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Erlaube mir, dass ich dir einige von den vielen klaren Zeichen mangelnder Demut ins Gedächtnis rufe:
zu denken, dass das, was du tust oder sagst, besser getan oder gesagt ist als von den anderen;
immer deine eigenen Vorstellungen durchsetzen zu wollen;
auf Diskussion zu bestehen, wenn du im Unrecht bist, oder sie stur und unerbittlich zu führen – falls du recht hast;
deine Meinung ungebeten und ohne dass die Nächstenliebe es verlangt, zum Besten zu geben;
die Ansichten anderer für belanglos zu halten;
zu vergessen, dass deine Gaben und Eigenschaften nur geliehen sind;
nicht einsehen zu wollen, dass du jeder Ehre und Wertschätzung unwürdig bist und dass du nicht einmal den Erdboden, der dich trägt, und die Dinge, die du besitzt, verdienst;
dich selber in Gesprächen als Vorbild hinzustellen;
negativ von dir zu sprechen, damit die anderen sich eine umso bessere Meinung von dir bilden oder dir widersprechen;
dich zu entschuldigen, wenn du getadelt wirst;
deinem Leiter einige beschämende Fehler zu verbergen, damit er sein Bild von dir nicht revidiert;
mit Wohlgefallen zu hören, wie andere dich loben, oder dich darüber zu freuen, dass sie gut von dir gesprochen haben;
dich zu beklagen, dass andere mehr geschätzt werden als du;
dich zu weigern, »niedrige« Aufgaben zu erfüllen;
den Wunsch oder das Bestreben zu haben aufzufallen;
im Gespräch Selbstlob anzudeuten oder etwa auf deine Redlichkeit, deinen Scharfsinn, deine Gewandtheit, dein berufliches Ansehen anzuspielen;
dich zu schämen, weil dir gewisse Gaben mangeln.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/surco/263/ (28.04.2026)