Kampf

Göttliche Auserwählung bedeutet – und fordert – persönliche Heiligkeit.

Wenn du auf den Ruf antwortest, den der Herr an dich hat ergehen lassen, wird dein Leben – dein kleines unbedeutendes Leben – in der Geschichte der Menschheit eine tiefe und breite, leuchtende und fruchtbare Spur des Ewigen und Göttlichen hinterlassen.

Sei dir jeden Tag deiner Verpflichtung bewusst, heilig zu werden.

Heilig! Das bedeutet nicht, verstiegen zu sein, sondern zu kämpfen: im geistlichen Leben und in der heroischen, vollkommenen Erfüllung deiner Aufgaben.

Die Heiligkeit besteht nicht in großartigen Unternehmungen. Sie bedeutet Kampf, damit dein übernatürliches inneres Leben nicht versandet. Sie besteht darin, sich bis zum Letzten im Dienste Gottes zu verzehren; an der alleruntersten Stelle – oder an der obersten –, da, wohin der Herr dich ruft.

Der Herr hat sich nicht darauf beschränkt, uns bloß zu sagen, dass Er uns liebt. Er hat es uns mit seinen Werken, mit seinem ganzen Leben bewiesen. – Und du?

Wenn du den Herrn liebst, musst du »notgedrungen« die Verantwortung für die Seelen spüren, um sie zu Gott zu führen.

Für den, der aus Liebe – aus DER LIEBE – leben will, ist Mittelmaß sehr wenig, nämlich Knauserei und jämmerliche Berechnung.

Hier hast du das »Rezept« für deinen Weg als Christ: Gebet, Buße und nimmermüdes Arbeiten in liebevoller Pflichterfüllung.

Mein Gott, lehre mich lieben! Mein Gott, lehre mich beten!

So müssen wir von Gott Glauben, Hoffnung und Liebe erbitten – in Demut, in beharrlichem Gebet und dadurch, dass unser Verhalten klar, anständig und integer ist.

Du wüsstest nicht, so sagtest du mir, wie du mir für den heiligen Eifer, der dich erfüllt, danken könntest.

Ich antwortete dir sofort: Nicht ich gebe dir diesen inneren Schwung, der Heilige Geist gibt ihn dir.

Liebe Ihn, pflege Umgang mit Ihm! So wirst du Ihn immer mehr und immer inniger lieben und Ihm dafür danken, dass Er in deiner Seele wohnt und dir inneres Leben schenkt.

Bemühe dich mit allen Kräften darum, dass das Heilige Messopfer Mitte und Wurzel deines inneren Lebens ist. Der ganze Tag wird so – zuerst als Verlängerung der vergangenen Heiligen Messe, dann als Vorbereitung auf die kommende – zu einem Gottesdienst, der sich immer neu entfaltet: in Stoßgebeten, im Aufsuchen des Altarsakramentes, in der Darbringung deiner beruflichen Arbeit und deines Familienlebens …

Sage Jesus in der Eucharistie Dank, indem du Unsere Liebe Frau lobpreist, denn sie – die reine, makellose Jungfrau – brachte den Herrn zur Welt.

Und mit der Kühnheit eines Kindes darfst du dem Herrn zurufen: Geliebter Jesus, gepriesen sei die Mutter, die Dich geboren hat!

Gewiss wirst du Ihn damit erfreuen, und Er wird deine Seele mit noch mehr Liebe erfüllen.

Der Evangelist Lukas berichtet, dass Jesus im Gebet verweilte … Wie wird wohl das Gebet Jesu gewesen sein …

Betrachte in Ruhe diese Szene: Die Jünger im Gespräch mit Jesus Christus … und in diesen Unterhaltungen lehrt Er sie – auch mit Werken –, wie sie beten sollen und wie wunderbar die göttliche Barmherzigkeit ist. Er lehrt sie, dass wir Kinder Gottes sind und dass wir uns an Ihn wenden dürfen, so wie ein Kind sich an seinen Vater wendet.

Jeden Tag beginnt deine Arbeit an der Seite Christi neu; jeden Tag auch die Sorge um die vielen Seelen, die Ihn suchen. Sei überzeugt, es gibt nur einen einzigen Weg: zum Herrn seine Zuflucht zu nehmen.

Nur im Gebet und mit dem Gebet lernen wir es, den Mitmenschen zu dienen!

Beten besteht nicht in schönen Worten, nicht in frommen Absichtserklärungen, nicht in Trostsprüchen …

Gebet – das ist mal ein Blick auf ein Bild des Herrn oder seiner Mutter, mal eine Bitte in schlichten Worten, mal das Aufopfern einer guten Tat oder die Darbringung der Früchte unserer Treue …

Wie der Soldat, der Wache hält, so müssen wir vor den Toren Gottes, unseres Herrn stehen – und das ist Gebet! Oder wie ein Hund, der zu Füßen seines Herrn liegt.

Es soll dir nichts ausmachen, Ihm zu sagen: Herr, da bin ich, wie ein treuer Hund; oder – noch besser – wie ein Eselchen, das ja nie nach einem, der es liebt, ausschlagen wird.

Wir alle müssen »ipse Christus«, Christus selbst sein. So gebietet es uns der heilige Paulus im Namen Gottes: »induimini Dominum Iesum Christum« – legt den Herrn Jesus Christus an.

Jeder von uns – auch du! – muss zusehen, wie er dieses Gewand, von dem der Apostel spricht, anzieht. Jeder muss in einem ganz persönlichen, nie versiegenden Dialog mit dem Herrn stehen.

Dein Gebet darf sich nicht in bloßen Worten erschöpfen. Es muss in die Wirklichkeit eingreifen und praktische Folgen zeitigen.

Beten ist der Weg, um alles Übel, das uns leiden macht, zu überwinden.

Ich gebe dir einen Rat, den ich niemals müde werde zu wiederholen: sei maßlos in der Liebe zur Mutter Gottes, die unsere Mutter ist.

Die heroische Hingabe, die Heiligkeit, der Wagemut erfordern eine ständige geistliche Einübung. Du kannst deinen Mitmenschen immer nur von dem geben, was du selber hast; und wenn du Gott etwas geben willst, musst du mit Ihm Umgang pflegen, musst du »sein Leben leben«, Ihm dienen.

Ich höre nicht auf, es dir immerfort zu wiederholen, damit es sich tief in deine Seele einprägt: sei fromm, sei wirklich fromm! Denn wenn du dich gegen die Liebe verfehlst, so geschieht dies nicht, weil du einen schlechten Charakter hättest, sondern weil dein inneres Leben kümmerlich ist.

Wenn du ein gutes Kind Gottes bist, wird es dir ähnlich wie dem Kleinen ergehen, das beim Aufstehen und beim Zubettgehen die Eltern um sich haben will: dein erster und dein letzter Gedanke des Tages werden Ihm gelten.

Sei in deinen Frömmigkeitsübungen beständig, fordere sie dir ab, auch wenn du müde bist oder sie dir öde vorkommen. Harre aus! Solche Zeiten des Gebetes sind wie die rotgestrichenen, langen Pflöcke an den Straßen im Hochgebirge; wenn der Schnee alles bedeckt, bleiben sie immer noch gut sichtbar als Orientierungspunkte, die – immer! – den sicheren Weg zeigen.

Gib dir aufrichtig Mühe, in jedem Augenblick zu tun, was Gott von dir erbittet. Hab den Willen, Ihn mit Werken zu lieben – mit kleinen Werken, die du aber niemals unterlässt.

Das innere Leben erstarkt dank der Mühe um die täglichen Frömmigkeitsübungen. Verrichte sie – nein, mehr: erfülle sie mit Leben und Liebe, denn unser Weg als Kinder Gottes ist ein Weg der Liebe.

Suche Gott im Innersten deines unverdorbenen, reinen Herzens; in der Tiefe deiner Seele, wenn du Ihm treu bist! Und verliere niemals diese Vertrautheit mit Ihm!

Wenn du einmal nicht weißt, wie du zum Herrn sprechen sollst; wenn dir nichts einfällt oder du es nicht wagst, Jesus in dir zu suchen, dann flüchte zu Maria – sie ist die »tota pulchra«, die ganz reine, wunderbare Jungfrau – und vertraue dich ihr an: Du, unsere Herrin und Mutter, dich hat der Herr dazu auserkoren, mit deinen Händen Gott zu umhegen; lehre mich – lehre uns alle! – den richtigen Umgang mit deinem Sohn!

Senkt in die Seelen die heroische Selbstverständlichkeit ein, die kleinen Dinge des Alltags wirklich vollendet und gewissenhaft zu verrichten – so als ob von jeder einzelnen dieser Kleinigkeiten das Heil der Welt abhinge!

Mit deinem Frömmigkeitsleben wirst du lernen, die Tugenden zu üben, die für ein Kind Gottes, einen Christen, grundlegend sind.

Und mit diesen Tugenden wirst du dir auch eine Vielzahl von geistlichen Werten aneignen, die unwichtig scheinen, jedoch sehr wichtig sind; kleine, funkelnde Edelsteine, die wir auf unserem Weg auflesen, um sie – im Dienst an unseren Mitmenschen – vor Gottes Thron zu bringen: Einfachheit, Freude, Loyalität, Friedfertigkeit, kleine Verzichte, unauffällige Dienste, treue Pflichterfüllung, Freundlichkeit …

Schaff dir keine anderen Verpflichtungen als … die Ehre Gottes, die Liebe zu Ihm, das Apostolat.

Der Herr hat dich deinen Weg als Christ mitten in der Welt klar erkennen lassen. Jedoch versicherst du mir, du hättest dir oft voller Neid – eigentlich sei es Bequemlichkeit, meintest du – das Glück ausgemalt, ein Unbekannter zu sein, der von allen übersehen im letzten Winkel dieser Erde arbeitet … Gott und du!

Neben der Vorstellung, als Missionar nach Japan zu gehen, lockt dich jetzt der Gedanke an jenes verborgene, entbehrungsreiche Leben … Würdest du aber versuchen – nachdem du dich von manchen gottgewollten natürlichen Verpflichtungen befreit hast –, dich in irgendeiner religiösen Einrichtung zu »verbergen«, ohne dass dies deine Berufung wäre, dann würdest du nicht glücklich. Dir ginge der Friede ab, denn du hättest zwar deinen Willen, nicht aber den Willen Gottes getan.

Deine »Berufung« müsste man dann anders nennen, nämlich Flucht, und zwar nicht aufgrund göttlicher Eingebung, sondern aus bloßer menschlicher Angst vor kommenden Kämpfen. Das kannst du nicht wollen!

Sauberes Leben und heilige Reinheit sind stets einer ernsten Gefährdung ausgesetzt, die jeden von uns – auch die von Gott zur Ehe Berufenen – betreffen kann: die Gefahr, im geistlichen wie auch im beruflichen Leben abzusacken, zu egozentrischen Eigenbrötlern zu werden, zu Menschen ohne Liebe …

Geh mit allen Kräften gegen diese Gefahr an, ohne dich auf irgendwelche Kompromisse einzulassen.

Wenn du dein Haften am sinnlichen Genuss überwinden willst – denn immer werden wir dieses Eselchen, unseren Leib, mit uns schleppen –, dann musst du jeden Tag großherzig die kleinen Abtötungen – und gelegentlich auch die großen – üben; und sei dir dabei immer der Gegenwart Gottes bewusst, denn der Blick des Herrn ruht allezeit auf dir.

Deine Keuschheit darf sich nicht darauf beschränken, nur die Unkeuschheit oder die Gelegenheit dazu zu meiden … Sie darf kein bloßes Nein sein, kein Ausdruck der Kälte und Gefühllosigkeit.

Ist dir klar, dass die Keuschheit eine Tugend ist und als solche wachsen und sich vervollkommnen muss?

Eine bloß deinem Stand gemäß disziplinierte Geschlechtlichkeit darf also nicht genügen. Es geht um die echte Tugend der Keuschheit, die oft heroisches Bemühen fordert.

Der »bonus odor Christi« – der »Wohlgeruch« Christi muss auch um uns sein durch unser sauberes Leben, durch die Keuschheit – jeder gemäß seinem Lebensstand –, durch die heilige Reinheit, die freudige Bejahung bedeutet. Reinheit ist zart und fest zugleich, und ihrer taktvollen Zurückhaltung sind auch ordinäre Ausdrücke, die Gott missfallen, tief zuwider.

Gewöhne dich daran, den heiligen Schutzengeln im voraus zu danken … um sie noch mehr zu verpflichten.

»Gottesträger« … Jeden Christen sollte man mit diesem frühchristlichen Beinamen bezeichnen können.

Verhalte dich so, dass man dich zu Recht so nennen kann.

Denke einmal darüber nach, wie es wäre, wenn wir Christen nicht hielten, was unser Name verspricht … und korrigiere dann deine Lebensweise!

Sieh den Herrn hinter jedem Ereignis, hinter jeder Situation. So wird alles, was geschieht, in dir die Liebe zu Gott vermehren und deinen Wunsch nach Treue vertiefen. Denn der Herr wartet immer auf uns, und Er bietet uns die Möglichkeit, unseren einmal gefassten Vorsatz »Serviam!« – Ich will Dir dienen! – stets von neuem zu erfüllen.

Lass jeden Tag von neuem den Wunsch nach Entsagung und Selbstverleugnung in dir wirksam werden, vergiss dein Ich und lebe »in novitate sensus«, in einem erneuerten Geist, der das Elend des eigenen Lebens eintauscht gegen die verborgene und ewige Größe Gottes.

Gewähre mir, Herr, so sehr Dein eigen zu sein, dass auch die edelsten Gefühle nur durch Dein verwundetes Herz in mein Inneres gelangen.

Bemühe dich darum, taktvoll zu sein, mit guten Umgangsformen. Sei nicht grob!

Immer feinfühlig – aber nie geziert …

Die Liebe erreicht alles. Ohne Liebe bringen wir nichts zustande.

Liebe! Denn sie ist das Geheimnis deiner Existenz … Liebe! Ertrage die Leiden freudig. Stärke deine Seele, festige deinen Willen. Bekräftige deine Hingabe an den Willen Gottes. Dann wird dein Leben Frucht bringen.

Sei einfach und fromm wie ein Kind – und tapfer und stark wie ein Held.

Den Frieden, der die Freude mit sich bringt, kann die Welt nicht geben.

Die Menschen sind ständig dabei, Frieden zu schließen, und ständig lassen sie sich in Kriege verwickeln; denn sie haben die Lehre vergessen, dass man im eigenen Innern kämpfen und sich auf die Hilfe Gottes stützen muss, damit Er der Sieger sei und so sein Friede herrsche – im eigenen Herzen, im eigenen Zuhause, in der Gesellschaft und in der Welt.

Wenn wir uns so verhalten, werden wir, du und ich, von Freude erfüllt werden, denn sie gehört denen, die siegen; und mit der Gnade Gottes – der keine Schlacht verliert – werden wir siegen, wenn wir demütig sind.

Dein Leben, deine Arbeit dürfen nicht negativ ausgerichtet, nicht von einer »Anti-Haltung« geprägt sein. Sie sollen vielmehr Ausdruck von Bejahung und Optimismus sein, von Jugend, Freude und Frieden!

Im Leben der Völker gibt es zwei Bereiche, die von entscheidender Bedeutung sind: die Gesetze über Ehe und Familie und die Gesetze über Erziehung. Hier müssen die Kinder Gottes – aus Liebe zu allen Menschen – feste Grundsätze vertreten und sich selbstlos einsetzen.

Die Freude ist ein christliches Gut, das wir besitzen, solange wir kämpfen, denn es ist Folge des Friedens, und der Friede ist die Frucht des Sieges im Kampf, und das Leben des Menschen auf Erden – so lesen wir in der Heiligen Schrift – ist Kampf.

Unser göttlicher Kampf ist eine herrliche Aussaat des Friedens.

Wer aufhört zu kämpfen, der schadet der Kirche, dem von Gott gewollten Werk, dem er sich verschrieben hat, seinen Brüdern und allen Menschen.

Prüfe dich! Könntest du nicht mehr inneren Schwung in dein geistliches Ringen hineinlegen? – Ich bete für dich … und für alle. Tu du es auch.

Jesus! Wenn es in mir etwas gibt, das dir missfällt, so sage es mir. Wir wollen es gemeinsam ausmerzen.

Es gibt einen Feind des inneren Lebens, der klein ist und dumm – doch leider höchst wirksam: die Oberflächlichkeit bei der Gewissenserforschung.

Christliche Frömmigkeit verlangt nach Gewissenserforschung. Sie entspricht den Forderungen der Liebe und des Feingefühls dem Herrn gegenüber.

Wenn etwas nicht im Einklang steht mit der Haltung, die Gott von dir erwartet, dann lass sofort davon ab!

Denk an die Apostel! Sie waren schwach und mit vielen Fehlern behaftet, aber im Namen des Herrn haben sie Wunder gewirkt. Nur Judas, der vielleicht auch Wunder gewirkt hatte, verirrte sich, weil er sich aus freiem Willen von Christus abwandte und nicht bereit war, entschieden und mutig mit dem, was Gott zuwider war, zu brechen.

Mein Gott! Wann endlich werde ich mich bekehren?

Warte nicht auf das Alter, um heilig zu werden. Das wäre ein großer Irrtum!

Beginne schon jetzt damit, ernsthaft, begeistert, voll Freude, durch deine Pflichterfüllung, durch deine Arbeit, durch deinen Alltag …

Warte nicht auf das Alter, um heilig zu werden! Denn abgesehen davon, dass es ein schwerer Irrtum wäre – ich sage es dir noch einmal –, weißt du ja gar nicht, ob du bis dahin gelangst.

Bitte den Herrn darum, Er möge dir die nötige innere Sensibilität schenken, damit du die Hässlichkeit der lässlichen Sünden erkennst und sie als wirklichen, radikalen Feind deiner Seele begreifen lernst. Und damit du sie mit Gottes Gnade meidest.

Denke nach über dein Leben, in Ruhe und ohne Ängstlichkeit. Bitte dann um Vergebung und fasse den festen, konkreten und klar definierten Vorsatz, dich in diesem oder jenem zu bessern; in dem Punkt, der dir schwerfällt, und in jenem anderen, von dem du weißt, dass du ihn nicht so beachtest, wie es sein sollte …

Hege viele hochherzige Wünsche, denn das ist heilig und Gott wohlgefällig. Aber bleibe nicht dabei, sei ein Mann, eine Frau der Tat! Willst du, dass das Wünschen zu Handeln wird, so fasse klare und bestimmte Vorsätze.

Und dann, mein Kind, kämpfe mit Gottes Hilfe um ihre Verwirklichung!

Du hast Feuer gefangen und fragst mich: Was kann ich tun, damit meine Liebe zum Herrn dauerhaft wird und weiter wächst?

Nun, mein Kind … Schritt für Schritt den alten Menschen in dir ablegen, und zwar freudig und großzügig auch in den Dingen, die an sich gut sind, aber die Loslösung von deinem Ich verhindern … ständig und in all deinem Tun dem Herrn sagen: »Da bin ich … mach mit mir, was Du willst!«

Heilig werden! Wer sich Kind Gottes weiß, sollte ruhig in den Tugenden übertreiben, falls darin Übertreibung möglich ist … Er muss sein Ziel sehr hoch stecken, damit die Menschen, die sich in ihm wie in einem Spiegel anschauen, zumindest eine durchschnittliche Höhe erreichen.

Schäme dich nicht, wenn du in deinem Herzen den »fomes peccati«, den Hang zum Bösen entdeckst. Du wirst ihn verspüren, solange du lebst; denn niemand ist frei von dieser Last.

Schäme dich nicht, denn der allmächtige und barmherzige Herr hat uns alle erforderlichen Mittel gegeben, um diese Neigung überwinden zu können: die Sakramente, das Gebetsleben, die geheiligte Arbeit.

Nutze diese Mittel beharrlich, mit der Bereitschaft, immer wieder zu beginnen, ohne den Mut zu verlieren.

Herr, befreie mich von mir selbst!

Ein Apostel, dem das regelmäßige Gebet nicht zur Selbstverständlichkeit wird, verfällt unausweichlich der Lauheit … und hört auf, Apostel zu sein.

Herr, ich möchte von jetzt an ein anderer sein! Nicht mehr »ich«, sondern »der«, den Du Dir wünschst!

Ich möchte mich keiner Deiner Bitten versagen. Ich möchte beten lernen … und leiden lernen … und für nichts anderes Sorge tragen als für Deine Ehre … und immerfort Deine Gegenwart erfahren.

Ich möchte den Vater lieben … und Dich, mein Jesus, in nie endender Kommunion ersehnen … und brennen im Feuer des Heiligen Geistes.

»Meus es tu« – du bist mein, hat der Herr dir gesagt.

Gott, der die Herrlichkeit und die Weisheit, die Größe und die Güte selbst ist, spricht so zu dir. Sein bist du! … Und du antwortest Ihm nicht darauf!

Es soll dich nicht beunruhigen, wenn du in deinem Leben jene Last verspürst, von der Paulus sagt: »Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt.«

Vergegenwärtige dir dann, dass du zu Christus gehörst, und eile zur Mutter Gottes, die deine Mutter ist. Sie werden dich nicht verlassen!

Nimm die Ratschläge, die du in der geistlichen Leitung empfängst, so an, als kämen sie von Jesus Christus selbst.

Du hast mich um einen Rat gebeten, wie du in deinen täglichen Kämpfen bestehen kannst. Ich antwortete dir: Wenn du dein Herz öffnest, bring zuerst das zur Sprache, wovon du nicht möchtest, dass es bekannt wird. Auf diese Weise wird der Teufel jedesmal besiegt.

Öffne die Tore deiner Seele sperrangelweit, sei ganz klar und einfach, damit die Sonne der Liebe Gottes sie bis in den letzten Winkel hinein erleuchten kann.

Wenn der »stumme Teufel«, von dem das Evangelium spricht, in die Seele eindringt, dann verdirbt er alles. Treiben wir ihn aber sofort aus, so wird alles gut; wir gehen froh unseres Weges und kommen voran.

Fester Vorsatz für deine geistliche Aussprache: schonungslose Aufrichtigkeit – mit Takt und prompt.

Wisse die Hilfe deines geistlichen Leiters zu schätzen, suche sie! In der vertraulichen Aussprache mit ihm enthülle dein Herz ganz – auch dann, wenn es voller Fäulnis ist! –, aufrichtig und mit dem Wunsch, geheilt zu werden. Sonst wird die Fäulnis niemals verschwinden.

Wenn du dich an jemanden wendest, der deine Wunden nur oberflächlich versorgen kann, dann bist du feige! Im Grunde willst du die Wahrheit geheimhalten und schadest dir damit selbst.

Hab niemals Angst, die Wahrheit zu sagen, aber vergiss nicht, dass es manchmal besser ist, aus Nächstenliebe zu schweigen. Doch niemals darfst du schweigen aus Nachlässigkeit, Bequemlichkeit oder Feigheit.

Die Welt lebt von der Lüge. Und doch kam die Wahrheit schon vor zwanzig Jahrhunderten zu den Menschen.

Man muss die Wahrheit sagen! Dafür müssen wir als Kinder Gottes eintreten. Wenn die Menschen sich daran gewöhnen, die Wahrheit zu verkünden und sie zu hören, wird es auf unserer Erde mehr Verständnis geben.

Nachgiebigkeit in Fragen der Glaubenswahrheiten wäre falschverstandene Nächstenliebe, eine Schlinge des Teufels, verlogene Nächstenliebe. »Fortes in fide«, stark und fest im Glauben – mahnt der Apostel Petrus.

Das hat nichts mit Fanatismus zu tun, sondern heißt ganz schlicht, den Glauben zu leben. Darin liegt keine Lieblosigkeit gegenüber anderen Menschen. In allem Unwesentlichen geben wir nach, aber ein achselzuckender Kompromiss hinsichtlich des Glaubens selbst ist unmöglich. Wir dürfen das Öl unserer Lampen nicht weggeben, denn sonst findet der Bräutigam, wenn er kommt, die Lampen erloschen.

Demut und Gehorsam sind unerlässliche Voraussetzungen, um die Lehre Christi aufzunehmen.

Das Wort des Papstes sollst du mit frommer, demütiger und zur Tat bereiter innerer Zustimmung aufnehmen. Und es dann auch weitergeben!

Liebe und verehre den Heiligen Vater, bete und bringe Opfer für ihn – jeden Tag mit größerer Liebe! Er ist das Felsenfundament der Kirche. In ihm dauert der Dienst der Heiligung und der Leitung der Kirche, den Jesus dem Apostel Petrus anvertraute, durch die Jahrhunderte bis zum Ende der Zeiten fort.

Größte Wertschätzung und Liebe, tiefe Verehrung, ergebenen Gehorsam und herzliche Anteilnahme sollst du dem Papst, dem Stellvertreter Christi auf Erden, entgegenbringen.

Wir Katholiken müssen bedenken: Nach Gott und nach der heiligen Maria, unserer Mutter, folgt in der Rangordnung der Liebe und Autorität der Heilige Vater.

Betrachte täglich im Gebet die schwere Last, die der Papst und die Bischöfe auf ihren Schultern tragen. Das wird dir ein Ansporn sein, sie zu ehren, in echter Anteilnahme zu lieben und mit deinem Gebet zu unterstützen.

Lass deine Liebe zur Gottesmutter lebendiger, übernatürlicher werden!

Suche sie nicht nur auf, um zu bitten, sondern auch, um ihr etwas zu schenken, nämlich deine Warmherzigkeit, deine Liebe zu ihrem göttlichen Sohn und den Vorsatz, diese deine Liebe im Dienst an deinen Mitmenschen – die ja auch ihre Kinder sind – zu bewähren.

Jesus ist unser Vorbild – ahmen wir Ihn nach!

Ahmen wir Ihn nach, indem wir der heiligen Kirche und allen Menschen dienen.

Wenn du über das Geschehen der Menschwerdung nachdenkst, dann festige in deiner Seele die Bereitschaft zur konkreten, gelebten Demut. Sieh doch, wie Er sich erniedrigte, wie Er unsere armselige Natur annahm.

Auch du solltest jeden Tag mit Hilfe der Gnade bereit sein, sofort die Demütigungen anzunehmen – zu bejahen –, die Gott dir schickt.

Lebe dein christliches Leben natürlich und unbefangen. Ich kann es nicht eindringlich genug wiederholen! Deine Lebensweise soll Christus wie in einem guten Spiegel sichtbar werden lassen, unverzerrt, nicht als Karikatur. Bist du selbst ein solch normaler, guter Spiegel, dann werden die anderen in dir das Leben Christi klar erkennen.

Wenn du innerlich leer bist, wenn du nur auf deine eigene Bequemlichkeit bedacht bist, wenn du meinst, alle anderen Menschen und überhaupt die ganze Welt müssten um dich kreisen – dann hast du kein Recht, dich Christ zu nennen und dich für einen Jünger Christi zu halten; denn Er hat uns eindeutig den Maßstab seiner Forderungen angegeben: nämlich für jeden einzelnen Menschen »et animam suam«, das ganze Leben hinzugeben.

Die »Demut des Verstandes« sollte für dich ein ganz selbstverständlicher Grundsatz sein.

Denke einmal in Ruhe darüber nach … Ist es nicht unbegreiflich, wie so mancher dem »intellektuellen Hochmut« verfallen ist? Ein heiliger Kirchenlehrer sagte treffend dazu: »Es ist eine abstoßende Verirrung, wenn der Mensch, der Gott selbst Kind werden sieht, sich auf dieser Erde groß aufspielen will.«

Wer auch immer in deine Nähe kommt – lass die Chance nicht vorübergehen, ihn unbefangen mit deiner Freude anzustecken … mit der Lebensfreude der Kinder Gottes!

Groß und schön ist die Sendung, die der göttliche Meister uns anvertraut hat: zu dienen! Diese Bereitschaft zu dienen verleiht dem Menschen eine innere Würde und entspricht genau der Liebe zur Freiheit, welche die Arbeit eines Christen prägen muss!

Keinem Menschen darfst du deine Barmherzigkeit vorenthalten. Scheint es dir einmal so, dass einer sie nicht verdient, dann bedenke, dass auch du nichts »verdienst«.

Ganz ohne dein »Verdienst« bist du erschaffen worden, bist du Christ, Kind Gottes, Angehöriger deiner Familie …

Vernachlässige nicht die Übung der brüderlichen Zurechtweisung, ein klarer Erweis der übernatürlichen Tugend der Nächstenliebe. Sie fällt schwer; ihr aus dem Wege zu gehen, mag bequem sein – sehr bequem sogar –, aber es verrät Mangel an übernatürlicher Zuwendung.

Für solche Unterlassungen wirst du Gott Rechenschaft ablegen müssen.

Musst du jemandem eine brüderliche Zurechtweisung erteilen, dann mit Fingerspitzengefühl – mit Nächstenliebe –, was Form wie Inhalt angeht; denn in diesem Augenblick bist du ein Werkzeug Gottes.

Wenn ihr es wirklich versteht, einander zu lieben und in einer warmherzigen Verbundenheit zu leben – die letztlich in der zartfühlenden Liebe Christi wurzelt –, dann werdet ihr euch gegenseitig stützen. Und einer, der gerade stolpern will, wird sich von dieser spürbaren festen Brüderlichkeit getragen und angespornt fühlen, Gott treu zu bleiben.

Stärke in dir den Willen zur Opferbereitschaft in den kleinen Dingen der Nächstenliebe, um allen Menschen den Weg der Heiligkeit mitten in der Welt liebenswert zu machen. Ein Lächeln kann manchmal der deutlichste Ausdruck für den Geist der Buße sein.

Sei jeden Tag von Herzen bereit, dir freudig und unauffällig das Leben ein wenig »sauer« zu machen, um den anderen zu dienen und ihnen das Leben angenehm zu machen.

Das ist die Art wahrer Liebe Christi.

Sei immer bestrebt, dass da, wo du bist, die gute Laune, die echte Freude herrschen, die Frucht des inneren Lebens sind.

Achte stets darauf – es kann eine hervorragende Übung der Selbstzucht sein! –, dass deine Unterhaltungen nicht um dich kreisen.

Hier hast du einen Rat für deine Gewissenserforschung!

Habe ich heute im Geist der Sühne die Widrigkeiten angenommen, die Gott für mich bestimmt hatte? Auch die, deren Grund in der Eigenart meiner Mitmenschen lag? Und die, die von meiner eigenen Armseligkeit herrühren?

Habe ich dem Herrn den Schmerz über die Beleidigungen, die ich Ihm – so oft! – zufügte, als Sühne aufgeopfert? Habe ich Ihm meine innere Beschämung und Demütigung aufgeopfert, die ich darüber empfinde, dass ich auf dem Weg des wirklichen Christseins nur so langsam vorankomme?

Wiederkehrende, regelmäßige Abtötungen – ja! Aber sei nicht »manisch« auf sie fixiert.

Sie brauchen nicht immer gleich zu sein! Das eigentlich Regelmäßige und immer Wiederkehrende, das Gewohnte – jedoch ohne Gewöhnung – soll der Wille zur Abtötung sein.

Es drängt dich, in die Fußstapfen Jesu zu treten, Ihn »als Gewand anzulegen«, Ihm gleichförmig zu werden … Lass also deinen Glauben tätig und bereit zum Opfer und zum Dienst sein. Und schiebe alles beiseite, was dich daran hindert.

Heiligkeit hat etwas von der Geschmeidigkeit entspannter Muskeln. Wer heilig werden will, versteht es, unverkrampft zu sein! Während er etwas, das ihn Anstrengung oder Opfer kostet, tut, unterlässt er froh und dankbar etwas anderes, das ihm ebenfalls schwerfällt – vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um eine Beleidigung Gottes. Würden wir Christen uns anders verhalten, liefen wir Gefahr, und leblos wie Puppen zu werden.

Heiligkeit ist nicht starr wie Karton – sie vermag zu lächeln, ist biegsam und kann warten. Sie ist Leben – übernatürliches Leben.

Verlass mich nicht, Mutter! Gib, dass ich deinen Sohn suche; dass ich deinen Sohn finde; dass ich deinen Sohn liebe – aus ganzer Seele!

Gedenke meiner, Mutter Maria, gedenke meiner!

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