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Du sprichst vom Gipfel … Für eine Seele, die sich Gott hingibt, wird alles zum erstrebenswerten Gipfel: Sie entdeckt jeden Tag neue Ziele, weil sie der Liebe Gottes keine Grenzen setzen will, noch kann.
Nimm dir aufrichtig vor, allen, die um dich sind, den Weg liebenswert und leicht zu machen, denn das Leben bringt ohnehin schon genug Bitterkeit mit sich.
Nimm das, was dir jetzt Sorge macht, in dieses leise Lächeln hinein, das du aus Liebe zu Gott verschenkst.
Ein Freund sprach mich an: »Man hat mir gesagt, dass du verliebt bist.« – Ich blieb stehen, sehr überrascht, und mir fiel nur ein zu fragen, woher er das hätte.
Er gestand: aus den Augen gelesen – die strahlten vor Freude.
Du hast ihn zwar nicht körperlich misshandelt … Aber du hast ihn so oft ignoriert, so oft für ihn nur einen gleichgültigen Blick gehabt, wie für einen Fremden …
Hältst du das für geringfügig?
Geh nicht an fremdem Leid gleichgültig vorüber. Der da leidet – ein Verwandter, ein Freund, ein Kollege … ein Unbekannter – ist dein Bruder.
Erinnere dich an die Stelle im Evangelium, die du so oft mit Kummer gelesen hast: Nicht einmal die Verwandten Jesu trauten ihm.
Bemühe dich darum, dass sich diese Situation nicht wiederholt.
Jeden Tag, so sagtest du mir, mache ich in meinem Innern eine neue Entdeckung … Und meine Antwort: Jetzt fängst du an, dich selbst zu erkennen.
Wer wirklich liebt, der findet tausend liebenswerte Aufmerksamkeiten, um noch mehr zu lieben.
Das wäre eine traurige Genugtuung, nach einem Unglück oder einem Misslingen bloß feststellen zu können: »Ich habe es ja kommen sehen …«
Sie würde besagen, dass die Not eines Mitmenschen dir gleichgültig war. Andernfalls hättest du nämlich versuchen müssen, sie abzuwenden, wenn du dazu in der Lage warst.
Die Liebe – mehr als das Studium – erschließt uns den Sinn für die »Dinge Gottes«.
Daher: Arbeite, studiere, nimm die Krankheit an, sei nüchtern … und in alledem liebe Ihn!
Für Liebende gibt es im Grunde keinen Abschied – sie begleiten einander immer.
Du und ich: lieben wir so den Herrn?
Hast du noch nie bemerkt, wie Liebende einander zu gefallen suchen, indem sie auch ihr Äußeres pflegen? – Genauso sorge du dich darum, wie deine Seele »aussieht«!
Siehst du nicht, wie viele deiner Freunde sehr herzlich und einfühlsam sein können, wenn es um Menschen geht, die sie lieben: um die Verlobte, die Ehefrau, die Kinder, die Familie …?
Sag ihnen – und halte dich selbst daran! –, dass der Herr es nicht weniger verdient als sie alle. Auch Ihm sollen sie sich auf die gleiche innige Weise zuwenden. Außerdem gib ihnen den Rat, ihre Herzlichkeit und Einfühlsamkeit noch tiefer zu verankern: in einem Leben mit Gott und auf Gott hin … Schon hier auf Erden wird ihnen ein ungeahntes Glück zuteil werden.
Die Eigenliebe mit Stumpf und Stiel ausrotten und die Liebe zu Jesus Christus einpflanzen: Das ist das Geheimnis aller Wirksamkeit – und des Glücks.
Solange du noch an der Überzeugung festhältst, alle anderen hätten nur für dich da zu sein, solange du dich also nicht entschließt, wirklich zu dienen, verborgen zu bleiben und zu verschwinden –, solange das so ist, wird der Umgang mit deinen Brüdern, Berufskollegen und Freunden ständig eine Quelle von Ärger und Missmut sein – von Hochmut.
Wenn es dir einmal schwerfällt, jemandem einen Gefallen zu tun, ihm einen Dienst zu erweisen, erinnere dich daran, dass dieser Mensch ein Kind Gottes ist und dass der Herr uns geboten hat, einander zu lieben.
Aber mehr noch: Begnüge dich nicht mit einer oberflächlichen Befolgung dieses Gebotes aus dem Evangelium; erfasse es jeden Tag tiefer! Zieh die Konsequenzen daraus – es ist gar nicht so schwer –, und richte in jedem Augenblick dein eigenes Verhalten nach den Forderungen des Herrn.
Das Leben in der heutigen Welt ist so hektisch, dass die christliche Nächstenliebe zu einer Art Ausnahmeerscheinung geworden ist, obwohl man Christus – zumindest verbal – weiterhin verkündet …
Ich gebe das zu. Aber – was tust du selbst, der du ja als katholischer Christ mit Ihm eins sein und seinen Fußstapfen folgen sollst? Hat Er uns doch geboten, seine Lehre überall zu verbreiten, bei allen Menschen – bei allen! – und zu allen Zeiten.
Beherzige meinen Rat und handle danach: Diese Leute, denen du unsympathisch bist, werden ihre Meinung revidieren, sobald sie merken, dass du sie »wirklich« gerne hast. Alles hängt also von dir ab.
Zuerst behandelst du jemanden schlecht … Gleich darauf, noch bevor der andere reagieren kann, verkündest du: »So, und nun allseits christliche Nächstenliebe!«
Fingest du doch mit dem Zweiten an … Dann würde es gar nicht zu dem Ersten kommen.
Säe kein Unkraut, wie jener, den seine eigene Mutter so charakterisierte: »Stellen Sie ihm Ihre Freunde nur vor; er wird schon dafür sorgen, dass Sie sich bald mit ihnen entzweien.«
Der Freund, der sie so hart und doch mit Freude arbeiten sah, meinte: Sagt bloß – ihr tut das alles aus Begeisterung? – Die frohe und ruhige Antwort lautete: Aus Begeisterung? Das gäbe einen großen Reinfall! Nein, wir tun es … »per Dominum Nostrum Iesum Christum!« – durch und für unseren Herrn Jesus Christus, der immerfort auf uns wartet.
Über die Eifersucht und den Neid einiger Leute meinte ein rechtschaffener Mann: »Es muss schon sehr viel böser Wille im Spiel sein, um ein so klares Wasser eintrüben zu wollen.«
Rufe Ihm laut – so laut du kannst! – die »Verrücktheiten« deiner Liebe zu: »Herr, ich liebe Dich … Aber verlass Dich nicht auf mich! Binde mich jeden Tag enger an Dich!«
Vermeide mit Takt und Herzensbildung alles, was andere Menschen verletzen könnte.
Warum wählst du eigentlich unter zehn verschiedenen Arten, »Nein« zu sagen, immer die unfreundlichste aus?
Tugend will nicht verletzen.
Wie oft wir den Herrn im Tabernakel aufsuchen, hängt von zwei Faktoren ab: vom Glauben und von der Herzenswärme, die Wahrheit zu sehen und sie zu lieben.
Selbstverleugnung und Abtötung – auch sie lassen die Liebe erstarken.
Hättest du ein großes Herz und etwas mehr Aufrichtigkeit, dann würdest du dich nicht bei Bagatellen aufhalten, mit denen du entweder die anderen belästigst oder die du zu »persönlichen Kränkungen« aufbauschst.
Die Armen – sagte unser Freund – sind für mich das beste geistliche Buch und das Hauptthema meines Gebetes. Sie bereiten mir Schmerz, und weil ich in ihnen Christus begegne, ist es Sein Schmerz, der mir wehtut. Und dieses Wehtun lässt mich innewerden, dass ich Ihn liebe und dass ich sie liebe.
Jetzt brennt dein Herz. Du warst nur ein trostloser Aussätziger, als Christus dir entgegenkam. Du hattest eine einzige gute Eigenschaft: großzügige Anteilnahme für deine Mitmenschen. Nach der Begegnung mit dem Herrn empfingst du die Gnade, in jedem von ihnen Jesus zu erkennen. An Ihn verlorst du dein Herz – und nun liebst du Ihn in deinem Nächsten. Die Menschenfreundlichkeit, mit der du bis dahin deinem Nächsten hilfreich entgegengekommen bist, erscheint dir jetzt als sehr wenig – und damit hast du Recht!
Es gehört zur Taktik des Tyrannen, die Zwietracht unter denen zu fördern, die vereint ihn stürzen könnten. Auch der Teufel und seine Helfer gebrauchen diese alte List, wenn sie apostolische Initiativen zunichte machen wollen.
Der Gedanke an den Tod wird dir helfen, deinen Nächsten mehr zu lieben, denn deine Begegnung mit diesem oder jenem Menschen kann die letzte sein – er oder sie, du oder ich können jeden Augenblick abberufen werden.
Lerne »nein« zu sagen, ohne dabei unnötig zu verletzen oder durch schroffe Formulierungen die Nächstenliebe zu trüben.
Denke daran, dass du ständig vor Gottes Angesicht stehst!
Zuerst wird über jemanden hergezogen; dann wird einer losgeschickt, der dir sogleich en passant berichtet, was »man sagt«. – Eine Gemeinheit? – Zweifellos. Aber verliere trotzdem dein inneres Gleichgewicht nicht, denn die bösen Zungen werden dir keinen Schaden zufügen können, wenn du lauter und rechtschaffen arbeitest. Du musst die Sache so sehen: als Dummheit, als Taktlosigkeit, als Mangel an Loyalität gegenüber den Mitmenschen … ganz besonders aber gegenüber Gott!
Und lass dich nicht dazu hinreißen, aus missverstandenem Recht auf Revanche auch deinerseits über sie herzuziehen! Wenn etwas zu sagen ist, dann gemäß dem Rat des Evangeliums: als brüderliche Zurechtweisung.
Lass dich durch diese Widerwärtigkeiten und Schwätzereien nicht aus dem Tritt bringen. Gewiss, wir dienen einem gottgewollten Werk, aber wir sind Menschen … Und es ist nur normal, dass wir beim Gehen Staub aufwirbeln.
Ist da etwas, das dich ärgert oder verletzt … nimm es als willkommene Gelegenheit, um dich zu läutern und – falls nötig – zu korrigieren.
Du erweist dich als ein großartiger Theoretiker … Aber – nicht einmal in Belanglosigkeiten bist du bereit nachzugeben. Deshalb glaube ich nicht, dass du wirklich den Geist der Abtötung hast.
In der sorgfältigen Beachtung der vielen kleinen Dinge zeigt sich beständig der Geist der Abtötung. Sie ist, zu allem anderen, der Weg, um den Mitmenschen das Leben etwas angenehmer zu machen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10940/ (08.05.2026)