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Dies schrieb mir jemand, der wirklich glaubt: »Lebt man notgedrungen isoliert, dann wird die Hilfe der Brüder deutlich spürbar. Bedenke ich, dass ich jetzt alles ›alleine‹ tragen muss, dann wird mir auch ganz klar, dass ich meinen unverwüstlichen Optimismus nicht bewahren könnte – wenn ich nicht über alle Entfernung hinweg unsere Verbundenheit spürte.«
Wie wunderbar ist doch die Gemeinschaft der Heiligen!
Nimm dir aufrichtig vor, allen, die um dich sind, den Weg liebenswert und leicht zu machen, denn das Leben bringt ohnehin schon genug Bitterkeit mit sich.
Solange du noch an der Überzeugung festhältst, alle anderen hätten nur für dich da zu sein, solange du dich also nicht entschließt, wirklich zu dienen, verborgen zu bleiben und zu verschwinden –, solange das so ist, wird der Umgang mit deinen Brüdern, Berufskollegen und Freunden ständig eine Quelle von Ärger und Missmut sein – von Hochmut.
Die Verpflichtung zur Brüderlichkeit gegenüber allen Menschen verlangt, dass dein »Apostolat der kleinen Aufmerksamkeiten« von ihnen unbemerkt bleibt: Es gilt einfach, ihnen zu dienen, damit ihr Weg ihnen leichter gangbar erscheint.
Es hat dich viel gekostet, all deine kleinen Sorgen und persönlichen Anliegen, die an sich eher banal und auch gar nicht so zahlreich waren, aber doch tief in deiner Seele verwurzelt, nach und nach abzuwerfen und zu vergessen. – Dafür hast du die schöne Sicherheit eingetauscht, dass deine Sorge um die Brüder, und nur um sie, nunmehr die erste Stelle unter deinen Anliegen einzunehmen hat. Denn du hast gelernt, in deinem Nächsten Jesus Christus zu entdecken.
Vermeide mit Takt und Herzensbildung alles, was andere Menschen verletzen könnte.
Warum wählst du eigentlich unter zehn verschiedenen Arten, »Nein« zu sagen, immer die unfreundlichste aus?
Tugend will nicht verletzen.
Der Gedanke an den Tod wird dir helfen, deinen Nächsten mehr zu lieben, denn deine Begegnung mit diesem oder jenem Menschen kann die letzte sein – er oder sie, du oder ich können jeden Augenblick abberufen werden.
Enthalte dich immer des Lamentierens, der zersetzenden Kritik, der üblen Nachrede … Meide strikt alles, was unter Brüdern Zwietracht säen könnte.
»Custos, quid de nocte!« – Wächter, wie lange noch dauert die Nacht? Halte Wache!
Es wäre gut, wenn auch du dich daran gewöhntest, im Verlauf der Woche einen »Wachetag« zu halten: einen Tag, an dem du dir deiner Hingabe an Gott bewusster wirst, aufmerksamer kleine Erweise der Liebe übst, das Gebet und das Opfer ein wenig verstärkst.
Halte dir vor Augen, dass die Heilige Kirche einem großen Heer gleicht, welches in Schlachtordnung aufgestellt ist. Und du gehörst zu ihm; du verteidigst deinen »Frontabschnitt«, wo Angriffsschlachten und Gegenattacken toben. Verstehst du?
Dieses Bereitsein wird dich Gott immer näher bringen und deinen Willen stärken, alle deine Tage, einen nach dem andern, in »Wachetage« zu verwandeln.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/11660/ (08.05.2026)