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Es gibt 4 Nummer in «Christus begegnen » deren Stichwort lautet Gebet → Gebetsleben.

Unser Glaube muss lebendig sein, er muss uns wirklich dazu führen, auf Gott zu vertrauen und in einem ständigen Gespräch mit Ihm zu bleiben. Das Leben des Christen muss ein Leben dauernden Gebetes sein, ein Bemühen, vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen die Gegenwart des Herrn zu bewahren. Der Christ ist niemals einsam, denn er lebt in dauerndem Umgang mit Gott, der an seiner Seite und im Himmel ist.

Sine intermissione orate, lautet die Forderung des Apostels, betet ohne Unterlass.37 Clemens von Alexandrien erinnert an dieses Gebot, wenn er schreibt: »Es ist uns aber befohlen, den Logos anzubeten und zu verehren in der Überzeugung, dass Er unser Heiland und Führer ist, und durch das Wort den Vater, und zwar sollen wir dies nicht wie manche andere nur an besonders ausgewählten Tagen, sondern ununterbrochen das ganze Leben hindurch und auf jede Weise tun.«38

In den Sorgen des Alltags, wenn es gilt, den Hang zum Egoismus zu überwinden, oder wenn wir uns über die Freundschaft mit anderen Menschen freuen, immer muss der Christ Gott begegnen. Durch Christus und im Heiligen Geist hat der Christ Zugang zum inneren Leben des Vaters, und er geht seinen Weg auf der Suche nach jenem Reich, das nicht von dieser Welt ist, das aber in dieser Welt seinen Anfang nimmt und vorbereitet wird.

Man muss Umgang mit Christus pflegen im Wort und im Brot, in der Eucharistie und im Gebet. Umgang wie mit einem Freund, mit einem wirklichen und lebendigen Wesen, wie Christus es ist, denn Er ist ja auferstanden. Im Brief an die Hebräer lesen wir: Er aber hat, weil Er in Ewigkeit bleibt, ein unvergängliches Priestertum. Darum kann Er auch die, die durch Ihn vor Gott hintreten, für immer retten; denn Er lebt allezeit, um für sie einzutreten.39

Christus, der auferstandene Christus, ist unser Begleiter und Freund; ein Begleiter, der nur wie durch Schatten hindurch sichtbar wird, dessen Wirklichkeit jedoch unser ganzes Leben erfüllt und uns seine endgültige Gegenwart herbeisehnen lässt. Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfange unentgeltlich das Wasser des Lebens! … Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus!40

Leben des Gebetes

Ein Gebet zum Gott meines Lebens.11 Wenn Gott für uns Leben ist, darf es uns nicht wundern, dass unser Dasein als Christen vom Gebet durchdrungen sein muss. Aber seht im Gebet nicht ein Tun, das man verrichtet und dann vergessen kann. Selig der Mann, der sein Gefallen hat an der Weisung des Herrn, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt.12 Am Morgen denke ich an Dich13 und am Abend steigt wie Weihrauch mein Gebet zu Dir14. Der ganze Tag kann Zeit des Gebetes sein: vom Abend bis zum Morgen und vom Morgen bis zum Abend. Ja, die Heilige Schrift erinnert uns sogar daran, dass auch der Schlaf Gebet sein soll.15

Bedenkt, was die Evangelien über Jesus berichten. Manchmal verbrachte Er die ganze Nacht im innigen Gespräch mit seinem Vater. Mit welcher Liebe muss die Gestalt des betenden Christus die ersten Jünger erfüllt haben. Beständig sahen sie den Meister in dieser Haltung und schließlich baten sie Ihn: Domine, doce nos orare16, Herr, lehre uns beten.

Der heilige Paulus verbreitet überall das lebendige Beispiel Christi: orationi instantes17, seid beharrlich im Gebet, schreibt er. Und die Worte des heiligen Lukas erhellen wie ein Streiflicht Leben und Tun der ersten Christen: Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet18.

In der Schmiede des Gebetes gewinnt ein guter Christ mit Hilfe der Gnade seine Festigkeit. Das Leben des Gebetes kann vielfältige Formen annehmen. Gewöhnlich spricht sich das Herz in Worten aus, in jenen mündlichen Gebeten, die Gott selbst – Vater unser – oder seine Engel – Ave Maria – uns gelehrt haben. Andere Male benutzen wir Gebete, in denen sich die Frömmigkeit zahlloser Brüder im Glauben durch Jahrhunderte verdichtet hat: Gebete aus der Liturgie – lex orandi – oder Gebete, die aus der Glut eines liebenden Herzens stammen, wie so viele marianische Antiphonen: Sub tuum praesidium … Memorare … Salve Regina …

Bei anderen Gelegenheiten genügen zwei oder drei Stoßgebete – iaculatoria – wie Pfeile – iaculata – zum Herrn gesandt, Worte, die wir aus der aufmerksamen Lektüre des Lebens Christi lernen: Domine, si vis, potes me mundare19, Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen; Domine, tu omnia nosti, tu scis, quia amo te20, Herr, Du weißt alles, Du weißt, dass ich Dich liebe; Credo,Domine, sed adiuva incredulitatem meam21, ich glaube, Herr, aber hilf meinem Unglauben, stärke meinen Glauben; Domine, non sum dignus22, Herr, ich bin nicht würdig! Dominus meus et Deus meus23, mein Herr und mein Gott! … oder andere Gebete, kurz und liebevoll, die aus der Tiefe der Seele hervorbrechen und aus der Situation eines Augenblicks aufsteigen.

Außerdem muss sich das Gebetsleben jeden Tag auf einige, ausschließlich der Begegnung mit Gott vorbehaltene Zeiten stützen: Augenblicke ohne Worte, still und, wenn möglich, vor dem Tabernakel, um dem Herrn für zwanzig Jahrhunderte seines Wartens – wie einsam ist Er – zu danken. Im Geiste entwickelt sich ein Dialog mit Gott, von Herz zu Herz, und die ganze Seele ist dabei: Verstand und Vorstellungskraft, Erinnerung und Wille. Ein solches Gebet trägt dazu bei, unserem armseligen menschlichen Leben, unserem Alltag einen übernatürlichen Wert zu verleihen.

Durch diese Minuten der Betrachtung, durch das mündliche Gebet und die Stoßgebete wird es uns gelingen, unseren ganzen Tag mit Natürlichkeit und ohne Besonderheiten in ein ständiges Gotteslob zu verwandeln. Wir werden in seiner Gegenwart bleiben, so wie Liebende in Gedanken beieinander sind, und alle unsere Werke – auch die unscheinbarsten – werden sich mit übernatürlicher Wirksamkeit erfüllen.

Wenn ein Christ diesen Weg ständigen Umgangs mit dem Herrn geht – der ein Weg für alle, kein schmaler Pfad für Privilegierte ist –, dann wächst das innere Leben, es wird fest und sicher; dann wächst im Menschen die Entschlossenheit zu diesem liebenswerten und anspruchsvollen Kampf, den Willen Gottes bis zum Letzten zu erfüllen.

Vom Leben des Gebetes her können wir dann auch ein anderes Thema verstehen, das uns das heutige Fest nahelegt: das Apostolat, dieses Ins-Werk-Setzen der Lehre Jesu, die Er kurz vor seiner Himmelfahrt den Seinen anvertraut hat: Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.24

Sodann ist Gebetsleben nötig, denn die Hingabe, der Gehorsam und die Milde des Christen kommen aus der Liebe und führen zu ihr hin. Diese Liebe will Umgang, Gespräch, Freundschaft. Das christliche Leben verlangt einen ständigen Dialog mit dem dreieinigen Gott, und zu diesem innigen Verbundensein führt uns der Heilige Geist. Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkennt auch keiner Gott – nur der Geist Gottes.31 Durch den vertrauten Umgang mit dem Heiligen Geist werden wir selbst vergeistigt, fühlen wir uns als Brüder Christi und Kinder Gottes, den wir ohne Zaudern unseren Vater nennen.32

Gewöhnen wir uns an den Umgang mit dem Heiligen Geist, denn Er soll uns heiligen; haben wir Vertrauen zu Ihm, bitten wir um seinen Beistand, spüren wir seine Nähe. Unser Herz wird weit und unser Verlangen stärker werden, Gott und durch Gott alle Menschen zu lieben. So wird in unserem Leben jene Vision gegenwärtig sein, mit der die Geheime Offenbarung schließt: Der Geist und die Braut, der Heilige Geist und die Kirche – und jeder Christ – wenden sich an Jesus, wenden sich an Christus und bitten Ihn, Er möge kommen und für immer bei uns bleiben.33

Wenn ihr Maria sucht, werdet ihr Jesus finden. Und ihr werdet ein wenig besser verstehen, was das Herz eines Gottes erfüllt, der sich erniedrigt und darauf verzichtet, seine Macht und Majestät zu erweisen, um Knechtsgestalt anzunehmen.12 Menschlich gesprochen können wir sagen, dass Gott sich nicht auf das beschränkt, was zu unserer Rettung wesentlich und unumgänglich ist, sondern dass Er darüber hinausgeht und viel mehr tut als das unbedingt Notwendige. Das einzige Maß, mit dem wir diese Tat irgendwie messen und begreifen können, ist die Einsicht, dass sie maßlos ist, dass sie aus der Torheit seiner Liebe kommt, die Ihn unser Fleisch annehmen und unsere Sünden auf sich laden lässt.

Wie ist es möglich zu begreifen, dass Gott uns liebt, ohne gleichfalls aus Liebe den Verstand zu verlieren? Wir müssen uns von diesen Glaubenswahrheiten durchdringen lassen, bis sie unser ganzes Leben verwandelt haben. Gott liebt uns: der Allmächtige, der Himmel und Erde erschaffen hat!

Gott kümmert sich selbst um die kleinsten Dinge seiner Geschöpfe, um die euren und die meinen, und jeden einzelnen von uns ruft Er bei seinem Namen.13 In dieser Gewissheit, die uns der Glaube verleiht, sehen wir unsere Umgebung mit anderen Augen und bemerken, dass zwar alles gleichgeblieben und trotzdem ganz anders ist, denn alles ist Ausdruck der Liebe Gottes.

So verwandelt sich unser Leben in ein immerwährendes Gebet, in ständige Heiterkeit und in bleibenden Frieden, in einen Akt der Danksagung während des ganzen Tages. Meine Seele preist die Größe des Herrn, sang Maria, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat Er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.14

Unser Gebet kann sich mit diesem Gebet Mariens vereinen und es nachahmen. Wir werden wie sie den Wunsch verspüren zu singen, den Wunsch, die Großtaten Gottes zu verkünden, um die ganze Menschheit und alle Geschöpfe an unserem Glück teilhaben zu lassen.

Anmerkungen
37

1 Thess 5, 17.

38

Clemens von Alexandrien, Stromata, 7, 7, 35 (PG 9, 450).

39

Hebr 7, 24-25.

40

Offb 22, 17 und 20.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
11

Ps 42 (41), 9.

12

Ps 1, 1-2.

13

Vgl. Ps 63 (62), 7.

14

Vgl. Ps 141 (140), 2.

15

Vgl. Dtn 6, 6 und 7.

16

Lk 11, 1.

17

Röm 12, 12.

18

Apg 1, 14.

19

Mt 8, 2.

20

Joh 21, 17.

21

Mk 9, 23.

22

Mt 8, 8.

23

Joh 20, 28.

24

Apg 1, 8.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
31

1 Kor 2, 11.

32

Vgl. Gal 4, 6; Röm 8, 15.

33

Vgl. Offb 22, 17.

Verzeichnis der Schriftstellen
Anmerkungen
12

Vgl. Phil 2, 6-7.

13

Vgl. Jes 43, 1.

14

Lk 1, 46-49.

Verzeichnis der Schriftstellen