7. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Der Zug hat bereits das Stadttor durchschritten. Den Herrn verlassen abermals die Kräfte. Jesus sinkt inmitten der gröhlenden Menge, unter den Stößen der Soldaten, zum zweiten Mal zu Boden.

Körperliche Erschöpfung und die Bitternis der Seele lassen Ihn von neuem stürzen. Alle Sünden der Menschen – und auch meine Sünden – lasten auf seiner Heiligsten Menschheit.

Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53, 4-5).

Jesus bricht nieder, aber sein Sturz richtet uns auf, sein Tod erweckt uns zum Leben.

Auf unseren Rückfall in die Sünde antwortet Jesus mit der Beständigkeit seines Erlöserwillens, mit einem Überfluss an Vergebung. Und damit niemand verzweifeln muss, richtet Er sich mühsam wieder auf und umarmt das Kreuz.

Niemals mehr sollen Straucheln und Niederlagen uns von Ihm trennen. Wie ein schwaches Kind sich reumütig in die starken Arme seines Vaters wirft, so wollen fortan wir, du und ich, uns anklammern an Jesu Joch. Unsere Reue, unsere Demut – sie allein verleihen menschlicher Schwachheit göttliche Kraft.

Worte zur Betrachtung

1. Jesus fällt, erdrückt von der Last des Kreuzes … Wir fallen, in den Sog des Irdischen gerissen.

Er will lieber unter dem Kreuz zusammenbrechen, als es loslassen. So heilt Christus die Lieblosigkeit, die uns niederwirft.

2. Du bist mutlos – warum? Wegen deiner Erbärmlichkeiten? Wegen deiner vielen, manchmal dicht aufeinanderfolgenden Niederlagen? Weil du – ganz unerwartet – tief, ganz tief gefallen bist?

Sei einfach! Öffne dein Herz. Versteh: noch ist nichts verloren. Noch kannst du weiter vorankommen, und dazu mit mehr Liebe, mehr Herz, mehr Starkmut.

Birg dich in der Gotteskindschaft: Gott ist dein Vater, der dich unendlich liebt. Das ist dein Halt, dein Hafen, wo du vor Anker gehen kannst, wie sehr auch das Meer des Lebens tosen mag. So werden dir Freude, Starkmut, Optimismus geschenkt werden. Und der Sieg!

3. Du hast zu mir gesagt: Vater, es geht mir sehr schlecht.

Ich habe dir leise geantwortet: Nimm nur ein wenig von diesem Kreuz, nur einen kleinen Span davon, auf deine Schulter. Und sollte dir nicht einmal das gelingen … dann lass es ganz auf Jesu starken Schultern. Und sprich schon jetzt mit mir: Herr, mein Gott: In Deine Hände lege ich das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige, das Kleine und das Große, das Wenige und das Viele, das Zeitliche und das Ewige.

Und dann sei ganz beruhigt.

4. Manchmal habe ich mich gefragt, welches Martyrium wohl größer ist: um des Glaubens willen aus den Händen der Feinde Gottes den Tod zu empfangen oder sich Jahr um Jahr in Arbeit zu verzehren, das einzige Ziel vor Augen, der Kirche und den Seelen zu dienen – und so alt zu werden, still lächelnd und unbeachtet …

Mir will scheinen, dass das Martyrium in der Stille heroischer ist … Dieser ist dein Weg.

5. Um Christus nachzufolgen, um Ihm wirklich nahe zu sein, müssen wir in Demut unser Ich niedertreten, wie man die Weintrauben in der Kelter zertritt.

Wenn wir so unser Elend – denn elend sind wir – zerstampfen, dann hält der Herr Einzug in unsere Seele und macht sie zu seinem Zuhause. Wie in Betanien spricht Er mit uns und wir mit dem Herrn, voll Vertrauen, als Freunde.

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