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Vergiss nicht, vor dem Lehren kommt das Tun. »Coepit facere et docere«, sagt die Heilige Schrift von Christus. Er begann zu tun und zu lehren.
Zuerst das Tun. Dass du und ich daraus lernen.
Studierender: du solltest dich in einer festgegründeten und tätigen Frömmigkeit bilden, im Studium dich auszeichnen und einen tiefen Wunsch nach beruflichem Apostolat in dir verspüren. Dann verspreche ich dir bei der inneren Kraft deiner religiösen und wissenschaftlichen Bildung eine baldige und weite Ausstrahlung.
Du bemühst dich nur, deine Bildung zu erweitern. – Deine Seele sollst du erweitern. – Dann erst arbeitest du richtig, für Christus. Wenn Er in der Welt herrschen soll, braucht Er Menschen, die sich, mit dem Blick nach oben, vorbildlich allen menschlichen Tätigkeiten widmen und dort still und wirksam ein Apostolat des Berufes ausüben.
Mit deiner Überheblichkeit wirkst du lästig und unsympathisch, machst du dich lächerlich und, was schlimmer ist, nimmst du dir selbst die Wirksamkeit in deiner apostolischen Arbeit.
Bedenke, dass selbst ein Durchschnittsmensch allzuviel Gescheitheit an den Tag legen kann.
Wenn du ein öffentliches Amt bekleidest, hast du Rechte und Pflichten, die sich aus der Tätigkeit in dieser Stellung ergeben.
Du entfernst dich von deinem Weg als Apostel, wenn du aus Anlass oder unter dem Vorwand einer apostolischen Arbeit deine Amtspflichten unerfüllt lässt. Denn so verlierst du mir dein berufliches Ansehen, und gerade das ist dein »Angelhaken als Menschenfischer«.
Mir gefällt dein apostolisches Motto: »Arbeiten ohne Unterlass«.
»Wenn mein Leben mit diesem verheidnischten oder heidnischen Milieu zusammenstößt, wird meine Natürlichkeit da nicht künstlich wirken?« fragst du mich.
Ich antworte dir: Ohne Zweifel wird dein Leben mit dem Leben anderer zusammenstoßen; der Kontrast, der dadurch entsteht, dass du deinen Glauben in deinen Werken bestätigst, ist genau die Natürlichkeit, die ich von dir erwarte.
Mit gutem Beispiel sät man guten Samen; die Nächstenliebe aber verpflichtet alle zur Saat.
Du möchtest diesen gelehrten Menschen für dein Apostolat gewinnen, und jenen mächtigen und jenen erfahrenen und tugendhaften.
Bete, opfere und wirke auf sie ein durch dein Beispiel und dein Wort. – Sie kommen nicht! – Verliere deshalb nicht den Frieden: Sie sind wohl nicht nötig.
Glaubst du, es habe nicht auch Zeitgenossen des Petrus gegeben, die gelehrt und mächtig und erfahren und tugendhaft waren, außerhalb des Apostolates der ersten Zwölf?
Du solltest keine Feinde haben. – Du solltest nur Freunde haben. Freunde … zur Rechten, wenn sie dir Gutes getan haben oder tun wollten, und … zur Linken, wenn sie dir geschadet haben oder dir schaden wollten.
Volksfeste und Volksbräuche müssen wieder verchristlicht werden.– Auf jeden Fall sollte bei öffentlichen Veranstaltungen die Alternative vermieden werden, sie kindisch oder heidnisch aufzuziehen.
Bitte den Herrn, dass sich Menschen für die dringende Aufgabe finden, die man »Apostolat der Unterhaltung« nennen könnte.
Über das »Briefapostolat« weißt du mir viel Erfreuliches zu berichten. Du schreibst: »Ich weiß nicht, wie ich das Papier füllen und von Dingen schreiben soll, die dem Empfänger des Briefes von Nutzen sein können. Wenn ich anfange, sage ich meinem Schutzengel, dass ich es mit der Absicht tue, etwas zu schreiben, das zu irgend etwas nütze ist. Und selbst, wenn ich nur dummes Zeug sage, so kann doch niemand mir – oder ihm – die Zeit wegnehmen, die ich damit zubrachte, zu erbitten, was der Seele dessen, an den mein Brief gerichtet ist, am meisten fehlt.«
»Der Brief erreichte mich in ein paar trüben Tagen, als ich ohne Grund traurig war, und sein Lesen ermutigte mich sehr, da ich spürte, wie die anderen arbeiteten!« – Und ein anderer: »Ihre Briefe und die Nachrichten meiner Brüder helfen mir; das ist wie ein glücklicher Traum gegenüber der Wirklichkeit, die wir alle spüren …« – Ein anderer: »Was für eine Freude, diese Briefe zu bekommen und mich als Freund solcher Freunde zu wissen.« – Und ein anderer und Tausende: »Ich bekam einen Brief von XY und schämte mich meines Mangels an rechtem Geist im Vergleich zu ihnen.«
Ist das »Briefapostolat« nicht sehr wirkungsvoll?
»Venite post me, et faciam vos fieri piscatores hominum.« Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. – Nicht ohne tieferen Sinn gebraucht der Herr diese Worte: Die Menschen muss man, wie die Fische, beim Kopf packen.
Welch evangelische Tiefe hat das »Apostolat des Geis-tes«.
Es ist Art der Menschen, gering zu achten, was wenig kostet. Das ist der Grund, weshalb ich dir das »Apostolat des Nicht-Gebens« anrate.
Unterlasse es nie, den angemessenen und vernünftigen Lohn für die Ausübung deines Berufes zu fordern, wenn dein Beruf Instrument deines Apostolates ist.
»Haben wir etwa nicht das Recht, eine Schwes-ter als Frau mitzuführen wie auch die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?«
So der Apostel Paulus im ersten Brief an die Korinther. – Wie kann man da die Mitarbeit der Frau im Apostolat geringachten?
»Anschließend«, so liest man bei Lukas im achten Kapitel, »nahm er den Weg durch Städte und Dörfer, predigte und verkündete das Evangelium vom Reiche Gottes, und die Zwölf waren bei Ihm sowie einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die Ihm dienten mit ihrem Vermögen.«
Ich schreibe das ab. Und ich bitte Gott, jede Frau, die das liest, möge von heiligem Neid erfüllt werden und sich zum Handeln gedrängt fühlen.
Stärker ist die Frau als der Mann und treuer in der Stunde des Leidens. – Maria Magdalena und Maria Kleophae und Salome.
Mit einer Gruppe solch mutiger Frauen, eng geschart um die schmerzensreiche Mutter – welch tiefgreifende Arbeit könnte man mit ihnen in der Welt leisten!
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/camino/10874/ (08.05.2026)