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Es gibt 5 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Dienst.

Er erfüllte den Willen des Vaters

Ich bin sicher: Jesus sucht auch heute Wohnung in unseren Herzen. Bitten wir Ihn um Vergebung für unsere persönliche Blindheit und Undankbarkeit. Und bitten wir Ihn um die Gnade, Ihm niemals mehr unser Herz zu verschließen.

Der Herr lässt uns nicht im unklaren darüber, dass ein in den göttlichen Willen ergebener Gehorsam Verzicht und Hingabe verlangt, denn die Liebe pocht nicht auf Rechte: sie will dienen. Er ist als erster diesen Weg gegangen. Und wie hast Du den Gehorsam gelebt, Jesus? Usque ad mortem, mortem autem crucis20, bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Man muss von sich selbst loskommen, bereit sein, sich aus seiner Ruhe bringen zu lassen, sein Leben zu verlieren aus Liebe zu Gott und den Menschen. »Da wolltest du nun leben und wolltest nicht, dass dir etwas widerfährt, aber Gott hat es anders gewollt. Es gibt einen zweifachen Willen: der deine muss korrigiert werden, um mit dem Willen Gottes eins zu werden: nicht hat sich der Wille Gottes dem deinen anzupassen.«21

Ich habe voll Freude gesehen, wie so viele Menschen ihr Leben weggegeben haben, um den Willen Gottes zu erfüllen – wie Du, Herr: usque ad mortem. Ihre Kraft und ihre berufliche Arbeit haben sie dem Dienst an der Kirche gewidmet, zum Wohle aller Menschen.

Wir wollen lernen zu gehorchen, lernen zu dienen. Es gibt keine höhere Würde als die der freiwilligen Hingabe zum Wohl der anderen. Wenn der Stolz in uns brodelt und der Hochmut uns glauben machen will, wir seien Übermenschen, dann ist der Augenblick gekommen, nein zu sagen und zu bekräftigen, dass unser Triumphieren allein in der Demut liegt. Auf diese Weise werden wir eins mit Christus am Kreuz, aber nicht verdrossen, geängstigt oder widerwillig, sondern freudigen Herzens, denn diese Freude, die im Selbstvergessen liegt, ist der beste Beweis unserer Liebe.

Dienen

Um so zu leben, dass man den Beruf heiligt, ist es vor allem nötig, gut zu arbeiten und diese Arbeit menschlich und übernatürlich ernstzunehmen. Hören wir – als Kontrast dazu – eine Stelle aus einem apokryphen Evangelium: »Der Vater Jesu, der Zimmermann war,« so heißt es da, »machte Pflüge und Joche. Eines Tages wurde bei ihm ein Bett für eine angesehene Person bestellt. Als man am Ende feststellte, dass das eine Seitenbrett kürzer als das andere geworden war, wusste Josef sich nicht zu helfen. Darauf sagte das Jesuskind zu seinem Vater: Lege die zwei Bretter so auf die Erde, dass sie an einem Ende in gleicher Höhe abschließen. Josef tat so. Dann nahm Jesus das Ende des kürzeren Brettes und zog daran, bis es genauso lang war wie das andere. Josef, der Vater, staunte über das Wunder, küsste und umarmte das Kind und sagte: Welch ein Glück, dass mir Gott dieses Kind geschenkt hat.«17

Nein, Josef würde nicht deswegen Gott gedankt haben, er hat sicherlich nicht so gearbeitet. Der heilige Josef ist nicht der wundergierige Bestauner solch einfältiger Lösungen, sondern ein Mann der Ausdauer, der Anstrengung und, wenn nötig, des Einfallsreichtums. Der Christ weiß, dass Gott Wunder wirkt: Er wirkte sie vor Jahrhunderten, Er hat sie gestern gewirkt, und auch heute wirkt Er sie noch, denn non est abbreviata manus Domini18, Gottes Macht ist nicht geringer geworden.

Die Wunder sind eine Äußerung der heilbringenden Allmacht Gottes, nicht aber ein Ausweg für unsere eigene Unfähigkeit oder eine Ermunterung zur Bequemlichkeit. Das Wunder, das der Herr von euch erwartet, ist die Beharrlichkeit in eurer gottgewollten christlichen Berufung, die Heiligung der täglichen Arbeit: Er erwartet von euch das Wunder, dass ihr durch die Liebe, mit der ihr eure gewohnte Arbeit erfüllt, die Prosa des Alltags in epische Dichtung verwandelt. Hier erwartet euch Gott, Er will, dass ihr Menschen seid, die ihre Verantwortung spüren, die eifrig im Apostolat und im Beruf kompetent sind.

Als Motto für eure Arbeit schlage ich euch vor: Para servir, servir.* Denn um ein Vorhaben zu verwirklichen, muss man an erster Stelle lernen, es zu vollenden. Ich glaube nicht an die gute Absicht eines Menschen, der sich nicht bemüht, das notwendige Fachkönnen zu erlangen, um gute Arbeit zu leisten. Gutes tun zu wollen genügt nicht, man muss auch lernen, wie man es tut. Und wenn wir es wirklich wollen, dann wird sich dieser Wunsch in unserem Bemühen äußern, die notwendigen Mittel einzusetzen, damit unsere Arbeit vollendet, damit sie menschlich vollkommen ist.

Aber diese Tauglichkeit und diese berufliche Kompetenz in der eigenen Arbeit müssen ihrerseits vom Geist des Dienens getragen sein, von dem Wunsch, durch die eigene Arbeit zum Wohl der anderen Menschen beizutragen. Dies ist ein wesentlicher Zug in der Arbeit des heiligen Josef, und er sollte ebenso wesentlich in der Arbeit jedes Christen sein. Der heilige Josef war in seiner Arbeit nicht auf Selbstbestätigung aus, obwohl sein arbeitsreiches Leben aus ihm eine reife, profilierte Persönlichkeit gemacht hat. Josef arbeitete vielmehr im Bewusstsein, dass er den Willen Gottes erfüllte, und er hatte das Wohl der ihm Anvertrauten – Jesus und Maria – und aller Bewohner des kleinen Nazaret vor Augen.

Josef mag einer von den wenigen Handwerkern gewesen sein, die es in Nazaret gab, vielleicht sogar der einzige. Er war wohl als Zimmermann tätig. Wie es aber in einem Dorf üblich ist, wird er auch die Fertigkeiten für viele andere Arbeiten besessen haben: eine ausgefallene Mühle wieder in Gang zu setzen oder kurz vor dem Winter die Schäden an einem Dach auszubessern. Sicherlich hat Josef vielen Menschen mit seiner soliden Arbeit aus einer Verlegenheit geholfen. Seine berufliche Arbeit war auf Dienst ausgerichtet, um den anderen im Dorf das Leben angenehm zu machen, und er konnte mit einem Lächeln, einem freundlichen Wort oder einer beiläufigen Bemerkung demjenigen den Glauben und die Hoffnung wiedergeben, der sie schon aufgeben wollte.

Das Brot und die Ernte: Kommunion mit allen Menschen

Jesus ist, sagte ich euch zu Beginn, der Sämann. Und durch die Christen setzt Er seine göttliche Aussaat fort. Christus drückt den Weizen in seinen wunden Händen, Er durchtränkt ihn mit seinem Blut, reinigt ihn und wirft ihn auf den Acker, der die Welt ist. Er streut die Körner einzeln aus, damit jeder Christ dort, wo er lebt, Zeugnis von der Fruchtbarkeit des Todes und der Auferstehung des Herrn gibt.

In den Händen Christi müssen wir uns von seinem Blut durchtränken lassen und bereit sein, in den Wind geworfen zu werden: Wir müssen unser Leben so annehmen, wie es von Gott gewollt ist. Und wir müssen uns davon überzeugen, dass der Samen, um fruchtbar zu sein, in die Erde gesenkt werden und sterben muss.17 Der Schaft wird aufschießen und die Ähre sprießen. Und die Ähre wird zu Brot, das Gott in den Leib Christi verwandelt. Und so vereinigen wir uns wieder mit Jesus, der der Sämann ist. Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.18

Vergessen wir niemals, dass es ohne Aussaat keine Frucht gibt. Wir müssen also Gottes Wort in weitem Wurf ausstreuen, damit die Menschen Christus kennenlernen und, wenn sie Ihn kennen, nach Ihm hungern. Dieses Fronleichnamsfest – das Fest des Leibes Christi, das Fest des Lebensbrotes – ist ein willkommener Anlass, über diesen Hunger nachzudenken, den man überall unter den Menschen spürt: Hunger nach Wahrheit, nach Gerechtigkeit, nach Einheit und nach Frieden. Angesichts des Hungers nach Frieden müssen wir mit dem heiligen Paulus ausrufen: Christus ist unser Frieden, pax nostra19. Das Streben nach Wahrheit soll uns daran erinnern, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.20 Diejenigen, die sich nach Einheit sehnen, müssen wir vor Christus führen, der betet, dass wir consummati in unum, vollkommen eins seien.21 Der Hunger nach Gerechtigkeit soll uns zum Ursprung der Eintracht unter den Menschen führen: zur Gotteskindschaft, die uns zu Brüdern macht.

Frieden, Wahrheit, Einheit, Gerechtigkeit. Wie schwierig scheint es manchmal, die Hindernisse zu überwinden, die das menschliche Zusammenleben erschweren. Und doch: wir Christen sind dazu berufen, dieses Wunder der Brüderlichkeit zu verwirklichen, mit der Gnade Gottes zu erreichen, dass die Menschen sich christlich begegnen. Einer trage des anderen Last22, ein jeder lebe das Gebot der Liebe, die das Band der Vollkommenheit und die Erfüllung des Gesetzes ist.23

Vergessen wir nicht, dass es noch sehr viel zu tun gibt. Eines Tages, vielleicht beim Anblick der reifen, wogenden Ähren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.24 Wie damals fehlen auch heute Arbeiter, die bereit sind, die Last des Tagesund die Hitze zu tragen25. Und wenn wir, die wir arbeiten, nicht treu sind, wird sich das Wort des Propheten Joël erfüllen: Vernichtet ist das Feld, der Ackerboden trauert; denn vernichtet ist das Korn, vertrocknet der Wein, versiegt das Öl. Die Bauern sind ganz geschlagen, es jammern die Winzer; denn Weizen und Gerste, die Ernte des Feldes ist verloren!26

Es gibt keine Ernte ohne die Bereitschaft, großmütig eine oft lange und mühevolle Arbeit auf sich zu nehmen: das Feld zu pflügen, zu bestellen und zu versorgen, später zu mähen und zu dreschen. Das Reich Gottes verwirklicht sich in der Geschichte, in der Zeit. Der Herr hat uns allen, ohne Ausnahme, diese Aufgabe anvertraut. Jetzt, während wir Christus in der Eucharistie anbeten und betrachten, wollen wir daran denken, dass die Zeit des Ausruhens noch nicht gekommen ist, dass der Tag noch nicht zu Ende ist.

Im Buch der Sprichwörter lesen wir: Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot27. Versuchen wir, dieses Wort geistlich auf uns anzuwenden: Wer den Acker Gottes nicht bearbeitet, wer dem göttlichen Auftrag nicht treu ist, sich den anderen hinzugeben und ihnen zu helfen, Christus kennenzulernen, wird schwerlich verstehen, was das eucharistische Brot ist. Niemand schätzt, was keine Mühe macht. Um die heilige Eucharistie zu schätzen und zu lieben, muss man den Weg Jesu gehen: Weizen sein, sterben, voll Kraft wiedererstehen und reiche Frucht bringen: das Hundertfache!28

Dieser Weg lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Lieben. Lieben heißt, ein großes Herz haben, die Sorgen unserer Mitmenschen teilen, verzeihen können und verstehen können: sich mit Jesus Christus für alle Seelen aufopfern. Wenn wir mit dem Herzen Christi lieben, werden wir lernen zu dienen, und wir werden die Wahrheit klar und in Liebe verteidigen. Um so zu lieben, muss jeder aus seinem eigenen Leben alles das ausmerzen, was das Leben Christi in uns beeinträchtigt: der starke Hang zur Bequemlichkeit, die Versuchungen des Egoismus, die Neigung, uns selbst ins Licht zu stellen. Nur wenn wir in uns dieses Leben Christi nachbilden, werden wir es an die anderen weitergeben können; nur wenn wir das Sterben des Weizenkorns in uns erfahren, werden wir gegenwärtig sein in den Aufgaben der Welt, werden wir die Welt von innen her umgestalten, sie fruchtbar machen.

Anmerkungen
20

Phil 2, 8.

21

Augustinus, Enarrationes in psalmos, 31, 2, 26 (PL 36, 274).

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
17

Kindheitsevangelium, fälschlich dem Apostel Thomas zugeschrieben, Nr. 13.

18

Jes 59, 1.

*

Unübersetzbares Wortspiel, da der Ausdruck »servir« im Spanischen die doppelte Bedeutung von »dienen« und »taugen« hat, die eine doppelte Übersetzung erlaubt: »Um zu dienen, muß man taugen«, oder auch umgekehrt: »um zu taugen, muß man dienen«.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
17

Vgl. Joh 12, 24-25.

18

1 Kor 10, 17.

19

Eph 2, 14.

20

Vgl. Joh 14, 6.

21

Joh 17, 23.

22

Gal 6, 2.

23

Vgl. Kol 3, 14 und Röm 13, 10.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
24

Mt 9, 37-38.

25

Mt 20, 12.

26

Joël 1, 10-11.

27

Spr 12, 11.

28

Vgl. Mk 4, 8.

Verzeichnis der Schriftstellen