9. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
Auf dem Weg nach Kalvaria, nur noch vierzig oder fünfzig Schritt vom Gipfel entfernt, fällt der Herr zum dritten Mal. Er kann sich nicht mehr aufrechthalten. In Ihm ist keine Kraft mehr, erschöpft bleibt Er am Boden liegen.
Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf, das vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf (Jes 53, 7).
Alle sind wider Ihn … die Einheimischen und die Fremden, die Pharisäer, die Soldaten, die Hohenpriester … alle zu Henkern geworden. Maria, seine Mutter – meine Mutter – weint.
Jesus erfüllt den Willen seines Vaters! Arm: entblößt. Großherzig: denn was blieb Ihm noch, das Er nicht hingegeben hätte? Dilexit me, et tradidit semetipsum pro me (Gal 2, 20), Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben, bis zum Tod.
Mein Gott: lass mich die Sünde hassen und das Heilige Kreuz umarmen und einswerden mit Dir, lass mich so Deinen liebenswerten Willen erfüllen … von allen irdischen Anhänglichkeiten frei, und nichts anderes suchen als Deine Ehre. Gib, dass ich mich hochherzig und vorbehaltlos hingebe, mit Dir vereint zum vollkommenen Brandopfer.
Worte zur Betrachtung
1. Der Herr kann sich nicht mehr erheben: so schwer lastet auf Ihm unser Elend. Zusammengesunken wird Er zur Richtstätte hinaufgeschleppt. Er lässt es geschehen, schweigend.
Die Demut Jesu – die Selbsterniedrigung Gottes, die uns aufrichtet und erhebt. Verstehst du jetzt, warum ich dir riet, dein Herz wie einen Teppich unter die Füße der anderen zu breiten, damit sie weich auftreten?
2. Der Weg nach Golgota – wie schwer fällt er doch!
Auch du musst dich überwinden, um ihn nicht zu verlassen … Aber es ist ein wunderbarer Kampf und wahrhaftig ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns, der uns stark will, denn virtus in infirmitate perficitur (2 Kor 12, 9), die Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.
Der Herr weiß: wenn wir uns matt fühlen, dann kommen wir zu Ihm, dann beten wir besser, dann sind wir opferbereiter, dann vertiefen wir unsere Liebe zum Nächsten. Und so werden wir heilig.
Sei Gott sehr dankbar dafür, dass Er Versuchungen zulässt … und dafür, dass du kämpfst.
3. Willst du Jesus auf seinem Wege begleiten, Ihm nah, ganz nah? … Schlag das heilige Evangelium auf und lies die Leidensgeschichte des Herrn. Aber lies sie nicht nur, sondern erlebe sie. Das ist ein großer Unterschied. Bloß lesen heißt sich Vergangenes in Erinnerung rufen; miterleben aber bedeutet dabeisein, unmittelbar am Geschehen, das sich hier und jetzt vollzieht, teilnehmen als einer unter den Anwesenden.
Lass dein Herz sich weiten und zum Gefährten Christi werden. Und wenn du einmal spürst, dass es sich aus dem Staub macht und dass du feige bist wie all die anderen – dann erbitte Verzeihung für deine und für meine Feigheit.
4. Dir ist, als stürze die ganze Welt über dir zusammen. Nirgendwo zeigt sich ein Ausweg. Wirklich, diesmal ist es unmöglich, der Schwierigkeiten Herr zu werden.
Hast du denn wieder vergessen, dass Gott dein Vater ist? Ein allmächtiger, allwissender, barmherziger Vater? Niemals kann Er dir Schlechtes schicken. Was dir Sorgen bereitet, ist gut für dich, auch wenn deine irdischen Augen jetzt blind sind.
Omnia in bonum! Herr, Dein allwissender Wille geschehe, jetzt und immer!
5. Nun begreifst du, wie viele Leiden auch du Jesus zugefügt hast, und Schmerz erfüllt dich. Wie einfach ist es, Ihn um Vergebung zu bitten und den Verrat von früher zu beweinen! Du spürst das sehnsüchtige Verlangen, Sühne zu leisten!
Gut. Aber vergiss nicht, dass der Geist der Buße vor allem darin besteht, dass wir – mag es auch noch so schwerfallen – die Pflicht eines jeden Augenblicks erfüllen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/via-crucis/9/ (09.05.2026)