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Apostel von Aposteln sein

147Die Welt mit Licht erfüllen, Salz und Licht sein21: so hat der Herr die Sendung seiner Jünger beschrieben. Bis an die äußersten Grenzen der Erde die Frohbotschaft von der Liebe Gottes tragen. Dafür müssen wir, dafür müssen alle Christen auf die eine oder andere Weise ihr Leben einsetzen.

Mehr noch. Wir dürfen nicht alleinbleiben wollen, wir müssen andere dazu anhalten, an dieser Aufgabe teilzunehmen, Freude und Frieden in die Herzen der Menschen zu tragen. »In dem Maß als ihr Fortschritte macht, müsst ihr die anderen mitziehen«, schreibt der heilige Gregor der Große. »Habt den Wunsch, Begleiter auf diesem Weg zum Herrn mit euch zu führen.«22

Aber denkt daran: cum dormirent homines, als die Menschen schliefen, kam einer, wie der Herr in einem Gleichnis sagt, um Unkraut zu säen.23 Wir Menschen sind der Gefahr ausgesetzt, uns dem Schlaf des Egoismus und der Oberflächlichkeit zu überlassen, uns in tausend Kleinigkeiten und unnützen Dingen zu verlieren und so davon abgehalten zu werden, den wahren Sinn der irdischen Wirklichkeit zu ergründen. Eine schlimme Sache, dieser Schlaf, der dem Menschen seine Würde nimmt und ihn zum Knecht der Traurigkeit macht!

Es muss uns ganz besonders schmerzen, wenn Christen mehr geben könnten, sich aber nicht dazu entschließen; wenn Christen sich ganz schenken und alle Konsequenzen ihrer Berufung als Kinder Gottes leben könnten, aber nicht großzügig sein wollen. Das muss uns wehtun, denn die Gnade des Glaubens wurde uns nicht verliehen, damit sie verborgen bleibe, sondern damit sie vor den Menschen leuchte24; außerdem steht dabei das zeitliche und ewige Glück derer, die so handeln, auf dem Spiel. Das christliche Leben ist ein Wunderwerk Gottes, das mit Gelassenheit und Glück belohnt wird, wenn wir die Gabe Gottes schätzen25 und mit Großzügigkeit nicht sparen.

Man muss jene, die in diesen bösen Schlaf gefallen sind, aufwecken, sie daran erinnern, dass das Leben kein Spiel ist, sondern ein göttlicher Schatz, der Früchte bringen soll. Und es ist auch notwendig, allen, die guten Willens und voll bester Absichten sind, sie aber nicht in die Tat umsetzen können, den Weg dazu zu zeigen. Christus drängt uns. Jeder von euch muss nicht nur Apostel sein, sondern Apostel von Aposteln, der andere mit sich zieht, der andere mit sich reißt, damit auch sie Christus verkünden.

Anmerkungen
21

Vgl. Mt 5, 13-14.

22

Gregor der Große, In Evangelia homiliae, 6, 6 (PL 76, 1098).

23

Mt 13, 25.

24

Vgl. Mt 5, 15-16.

25

Vgl. Joh 4, 10.

Verzeichnis der Schriftstellen
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