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Es gibt 5 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Liebe, göttliche  → Gott ist Liebe.

Die Freude des Gründonnerstag

Wie leicht versteht sich jetzt der unablässige Lobpreis der Christen zu allen Zeiten vor der heiligen Hostie. »Preise, Zunge, das Geheimnis dieses Leibs voll Herrlichkeit und des unschätzbaren Blutes, das der Herr der Völker, aus einer fruchtbaren Mutter geboren, zum Loskauf der Welt vergossen hat.«6 Den verborgenen Gott wollen wir ehrfürchtig anbeten.7 Es ist Jesus Christus, der aus Maria, der Jungfrau, geboren wurde, derselbe, der gelitten und sich am Kreuz geopfert hat, derselbe, aus dessen durchbohrter Seite Wasser und Blut flossen.8

Dies ist das heilige Gastmahl, in dem wir Christus selbst empfangen; das Gedächtnis seines Leidens wird erneuert, die Seele begegnet durch Ihn zuinnerst ihrem Gott und erhält ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit.9 Die Liturgie der Kirche fasst so in kurzen Strophen die Höhepunkte dieser Geschichte der brennenden Liebe zusammen, die der Herr uns entgegenbringt.

Der Gott unseres Glaubens ist nicht ein entrücktes Wesen, das auf das Schicksal, auf die Not und das Elend der Menschen unbeteiligt herabschaut. Er ist ein Vater, der seine Kinder so sehr liebt, dass Er das Wort, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, in die Welt sendet, damit Es, Fleisch geworden, für uns sterbe und uns erlöse. Es ist derselbe liebende Vater, der uns jetzt sanft zu Christus hinzieht durch das Wirken des Heiligen Geistes, der in unseren Herzen wohnt.

Die Freude des Gründonnerstag hat hier ihre Wurzel: in der Erkenntnis, dass der Schöpfer sich in einem Überfluss an Liebe seinen Geschöpfen zuneigt. Als ob all die vielen Beweise seiner Barmherzigkeit nicht genügten, setzt unser Herr Jesus Christus die Eucharistie ein, damit wir Ihm immer nahe sein können und – soweit es hier überhaupt ein Begreifen gibt – weil die Liebe Ihn, dem nichts ermangelt, antreibt, nicht ohne uns zu bleiben. Die Dreifaltigkeit ist ganz in Liebe dem Menschen zugetan, der emporgehoben ist zur Ebene der Gnade, geschaffen als sein Bild, als Bild Gottes10; Sie hat ihn von der Sünde erlöst – von der Sünde Adams, die auf seine ganze Nachkommenschaft übergegangen ist, und von den persönlichen Sünden jedes einzelnen –, und Sie sehnt sich danach, in unserer Seele zu wohnen: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.11

Wenn ihr Maria sucht, werdet ihr Jesus finden. Und ihr werdet ein wenig besser verstehen, was das Herz eines Gottes erfüllt, der sich erniedrigt und darauf verzichtet, seine Macht und Majestät zu erweisen, um Knechtsgestalt anzunehmen.12 Menschlich gesprochen können wir sagen, dass Gott sich nicht auf das beschränkt, was zu unserer Rettung wesentlich und unumgänglich ist, sondern dass Er darüber hinausgeht und viel mehr tut als das unbedingt Notwendige. Das einzige Maß, mit dem wir diese Tat irgendwie messen und begreifen können, ist die Einsicht, dass sie maßlos ist, dass sie aus der Torheit seiner Liebe kommt, die Ihn unser Fleisch annehmen und unsere Sünden auf sich laden lässt.

Wie ist es möglich zu begreifen, dass Gott uns liebt, ohne gleichfalls aus Liebe den Verstand zu verlieren? Wir müssen uns von diesen Glaubenswahrheiten durchdringen lassen, bis sie unser ganzes Leben verwandelt haben. Gott liebt uns: der Allmächtige, der Himmel und Erde erschaffen hat!

Gott kümmert sich selbst um die kleinsten Dinge seiner Geschöpfe, um die euren und die meinen, und jeden einzelnen von uns ruft Er bei seinem Namen.13 In dieser Gewissheit, die uns der Glaube verleiht, sehen wir unsere Umgebung mit anderen Augen und bemerken, dass zwar alles gleichgeblieben und trotzdem ganz anders ist, denn alles ist Ausdruck der Liebe Gottes.

So verwandelt sich unser Leben in ein immerwährendes Gebet, in ständige Heiterkeit und in bleibenden Frieden, in einen Akt der Danksagung während des ganzen Tages. Meine Seele preist die Größe des Herrn, sang Maria, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat Er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.14

Unser Gebet kann sich mit diesem Gebet Mariens vereinen und es nachahmen. Wir werden wie sie den Wunsch verspüren zu singen, den Wunsch, die Großtaten Gottes zu verkünden, um die ganze Menschheit und alle Geschöpfe an unserem Glück teilhaben zu lassen.

Im Herzen seines Sohnes hat uns Gott Vater unendliche Schätze der Liebe, infinitos dilectionis thesauros1, des Erbarmens und der Zuneigung geschenkt. Wollen wir die Gewissheit haben, dass Gott uns liebt und nicht nur unser Beten erhört, sondern uns noch zuvorkommt, genügt es, dem Gedankengang des heiligen Paulus zu folgen: Er hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, sondern Ihn für uns alle hingegeben – wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken?2

Die Gnade erneuert den Menschen von innen her und macht aus ihm, einem Sünder und Rebellen, einen guten und treuen Knecht.3 Und alle Gnade entspringt aus der Liebe, die Gott uns erweist und uns geoffenbart hat: nicht allein mit Worten, auch mit Taten. Die göttliche Liebe lässt die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, das Wort, den Sohn Gottes des Vaters, unser Fleisch annehmen, das heißt unser Menschsein, die Sünde ausgenommen. Und dieses Wort Gottes est verbum spirans amorem, ist das Wort, aus dem die Liebe hervorgeht.4

Die Liebe offenbart sich uns in der Menschwerdung, in jenem erlösenden Wandel Christi auf Erden, der Ihn bis zum letzten Opfer am Kreuz führt. Und diese Liebe äußert sich am Kreuz mit einem neuen Zeichen: Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus5. Wasser und Blut Jesu zeugen von einer Hingabe bis zum äußersten, bis zum consummatum est6, es ist vollbracht, aus Liebe.

Wenn wir am heutigen Fest wieder einmal die zentralen Geheimnisse unseres Glaubens betrachten, bewegt es uns zu sehen, wie die tiefsten Wirklichkeiten – die Liebe Gottes des Vaters, der seinen Sohn hingibt, und die Liebe des Sohnes, der dem Golgota gelassen entgegengeht – in so menschennahen Gesten Gestalt gewinnen. Gott spricht uns nicht als der Mächtige und Herrscher an, Er nähert sich uns, Er wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich7. Jesus erscheint niemals fremd oder fern. Wohl erscheint Er manchmal in der Zeit seines öffentlichen Wirkens wie befremdet und schmerzlich betroffen von der menschlichen Bosheit; sehen wir aber etwas näher hin, so bemerken wir sogleich, dass sein Ärger und sein Zorn aus der Liebe kommen: Sie sind eine weitere Aufforderung dazu, der Untreue und der Sünde zu entsagen. Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch Gottes, des Herrn – und nicht vielmehr daran, dass er umkehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?8 Diese Worte erklären uns das ganze Leben Christi und lassen uns begreifen, warum Er uns entgegengeht mit einem Herzen aus Fleisch, mit einem Herzen wie unser Herz – ein nachhaltiger Beweis und ein ständiges Zeugnis des unsagbaren Geheimnisses der göttlichen Liebe.

Assumpta est Maria in caelum, gaudent angeli.1 Gott hat Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Freude herrscht bei den Engeln und bei den Menschen. Woher mag sie kommen, diese innere Freude, dass es scheint, als weite sich uns das Herz und erfülle sich die Seele mit Frieden? Wir freuen uns, weil wir die Verherrlichung unserer Mutter feiern, und es ist nur natürlich, dass wir, ihre Kinder, uns besonders freuen, wenn wir sehen, wie die Heiligste Dreifaltigkeit sie ehrt.

Christus, ihr göttlicher Sohn, unser Bruder, hat sie uns auf Golgota zur Mutter gegeben, als Er zu Johannes sagte: Siehe, deine Mutter!2 Und zusammen mit dem geliebten Jünger haben auch wir sie in jenem Augenblick äußerster Trostlosigkeit zur Mutter erhalten. Maria nahm uns in ihren Schmerz auf, als sich die Prophezeiung erfüllte: Deine Seele wird ein Schwert durchdringen.3 Wir alle sind ihre Kinder; sie ist Mutter der gesamten Menschheit. Und jetzt gedenkt die Menschheit des einzigartigen Ereignisses ihrer Aufnahme: Maria fährt in den Himmel auf, Tochter Gottes des Vaters, Mutter Gottes des Sohnes, Braut Gottes des Heiligen Geistes. Nur Gott ist größer als sie.

Geheimnis der Liebe

Es ist ein Geheimnis der Liebe. Die menschliche Vernunft muss hier versagen. Allein der Glaube ist imstande zu verdeutlichen, wie ein Geschöpf zu einer so großen Würde erhoben wurde: Zentrum der Liebe zu sein, in der alles Wohlgefallen der Dreieinigkeit zusammenfließt. Wir wissen, dass wir vor einem göttlichen Geheimnis stehen. Aber da es um unsere Mutter geht, möchten wir gerade hier mehr begreifen – wenn man so sagen darf – als bei anderen Wahrheiten unseres Glaubens.

Was hätten wir getan, wenn wir uns unsere Mutter hätten auswählen können? Ich denke, wir hätten die Mutter gewählt, die wir haben, und wir hätten sie mit allen erdenklichen Vorzügen ausgestattet. Genau das tat Christus: Er ist der Allmächtige, der Allweise und die Liebe selbst4, und so hat seine Macht all sein Wollen Wirklichkeit werden lassen.

Hören wir, wie schon die frühen Christen so dachten: »Es war angemessen«, schreibt der heilige Johannes Damaszenus, »dass diejenige, die bei der Geburt ihre Jungfräulichkeit unversehrt bewahrt hatte, ihren Leib auch nach dem Tode vor jeglicher Verderbnis bewahren würde. Es war angemessen, dass diejenige, die in ihrem Schoß den Kind gewordenen Schöpfer getragen hatte, in den göttlichen Wohnungen ihren Aufenthalt nehmen sollte. Es war angemessen, dass die Braut Gottes in das Haus des Himmels eintreten sollte. Es war angemessen, dass jene, die ihren Sohn am Kreuz gesehen und in ihrem Herzen den Schmerz empfangen hatte, von dem sie bei der Geburt frei geblieben war, Ihn auch zur Rechten des Vaters sitzend schauen sollte. Es war angemessen, dass die Mutter Gottes alles das besitzen sollte, was ihres Sohnes ist, und dass sie von allen Geschöpfen als Mutter und Magd Gottes geehrt werden sollte.«5

Die Theologen haben sich häufig ähnlich ausgedrückt, um irgendwie diese Gnadenfülle zu erfassen, mit der wir Maria bekleidet sehen und die sich mit der Aufnahme in den Himmel vollendet. Sie sagen: »Es war angemessen, Gott konnte es tun, also tat Er es.«6 Das ist die beste Erklärung dafür, dass der Herr seiner Mutter vom ersten Augenblick ihrer unbefleckten Empfängnis an alle nur erdenklichen Vorzüge gewährte. Sie war frei von der Macht Satans; sie ist schön – tota pulchra! –, rein und lauter an Seele und Leib.

Die Freude ist ein christliches Gut. Einzig bei der Beleidigung Gottes schwindet sie: denn die Sünde ist die Folge des Egoismus, und der Egoismus ist die Ursache der Traurigkeit. Aber selbst dann bleibt die Freude noch in einem Winkel der Seele, denn es steht fest, dass Gott und seine Mutter niemals die Menschen vergessen. Wenn wir umkehren, wenn aus unserem Herzen ein Reueakt aufsteigt, wenn wir uns im heiligen Sakrament der Buße reinigen, dann kommt Gott uns entgegen und verzeiht uns; und es gibt keine Traurigkeit mehr: Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.31

Mit diesen Worten schließt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, das wir immer wieder betrachten sollten: »Siehe«, der Vater »kommt dir entgegen; er wird sich zu dir herabbeugen, er wird dir einen Kuss geben, als Unterpfand seiner Liebe und Zärtlichkeit; er wird befehlen, dass man dir ein Kleid, einen Ring und Schuhe reicht. Noch fürchtest du einen Tadel, er aber gibt dir einen Kuss; du hast Angst vor einem zornigen Wort, und er bereitet dir ein Gastmahl.«32

Die Liebe Gottes ist unauslotbar. Wenn Er so mit dem verfährt, der Ihn beleidigt hat, was wird Er dann tun, um seine Mutter zu ehren, die Unbefleckte, Virgo fidelis, die seligste Jungfrau, die allzeit Getreue?

Wenn die Liebe Gottes sich da schon als so groß erweist, wo das Fassungsvermögen des – oft verräterischen – menschlichen Herzens so gering ist, wie wird diese Liebe im Herzen Mariens sein, die dem Willen Gottes niemals auch nur das geringste Hindernis entgegengestellt hat?

Seht, wie das Unvermögen, die unendliche Barmherzigkeit des Herrn mit dem menschlichen Denken zu erfassen, einen Widerhall in der Liturgie des heutigen Tages findet; sie erklärt nicht, sie singt; sie weckt die Phantasie, damit jeder seine Begeisterung in den Lobgesang mit einfließen lässt. Denn keiner von uns vermag in seinen kühnsten Vorstellungen an die Wirklichkeit heranzureichen: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.33Der König verlangt nach deiner Schönheit. Alle Herrlichkeit ist drinnen die Tochter des Königs, golddurchwirkt ist ihr Gewand.34

Die Liturgie wird mit Worten Mariens schließen, in denen sich die größte Demut mit der größten Verherrlichung verbindet: Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.35

Cor Mariae dulcissimum, iter para tutum; liebenswertestes Herz Mariens, gib uns Kraft und Sicherheit auf unserem Erdenweg; sei du selbst unser Weg, denn du kennst ja den Pfad und die sichere Abkürzung, die über deine Liebe zur Liebe Jesu Christi hinführt.

Anmerkungen
6

Hymnus Pange lingua.

7

Vgl. Adoro te devote, Hymnus des Thomas von Aquin.

8

Vgl. Ave verum.

9

Vgl. Hymnus O sacrum convivium.

10

Gen 1, 27.

11

Joh 14, 23.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
12

Vgl. Phil 2, 6-7.

13

Vgl. Jes 43, 1.

14

Lk 1, 46-49.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
1

Oratio des Festes vom Heiligsten Herzen Jesu.

2

Röm 8, 32.

3

Vgl. Mt 25,21.

4

Thomas von Aquin, S. Th., I, q. 43, a. 5 (mit Zitat aus: Augustinus, De Trinitate, IX, 10).

5

Joh 19, 34.

6

Joh 19, 30.

7

Phil 2, 7.

8

Ez 18, 23.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
1

Antiphon der Vesper von Mariä Himmelfahrt.

2

Joh 19, 27.

3

Lk 2, 35.

4

Deus caritas est (Gott ist Liebe, 1 Joh 4, 8).

5

Johannes Damaszenus, Homilia II in dormitionem B. V. Mariae, 14 (PG 96, 742).

6

Vgl. Johannes Duns Scotus, In III Sententiarum, dist. III, q. 1.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
31

Lk 15, 32.

32

Ambrosius, Expositio Evangelii secundum Lucam, 7 (PL 15, 1540).

33

Offb 12, 1.

34

Ps 45 (44), 12-14.

35

Lk 1, 48-49.

Verzeichnis der Schriftstellen