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Du gehörst zu denen, die »alles oder nichts« wollen. Leider blieb es bei dem ›nichts‹ … Eine Schande!
Fang von vorne an, kämpfe demütig, um deine kümmerliche Hingabe – die eines Knausers – zu entfachen, bis sie »alles« vermag.
Es stimmt: Wir taugen nichts, wir sind nichts, wir vermögen nichts, wir haben nichts. Außerdem fehlt es in den Mühen des Alltags nicht an Widerständen und Versuchungen … Aber mit deinen Brüdern vereint, erfährst du, wie ihre Freude alle Schwierigkeiten zerstreut, denn du siehst, wie fest sie auf den Herrn bauen: »Quia Tu es Deus fortitudo mea« – denn Du, Gott, bist unsere Stärke.
Es ist sehr bequem zu sagen: »Dazu tauge ich nicht; mir, uns geht sowieso alles schief.« – Abgesehen davon, dass das ja nicht stimmt, verbirgt sich hinter solchem Pessimismus eine ordentliche Portion Faulheit … Manche Dinge machst du gut, manche schlecht. Was die gelungenen angeht, sei froh und zuversichtlich; und was die misslungenen betrifft, so lass dich nicht entmutigen, nimm sie dir nochmals vor, sei bereit zu lernen: dann gelingen auch sie.
Deine augenblickliche Verfassung kommt dir recht seltsam vor: Blickst du in dich hinein, fühlst du dich verzagt; schaust du nach oben – sogleich erfüllen dich Sicherheit und Tatkraft.
Mach dir keine Sorge. Das ist ein Zeichen, dass du dich immer besser erkennst und – was eigentlich wichtig ist! – dass du Ihn immer besser erkennst.
Welchen Eifer entwickeln doch viele Zeitgenossen, um zu »reformieren« …
Wäre es nicht besser, wir alle – jeder einzelne – »reformierten« uns selbst, um das, was geboten ist, treu zu erfüllen?
Wir müssen in unserer Seele einen wirklichen Abscheu vor der Sünde empfinden. Sage Ihm mit zerknirschtem Herzen: Herr, gib, dass ich Dich niemals mehr beleidige!
Erschrick aber nicht, wenn du die Last deines armen Leibes und der menschlichen Leidenschaften spürst … Es wäre töricht und naiv, wenn du jetzt erst entdecktest, dass es »so etwas« gibt. Deine menschliche Schwachheit ist kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um dich noch mehr mit Gott zu vereinen und Ihn beharrlich zu suchen. Denn bei Ihm ist Läuterung.
Es ist etwas sehr Großes, sich vor Gott als ein Nichts zu wissen. Denn das ist ja die Wirklichkeit.
Die Überzeugung von deiner recht minderen Beschaffenheit – also deine Selbsterkenntnis – wird dir dazu verhelfen, auf Demütigungen, Verachtung oder Verleumdung mit übernatürlichem Sinn zu reagieren, so dass Freude und Frieden in deiner Seele immer tiefere Wurzeln schlagen.
Nachdem du dein »Fiat« – was Du willst, Herr! – gesprochen hast, wirst du zu dem Schluss gelangen: »Was – nur das hat er über mich gesagt? Man sieht, dass er mich nicht kennt, sonst hätte er es nicht dabei bewenden lassen.«
Da du selbst am besten weißt, dass du eigentlich eine noch schlechtere Behandlung verdientest, wirst du sogar jenem Menschen gegenüber Dankbarkeit empfinden und dich über etwas freuen, das einen anderen gegrämt hätte.
Je höher eine Statue steht, desto schwerer und gefährlicher ihr Aufprall, wenn sie herabstürzt.
Geh mit immer mehr Demut und Aufrichtigkeit zur geistlichen Leitung – und pünktlich, denn auch das ist Demut.
Denke daran – und lass dich nicht beirren, denn Gott ist es, der zu dir spricht –, dass du wie ein kleines, aufrichtiges Kind bist, dem man nach und nach Neues beibringt: das Sprechen und Lesen, die Namen der Blumen und Vögel, die Freuden und Sorgen des Lebens, und das lernt, fest auf dem Erdboden zu stehen …
»Nach wie vor«, sagst du mir, »bin ich eine arme Kreatur.«
Das hast du auch früher schon gewusst – und es hat dich traurig gemacht! Jetzt aber pflegst du schon – ohne klein beizugeben und ohne zu resignieren – darüber zu lächeln und mit wachsender Freude deinen Kampf immer wieder neu zu beginnen.
Wenn du einsichtig und demütig bist, wirst du beobachtet haben, dass kein Mensch in seinem Leben je auslernt … Auch die Weisesten haben bis an ihr Ende zu lernen; tun sie es nicht, so haben sie aufgehört, weise zu sein.
Arbeitet man einzig und allein zur Ehre Gottes, dann geschieht alles einfach und natürlich. Es ist, als ob man es eilig hätte und sich nicht mit großen »Demonstrationen« aufhalten könnte, damit der einmalige, unvergleichliche Umgang mit dem Herrn nicht verloren-geht …
Gewöhne dich daran, alles auf Gott zu beziehen.
Sie sollen meine guten Werke sehen! … Merkst du nicht, dass du sie wie in einem Korb voller Ramschware auslegst – zur allgemeinen Bewunderung deiner Vorzüge?
Außerdem: vergiss nicht den zweiten Teil des Gebotes Jesu: »damit sie euren Vater im Himmel preisen«.
Es ist taktlos, töricht und wirkt peinlich, wenn man in Anwesenheit des Betreffenden schmeichelhafte Bemerkungen über ihn macht oder seine guten Eigenschaften rühmt.
So etwas nährt leicht die Eitelkeit und kann dazu verführen, die Ehre Gottes, dem allein doch alles zu verdanken ist, zu schmälern.
Bekämpfe in dir das ehrgeizige Streben nach Ehren und Würden. Mach dir stattdessen deine Arbeitsmöglichkeiten klar, sowie deine Verpflichtungen, und denke darüber nach, wie es um deine Wirksamkeit steht. – Dann wirst du nicht nach Ämtern streben, und wird dir einmal ein Amt übertragen, so weißt du die Würde richtig einzuschätzen: als eine Bürde, die du im Dienst an den Menschen trägst.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/11711/ (08.05.2026)