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Hör mir gut zu und sag es weiter: Christentum ist Liebe. Der Umgang mit Gott ist ein beglückendes Zwiegespräch. Die Sorge um die anderen – das Apostolat – ist kein Luxusartikel, keine »elitäre« Beschäftigung …
Nachdem du das weißt, kannst du dich unbändig freuen, weil dein Leben einen ganz anderen Sinn bekommen hat. Und sei konsequent!
Sag mir nicht, dass du auf dein inneres Leben achtest, wenn du dich nicht unermüdlich einem intensiven Apostolat widmest: Der Herr – und du versicherst mir ja, dass du seine Nähe suchst – will, dass alle Menschen zum Heil gelangen.
Christus erwartet viel von deiner Arbeit. Aber du musst auf die Suche nach den Seelen gehen, so wie der gute Hirt dem hundertsten Schaf nachging – ohne darauf zu warten, dass man dich ruft. Nimm deine Freunde in Anspruch, um anderen Gutes zu tun. Sag jedem einzelnen: Niemand darf sich zufriedengeben mit seinem geistlichen Leben, wenn es nur ihn selbst erfüllt, daraus aber nicht intensiver apostolischer Einsatz erwächst.
Die Religion ist vom Leben nicht zu trennen – weder im Denken noch in der Wirklichkeit des Alltags.
Ich verstehe sehr gut, was du meinst, wenn du mir über dein Apostolat schreibst: »Jetzt werde ich drei Stunden Gebet mit meinem Physik-Lehrbuch halten. Mit diesem übernatürlichen Artilleriefeuer will ich die ›Stellung‹ auf der anderen Seite des Tisches hier in der Bibliothek erobern … Ich meine jenen Freund, den Sie schon von damals kennen, als Sie hier waren.«
Ich erinnere mich noch an deine Freude, als du von mir hörtest, dass es zwischen Gebet und Arbeit keinen Bruch geben darf.
Nimm keinen Anstoß daran, dass es schlechte Christen gibt, die sehr geschäftig sind, aber nicht praktizieren. Der Herr, so schreibt der Apostel, wird einen jeden nach seinen Werken belohnen: dich für deine, mich für meine Werke.
Wenn wir beide fest entschlossen sind, anständig zu leben, dann gibt es in der Welt schon zwei Schwindler weniger.
Du sagst, du seist Katholik. – Aber du machst mir Kummer, weil ich sehe, dass deine Überzeugung nicht fest genug ist, aus dir einen tatkräftigen Katholiken zu machen mit einem Glauben ohne Vorbehalte und Brüche.
Oft ist die Wahrheit ganz und gar gegen alle Vorstellungen von ihr … Vor allem deshalb, weil sie immer eine konsequente Art zu leben verlangt.
Verhalte dich nicht wie ein Schwächling! Es ist doch kein Fanatismus, die Wahrheit, die man genau kennen, lieben und verteidigen sollte, auch tatsächlich jeden Tag tiefer erkennen, mehr lieben und sicherer verteidigen zu wollen.
Dagegen – das sage ich ganz offen – kennzeichnet es gerade die Sektierer, dass sie sich dieser logischen Forderung unter Berufung auf eine falsche Freiheit widersetzen.
Es ist leicht, von vornherein »Nein« zu sagen und eine Glaubenswahrheit zu bestreiten oder zu bezweifeln. Das war zur Zeit Jesu Christi schon so. Du, der du dich als Katholik bekennst, musst vom »Ja« ausgehen.
Danach wirst du sie studieren und in der Lage sein, die Gewissheit hinsichtlich dieses »Ja« zu begründen. Denn es gibt zwischen Wahrheit und Wissenschaft, zwischen Wahrheit und Leben keinen Widerspruch – es kann ihn auch gar nicht geben.
Gib deine Tätigkeit nicht auf, gehe von deinem Weg nicht ab, auch wenn du dann mit Menschen voller Vorurteile zusammenleben musst, die so tun, als ob ihr Verhalten und ihre Meinung das einzig mögliche Richtmaß für alle Überlegungen und Begriffsbestimmungen abgäbe.
Bemühe dich darum, dass sie dich verstehen, aber setze deinen Weg fort, wenn dir das nicht gelingt.
Du hast ihm deine Ideale erklärt und deine Lebensweise erläutert: die sichere, feste Lebensweise eines katholischen Christen. Er schien überzeugt zu sein und deinen Weg verstanden zu haben. – Aber dann kamen dir doch Zweifel: Vielleicht war inzwischen dieses Verständnis von seinen recht fragwürdigen Lebensgewohnheiten erstickt worden …
Suche ihn von neuem auf und mache ihm klar, dass das Ja zur Wahrheit doch dazu führen soll, nach ihr zu leben oder sich zumindest darum zu bemühen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10673/ (08.05.2026)