiner Ausdrucksweise etwa, beschäftigt oder mit der Bewunderung, die du bei anderen hervorrufst, dann läufst du Gefahr, die Lauterkeit der Absicht zu verlieren und stolz zu werden.
Der Phantasie freien Lauf zu lassen, ist für gewöhnlich Zeitverschwendung; sie bahnt außerdem – wenn man sie nicht zügelt – zahlreichen freiwilligen Versuchungen den Weg.
Unterlasse an keinem einzigen Tag die innere Abtötung!
Sei nicht so töricht oder naiv zu denken, du müsstest Versuchungen erfahren, um dich der Standhaftigkeit auf deinem Wege zu versichern. Genauso könntest du dir wünschen, man brächte dein Herz zum Stillstand, damit du dich von deinem Lebenswillen überzeugst.
Führe keinen Dialog mit der Versuchung. Lass es mich wiederholen: Hab den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen – spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest … Mach sofort Schluss – und zwar ganz!
Es gibt keine Entschuldigung. Du allein bist schuld. Wenn dir klar ist – und du kennst dich ja gut genug –, dass du auf diesem Weg – mit dieser Lektüre, mit dieser Freundschaft …– in einen Abgrund geraten kannst … Warum versteifst du dich dann darauf, es sei vielleicht von Vorteil für deine Bildung, für die Entwicklung deiner Persönlichkeit?
Ändere den Kurs – radikal! Mag das auch mehr Mühe kosten und weniger Zerstreuungen bieten. Es ist höchste Zeit, dass du dich wie ein verantwortlicher Mensch benimmst.
Dem Herrn tut die Gedankenlosigkeit so vieler Männer und Frauen sehr weh, die sich keine Mühe geben, freiwillige lässliche Sünden zu meiden. Das sei schließlich nur normal – denken sie und rechtfertigen sich damit –, alle begingen solche Fehltritte …
Hör gut zu: als der Pöbel Christus verurteilte und tötete, schrien die meisten zuerst nur mit – wie alle anderen! –, zogen zuerst zum Ölgarten nur mit – wie alle anderen! …
Am Ende aber vereinigte sich dies Verhalten »aller« zu einem reißenden Strom, dem sich niemand mehr entziehen konnte oder wollte … und so kreuzigten sie Jesus!
Zwanzig Jahrhunderte sind seitdem vergangen, und wir haben nichts dazugelernt.
Dein Stimmungsbarometer steigt und fällt. Es gibt viel – zuviel! – Auf und Ab bei dir.
Der Grund ist klar: du hast bis jetzt ein bequemes Leben geführt, und nun willst du nicht wahrhaben, dass es zwischen dem bloßen Wunsch und der tatsächlichen Hingabe einen beträchtlichen Unterschied gibt.
Unvermeidlich stößt du früher oder später auf das offenkundige Elend deiner selbst. Daher möchte ich dich gegen einige Versuchungen wappnen, die dir der Teufel einflüstern wird und die du sofort zurückweisen musst. Zum Beispiel Überlegungen wie: Gott habe dich vergessen, der Ruf zum Apostolat sei Illusion gewesen, die Last des Leidens und der Sünden der Welt gingen über deine Kräfte als Apostel …
Nichts davon ist wahr!
Wenn du wirklich kämpfst, brauchst du die Gewissenserforschung.
Prüfe täglich dein Gewissen! Frage dich, ob du Reue aus Liebe empfindest, weil dein Umgang mit dem Herrn nicht so ist, wie er sein sollte.
Ähnlich wie viele Leute an Grundsteinlegungen teilnehmen und sich dann nicht mehr um die Vollendung des so begonnenen Werkes kümmern, betrügen sich die Sünder mit einem vermeintlichen »letzten Mal«.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10660/ (08.05.2026)