Du kannst!

Ich möchte dich vor einer Gefahr warnen, die gelegentlich auftreten kann: die Versuchung zu ermüden, mutlos zu werden.

Hast du nicht immer noch frisch in Erinnerung, wie fade, ziellos, ohne Charme dein Leben war? Und wie das Licht Gottes und deine Hingabe es in Gang gebracht und mit Glück erfüllt haben?

Sei nicht so töricht, das frühere gegen das jetzige tauschen zu wollen!

Wenn du merkst, dass du – aus welchen Gründen auch immer – verzagst, dann sage es Ihm, überlasse dich Ihm: Herr, ich vertraue auf Dich, ich gebe mich Dir ganz hin, hilf Du mir in meiner Kraftlosigkeit!

Sage Ihm auch, voll Vertrauen: Sieh mich an, Jesus. Ich bin vor Dir wie ein schmutziger Lappen. Es ist schrecklich, wie ich gelebt habe. Ich verdiene nicht, Dein Sohn zu sein … Sage Ihm das, sag es Ihm immer wieder.

Bald wirst du seine Stimme vernehmen: »Ne timeas!« – Fürchte dich nicht! Oder auch: »Surge et ambula!« – Steh auf und geh deinen Weg weiter!

Noch unschlüssig sagtest du mir: Wie deutlich spürt man doch diese Zeiten, da der Herr mich um mehr bittet!

Ich konnte dir nur ins Gedächtnis rufen: Du hattest mir versichert, dein einziges Streben sei, Ihm gleichförmig zu werden. Warum wehrst du dich jetzt dagegen?

Möge es dir doch gelingen, den Vorsatz, den du gefasst hast, auch zu erfüllen: »Ich will mein Ich jeden Tag ein bisschen mehr sterben lassen!«

Die Freude und ein ebenso übernatürlicher wie menschlicher Optimismus sind mit physischer Ermüdung, mit Schmerz und Tränen – wir haben ja ein Herz – und mit den Schwierigkeiten in unserem inneren Leben oder im Apostolat vereinbar.

Er, »perfectus Deus, perfectus Homo« – vollkommener Gott, vollkommener Mensch –, trug in sich die ganze Seligkeit des Himmels und hat doch Erschöpfung und Müdigkeit, Weinen und Leiden erfahren wollen … damit wir verstehen, dass man, um ganz auf Gott ausgerichtet zu sein, ganz und gar menschlich sein muss.

Jesus bittet dich um Gebet. Das spürst du deutlich.

Und doch, wie wenig entsprichst du dem! Alles fällt dir schwer! Du bist wie ein Kind, das sich träge gegen die ersten Gehversuche sträubt. Aber bei dir ist es nicht nur Trägheit, sondern auch Angst und Mangel an Großzügigkeit.

Wiederhole oft: Jesus, falls mir einmal Zweifel kommen sollten, ob ich Deinem Bitten oder anderen an sich sinnvollen Plänen folgen soll, so sage ich Dir schon jetzt, dass ich Deinen Weg wählen werde, koste es, was es wolle! Verlass mich nicht!

Suche das Einssein mit Gott und sei voller Hoffnung – eine Tugend, die Sicherheit verleiht –, denn Jesus wird dir mit dem Lichtglanz seiner Barmherzigkeit auch die finsterste Nacht erhellen.

Dies war dein Gebet: »Meine Erbärmlichkeiten bedrücken mich, aber sie erdrücken mich nicht, denn ich bin Kind Gottes. Sühnen … Lieben …« Und dann sagtest du noch: »Ich will mir meine Schwachheit zunutze machen wie der heilige Paulus, denn ich weiß, dass der Herr die, die auf Ihn vertrauen, nicht verlässt.«

Ich habe dich darin bestärkt. Mit der Gnade Gottes vermagst du alles. Du wirst dein Elend und deine Schwächen überwinden.

Jeder Augenblick ist dazu geeignet, einen wirksamen Vorsatz zu fassen, zu sagen: Ich glaube, ich hoffe, ich liebe.

Lerne den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist zu preisen. Lerne die Heiligste Dreifaltigkeit glühend zu verehren: Ich glaube an Gott, den Vater, ich glaube an Gott, den Sohn, ich glaube an Gott, den Heiligen Geist. Ich hoffe auf Gott, den Vater, ich hoffe auf Gott, den Sohn, ich hoffe auf Gott, den Heiligen Geist. Ich liebe Gott, den Vater, ich liebe Gott, den Sohn, ich liebe Gott, den Heiligen Geist. Ich glaube an die Heiligste Dreifaltigkeit, ich hoffe auf sie, ich liebe sie.

Eine solche Verehrung ist notwendig als Übung der Seele und setzt sich um in Regungen des Herzens – auch wenn diese sich nicht immer in Worten ausdrücken.

Das System, die Methode, das Verfahren, die einzige Art und Weise, wie wir ein Leben, reich an übernatürlichen Früchten, haben können, besteht darin, dem Rat des Heiligen Geistes zu folgen, wie er durch die Apostelgeschichte zu uns gelangt ist: »Omnes erant perseverantes unanimiter in oratione« – sie alle verharrten einmütig im Gebet.

Ohne Gebet bleibt alles vergeblich!

Das Herz meines Herrn Jesus ist empfindsamer als die Herzen aller guten Menschen zusammen. Wenn ein guter Mensch – ein halbwegs guter – erfährt, dass jemand ihn einfach um seiner selbst willen liebt, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten, nur mit dem Wunsch, dass man diese Liebe annehmen möge, auch wenn nur von weitem … dann wird er nicht zögern, eine solche Liebe zu erwidern.

Und wenn der Geliebte so mächtig ist, dass er alles vermag, dann bin ich sicher, er wird sich der treuen Liebe jenes Geschöpfes nicht nur nicht widersetzen – dessen arme, liebende Seele voller Erbärmlichkeiten ist –, sondern den Liebenden auch noch mit der übermenschlichen Schönheit, Weisheit und Kraft ausstatten, die nötig sind, damit der Blick Jesu durch den Anblick dieses armen, anbetenden Herzens nicht betrübt wird.

Du, Kind, liebe Ihn! Liebe und hoffe auf Ihn.

Wenn du unter Opfern Liebe aussäst, wirst du auch Liebe ernten.

Kind – entflammt dich nicht der mächtige Wunsch zu erreichen, dass alle Ihn lieben?

Jesus als Kind, Jesus als Jugendlicher … Mich beglückt es, Herr, Dich so zu sehen, denn … ich fühle, wie ich Mut fasse. Mich beglückt es, Dich als kleines, wehrloses Kind zu sehen … So gibst Du mir das frohe Empfinden, dass Du mich brauchst.

Immer, wenn ich die Kapelle betrete, sage ich dem Herrn – und ich fühle mich dabei wieder ganz als Kind –, dass ich Ihn mehr liebe, als irgendwer sonst auf Erden.

Wie wunderbar wirkt sich die heilige Eucharistie im Denken, Fühlen und Handeln derer aus, die sie oft – und fromm – empfangen!

Die Leute gerieten in Begeisterung und jubelten Dir zu wegen ein bisschen Brot … Ja, die Brotvermehrung war ein großes Wunder – aber wie müssten wir dann erst reagieren angesichts so vieler Gaben, die Du uns gewährt hast, und vor allem, weil Du Dich uns rückhaltlos hingibst in der Eucharistie?

Gutes Kind! Hier auf Erden küssen Liebende, was vom Geliebten kommt: Blumen, einen Brief, ein Andenken …

Und du … wirst du jemals vergessen können, dass du Ihn – Jesus! – immerfort bei dir hast? Wirst du vergessen … dass Er sich dir als Speise schenkt?

Besuche oft, und sei es auch nur für ganz kurze Zeit, den Tabernakel, um Jesus zu sagen: Ich werfe mich in Deine Arme!

Lass zu seinen Füßen, was dir zu Eigen ist – deine Armseligkeit!

So wirst du, trotz des verwirrenden und lärmenden Getriebes um dich herum, nie den Frieden verlieren.

Bete mit Zuversicht die Worte des Psalms: »Herr, Du bist mir Zuflucht und Stärke, auf Dich verlasse ich mich!«

Ich versichere dir: Er wird dich in der Stunde der Versuchung und bei deinen Niederlagen vor der »Seuche, die wütet am Mittag« bewahren – gerade jetzt, wo dein Alter sich in ausgereiften Tugenden zeigen sollte, wo du längst verinnerlicht haben solltest, dass Er allein deine Stärke ist.

Meinst du, es ist jemand im alltäglichen Leben für einen widerwillig geleisteten Dienst dankbar? Natürlich nicht! Man könnte sogar zu dem Schluss kommen: Es wäre besser, er hätte ihn bleiben lassen …

Und du denkst, du könntest Gott mit einem missgelaunten Gesicht dienen? Nein!

Du sollst Ihm mit Freude dienen trotz deiner Erbärmlichkeiten; mit der Hilfe Gottes werden wir sie schon überwinden.

Dich bedrängen Zweifel und Versuchungen, die in vornehmem Gewande daherkommen.

Es macht mir Freude, dir zuzuhören; man spürt, dass der Teufel dich als seinen Feind betrachtet und dass die Gnade Gottes dich nicht allein lässt. Mach weiter so …!

Die meisten Menschen, die persönliche Probleme haben, haben sie wie einen egoistischen Besitz: Sie kreisen nur um sich selbst.

Alles scheint ruhig. Doch der Feind Gottes schläft nicht! …

Aber auch das Herz Jesu wacht! Das ist meine Hoffnung.

Heiligkeit besteht im Kampf, im Wissen, dass wir Fehler haben, und im heroischen Bemühen, sie zu überwinden.

Noch einmal! Um Heiligkeit ringen heißt, diese Fehler zu überwinden trachten. Allerdings, Fehler werden wir auch noch haben, wenn wir einmal sterben. Erschiene uns das anders – ich sagte es dir schon –, so wären wir schlicht und einfach hochmütig.

Danke, Herr, weil Du die Versuchung zulässt und uns dabei das Licht und die Kraft Deiner Gnade schenkst, damit wir siegen können! Danke, Herr, für die Versuchungen, die Du zulässt, damit wir demütig sind!

Verlass mich nicht, mein Gott! Siehst Du nicht, dass Dein armes Kind sonst in einen tiefen Abgrund stürzen würde?

Maria, meine Mutter! Auch dein Kind bin ich ja …

Ohne die Hilfe Gottes ist es unmöglich, ein reines Leben zu führen. Gott will unsere Demut. Er will, dass wir durch Maria – unsere und seine Mutter – Ihn um Hilfe bitten.

Sag der Mutter Gottes, jetzt gleich, in der Einsamkeit deines Herzens, die du mit ihr teilst, in einem Zwiegespräch ohne Worte: Meine Mutter, mein armes Herz begehrt manchmal auf … Aber wenn du mir hilfst …

Sie wird dir beistehen, damit du dein Herz rein bewahrst und den Weg weitergehst, auf den Gott dich gerufen hat. Maria wird es dir immer leicht machen, den göttlichen Willen zu erfüllen.

Wenn du die heilige Reinheit, die Sauberkeit deines Lebens wahren willst, dann musst du jeden Tag gern bereit sein, Abtötungen auf dich zu nehmen.

Wenn du spürst, dass das arme Fleisch sich aufbäumt – und dies kann heftig und schmerzhaft sein! –, dann küsse das Kruzifix! Küsse es immer wieder und mit entschlossenem Willen – selbst wenn dir scheint, du tätest es bar jeder Liebe.

Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die der arme Blinde im Evangelium zu Ihm sprach: »Domine, ut videam!« – Herr, ich möchte wieder sehen können! Lass mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein!

Mein Gott, wie leicht fällt doch die Beharrlichkeit, wenn wir erkannt haben, dass Du der Gute Hirte bist und wir – du und ich – Schafe Deiner Herde!

Denn wir wissen genau, der Gute Hirte gibt sein Leben für jedes einzelne seiner Schafe!

Heute hast du in deinem Gebet den Vorsatz erneuert, mit Jesus eins werden zu wollen. Und wie gut verstehe ich, was du hinzugesetzt hast: Ich weiß, ich werde das Ziel erreichen. Nicht weil ich meiner sicher wäre, Herr, sondern … weil ich Deiner sicher bin!

Du allein, ohne die Gnade, kannst nichts von Sinn und Wert zustande bringen, denn du hättest alle Beziehungen zu Gott abgebrochen.

Doch mit der Gnade vermagst du alles.

Möchtest du nicht von Christus lernen und sein Leben Dir zum Vorbild nehmen?

Schlage das Evangelium auf und vernimm, wie Gott mit den Menschen spricht – mit dir!

Jesus weiß, was not tut … und ich liebe seinen Willen, jetzt und immer. Er hält die Fäden in der Hand. Er wird mir geben, worum ich Ihn bitte, wenn dies wirklich unserem Ziele dient. Auch Menschen ohne Gott, die dies unbedingt vereiteln wollen, werden dagegen nichts ausrichten.

An der Demut erkennt man den echten Glauben.

»Dicebat enim intra se« – jene arme Frau sagte sich: »si tetigero tantum vestimentum eius, salva ero« – wenn ich auch nur den Saum seines Gewandes berühre, werde ich geheilt.

Wie groß war ihre Demut, Frucht und Zeichen ihres Glaubens!

Wenn Gott dir eine Last auferlegt, gibt Er dir dazu auch die Kraft.

Rufe in deiner Gewissenserforschung den Heiligen Geist zu Hilfe, damit du Gott tiefer erkennst, damit du dich selbst unverfälscht siehst und dich so jeden Tag von neuem bekehren kannst!

Geistliche Leitung. Widersetze dich nicht, wenn man dich mit Gespür für das Wirken Gottes und mit heiliger Unbefangenheit auf Herz und Nieren prüft, um klarer zu erkennen, wie du Gott mehr verherrlichen kannst – und ob du bereit dazu bist.

»Quo modo fiet istud quoniam virum non cognosco?« – Wie soll etwas so Wunderbares geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Aus dieser Frage Mariens an den Engel spricht ihr aufrichtiges Herz.

Ein Blick auf Unsere Liebe Frau bestätigt mir den ehernen Grundsatz: wenn wir inneren Frieden haben und in Frieden leben wollen, müssen wir zutiefst aufrichtig sein – gegenüber Gott, gegenüber unserem Seelenführer und uns selbst gegenüber.

Das unverständige Kind heult und stampft mit den Füßen, wenn die Mutter ganz zart mit einer Nadel in seinen Finger sticht, um einen Splitter herauszuziehen … Das verständige Kind mag die Augen voller Tränen haben – das Fleisch ist schwach –, aber es schaut dankbar auf die gute Mutter, die ihm ein wenig Schmerz zufügt, damit ihm größere Leiden erspart bleiben.

Jesus, ich möchte ein verständiges Kind sein …

Kind, armes Eselchen … Liebevoll hat der Herr dein schmutziges Rückenfell gesäubert und wieder glänzend gemacht, kostbares Zaumzeug angelegt und dein Geschirr mit funkelnden Juwelen geschmückt. Vergiss aber nicht, du armes Eselchen, du kannst zwar aus eigener Widerborstigkeit die kostbare Last auf den Boden werfen … doch allein kannst du sie nicht von neuem auf deinen Rücken laden.

Ruhe aus in der Gotteskindschaft! Gott ist Vater – dein Vater! Zart und unerschöpflich ist seine Liebe.

Nenne Ihn oft Vater und sage Ihm unter vier Augen, dass du Ihn liebst, sehr, sehr liebst! Sage Ihm, dass du zutiefst die Ehre empfindest, sein Sohn, seine Tochter zu sein, und dass du daraus deine ganze Kraft schöpfst.

Die Freude folgt notwendig aus der Gotteskindschaft, dem Wissen darum, dass Gott, unser Vater, uns ganz besonders liebt, uns annimmt, uns hilft, uns vergibt.

Denke immer wieder daran! Manchmal mag es scheinen, als stürze alles zusammen … aber nichts stürzt zusammen, denn Gott verliert keine Schlachten.

Der höchste Erweis unserer Dankbarkeit Gott gegenüber besteht darin, leidenschaftlich zu lieben, dass wir Kinder Gottes sind!

Du fühlst dich wie der Habenichts, der plötzlich erfährt, dass er ein Sohn des Königs ist! – Deshalb liegt dir hier auf Erden nur mehr an der Ehre – der uneingeschränkten Ehre! – Gottes, deines Vaters.

Mein Kind, mein Freund, sage Ihm: Jesus, da ich weiß, dass ich Dich liebe und dass Du mich liebst, mache ich mir um nichts mehr Sorgen! Es ist alles gut.

Ich habe Unsere Liebe Frau um viele Dinge gebeten, sagtest du mir. Aber dann korrigiertest du dich: Falsch! Ich habe Unserer Lieben Frau viele Dinge erzählt …

»Alles vermag ich durch Ihn, der mir Kraft gibt.« Mit Ihm ist Scheitern unmöglich. Aus diesem Wissen erwächst eine Art »Überlegenheitskomplex«, etwas sehr Heiliges, so dass wir unsere Aufgaben mit Siegeszuversicht angehen, weil Gott uns seine Kraft schenkt.

Vor seiner Staffelei, erfüllt vom Drang, seine Kunst bis zur höchsten Ausdrucksmöglichkeit zu steigern, rief der Maler aus: Herr, ich will Dir achtunddreißig Herzen malen, achtunddreißig Engel, die sich immerfort in Liebe zu Dir verzehren, achtunddreißig Wunder, die an Deinem Himmel erstrahlen, achtunddreißig Sonnen auf Deinem Königsmantel, achtunddreißig Feuerflammen, achtunddreißig Symbole der Liebe, achtunddreißig Verrücktheiten, achtunddreißig Wonnen …

Dann gab er demütig zu: das ist mein Wunsch und meine Phantasie … In Wirklichkeit sind es achtunddreißig nur sehr mäßig gelungene Darstellungen, kein hinreißender Anblick, eher eine Zumutung für den Betrachter …

Es wäre vermessen zu verlangen, dass die Engel uns gehorchen … Wohl aber haben wir die absolute Gewissheit, dass sie uns immer hören.

Lass dich von Gott leiten. Er wird dich auf »seinem Weg« führen. Er wird dabei zahllose Widrigkeiten benutzen … und sich vielleicht sogar deiner Faulenzerei bedienen, damit man sieht, dass Er es ist, der dein Tun bewirkt.

Bitte, dränge, ohne Angst! Erinnere dich an den Bericht des Evangeliums über die wunderbare Brotvermehrung. Bedenke, wie freigebig der Herr auf die Not der Apostel eingeht: Wie viele Brote habt ihr? Fünf? … Und was möchtet ihr? … Der Herr gibt ihnen sechs, hundert, tausende … Warum?

Weil Christus unsere Not im Lichte seiner göttlichen Weisheit sieht. Seine Allmacht kann und wird alle unsere Wünsche übertreffen.

Der Herr sieht weiter als wir mit unserer simplen Logik … und Er ist unendlich großzügig.

Wer für Gott arbeitet, muss eine Art »Überlegenheitskomplex« haben, sagte ich dir.

Du fragtest mich: Ist das nicht ein Zeichen des Hochmuts? – Nein! Es ist eine Folge der Demut, einer Demut, die mich sagen lässt: Du, Herr, bist der, der Du bist. Ich bin das Nichts. In Dir sind alle Vollkommenheiten – die Macht, die Stärke, die Liebe, die Herrlichkeit, die Weisheit, die Herrschaft, die Majestät … Wie das Kind in die starken Arme seines Vaters läuft oder sich auf dem Schoß seiner Mutter geborgen weiß, so kann ich ganz nahe bei Dir sein. Dann erfahre ich die Glut Deiner Gottheit, das Leuchten Deiner Weisheit und Deine Stärke, die mich belebt.

Wenn du in der Gegenwart Gottes lebst, wird dir über den schwarzen Gewitterwänden stets das Licht der Sonne leuchten, und unter der tosenden, zerstörenden Brandung wird in deiner Seele heitere Stille herrschen.

Für ein Kind Gottes ist jeder einzelne Tag eine Gelegenheit, sich zu erneuern; dabei wird es von der Gewissheit getragen, dass es – mit Hilfe der Gnade – bis zum Ende des Weges, bis zur Liebe selbst gelangen wird.

Es ist also gut, wenn du beginnst und immer wieder neu beginnst. Wenn du entschlossen bist zu siegen und mit der Hilfe Gottes kämpfst, wirst du auch siegen. Es gibt keine Schwierigkeit, die du nicht überwinden könntest!

Eile nach Bethlehem, nähere dich dem Kind, tanze vor Ihm, sage Ihm Worte der Liebe, drücke es an dein Herz …

Ich rede nicht von Kindereien: Ich spreche von Liebe, die Liebe wird im Tun sichtbar. Im Innersten deiner Seele kannst du das Kind umarmen!

Zeigen wir Jesus, dass wir Kinder sind! Wie viel Mühe kostet es ein Kind – ein wirkliches, kleines Kind –, bis es sich eine Treppenstufe höher hinaufgearbeitet hat! Da steht es nun, in scheinbar vergeblicher Mühe. Eine Stufe hat es schon geschafft. Dann, mit Händen und Füßen, mit der Anstrengung des ganzen Körpers wieder eine – ein neuer Triumph! Aber der Kampf beginnt von neuem. Wie anstrengend! Nur noch wenige Stufen bis oben … aber dann … ein Fehltritt … und wieder ganz unten! Mit blauen Flecken, die Augen voll Tränen macht sich das arme Kind abermals an den Aufstieg.

So ist es mit uns, Jesus, wenn wir auf uns allein angewiesen sind. Nimm Du uns in Deine liebenden Arme als der große, gute Freund der echten Kinder. Hilf uns, bis wir ganz oben angekommen sind. Und dann … ja, dann wird es uns gelingen, auf Deine barmherzige Liebe zu antworten. In kindlicher Verwegenheit werde ich Dir, Herr, sagen, dass – Maria und Josef ausgenommen – kein Sterblicher – auch nicht die, die große »Toren« aus Liebe gewesen sind – Dich so geliebt hat und Dich so lieben wird, wie ich Dich liebe!

Mach dir nichts daraus, wenn du – so habe ich dir gesagt – kleinen kindlichen Einfällen folgst. Solange sie nicht der Routine entspringen, sind sie fruchtbar.

Ein Beispiel: Nehmen wir einmal an, jemand, der den Weg der geistlichen Kindschaft geht, käme auf die Idee, abends vor dem Schlafengehen eine Holzstatue Unserer Lieben Frau gut zuzudecken.

Der Verstand rebelliert gegen eine Handlung, die ihm deutlich als sinnlos erscheint. Aber die kleine Seele, die den Anhauch der Gnade gespürt hat, sieht ebenso deutlich, ein Kind würde aus Liebe so handeln.

So erhebt sich der starke Wille, den alle besitzen, die »klein im Geiste« sind, und zwingt den Verstand zum Rückzug … Wenn die kindliche Seele weiterhin jeden Abend die holzgeschnitzte Madonna zudeckt, tut sie mit diesem kleinen, kindlichen Einfall täglich etwas, das vor Gott fruchtbar ist.

Wenn du ein echtes Kind bist und wenn du – falls Gott es für dich so will – die Wege der geistlichen Kindschaft gehst, wirst du unbesiegbar sein.

Zuversichtliche Bitte eines kleinen Kindes: Ich möchte eine Reue haben, Herr, wie sie die empfanden, die Dir am meisten gefallen haben.

Kind, du verlierst dein Kindsein, sobald irgend jemand oder irgend etwas zwischen Gott und dich tritt.

Ich will Jesus um nichts bitten. Ich will Ihm nur in allem gefallen und von meinen Dingen erzählen, als ob sie Ihm unbekannt wären, wie ein kleines Kind bei seinem Vater.

Kind, sag zu Jesus: Ich gebe mich mit nichts und niemand Geringerem zufrieden als mit Dir.

In deinem Gebet der geistlichen Kindschaft trägst du deinem Herrn regelrechte »Kindereien« vor. Vertrauensselig wie ein Kind im Gespräch mit dem großen Freund, dessen Liebe es sicher ist, sprichst du dich aus: Ich möchte nur für Deine Ehre leben!

Du blickst zurück und erkennst in aller Schlichtheit an, dass du nichts Rechtes zustande bringst. Und du fügst hinzu: Aber das kann Dich ja nicht verwundern, mein Jesus, es ist eben unmöglich, dass mir überhaupt etwas gelingt. Hilf Du mir, tu Du es an meiner Stelle, dann wirst Du sehen, wie gut alles wird.

Und verwegen, doch ohne dich von der Wahrheit zu entfernen, fährst du fort: Durchtränke mich, lass mich von Deinem Geiste trunken werden, so werde ich Deinen Willen erfüllen. Das wünsche ich mir. Wenn ich es nicht tue … liegt es daran, dass Du mir nicht hilfst. Aber Du hilfst mir ja!

Du musst die dringende Notwendigkeit empfinden, dich klein, mittellos und schwach zu sehen. Dann wirst du dich in den Schoß unserer himmlischen Mutter flüchten … mit Stoßgebeten, Blicken voller Liebe, marianischen Frömmigkeitsübungen … Das alles gehört zum Wesen der geistlichen Kindschaft.

Unsere Liebe Frau wird dich beschützen.

Was auch immer geschehen mag, harre auf deinem Weg aus! Harre aus in Freude und Zuversicht, denn der Herr sorgt dafür, dass die Hindernisse beseitigt werden.

Hör gut zu: Ich bin sicher, dass du heilig wirst, wenn du nur kämpfst.

Die ersten Apostel standen neben dem alten Boot und flickten die zerrissenen Netze. Da rief sie der Herr. Er sagte ihnen, sie sollten Ihm folgen. Und sie folgten Ihm »statim«, sofort und »relictis omnibus«, indem sie alles verließen … Alles!

Gelegentlich kommt es vor, dass wir – die wir sie nachahmen möchten – nicht wirklich »alles« verlassen; da bleibt noch eine Anhänglichkeit im Herzen, eine Unstimmigkeit im Leben – etwas, das wir nicht beseitigen, das wir Gott nicht darbringen wollen.

Solltest du nicht dein Herz bis zur letzten Tiefe prüfen? Nichts Ihm Fremdes darf dort bleiben; sonst lieben wir Ihn nicht ganz – weder du noch ich.

Trage aufrichtig und beständig dein Streben nach Heiligkeit und nach Apostolat vor Gott hin. Dann wird das armselige Gefäß – deine Seele – nicht zerbrechen; oder wenn es zerbricht, wird man es neu und noch schöner zusammensetzen, und es wird deiner Heiligkeit und dem Apostolat weiterhin dienen.

Dein Gebet soll das Gebet eines Kindes Gottes, nicht das eines Heuchlers sein. An die Heuchler richtet Jesus sein Wort: »Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich eingehen.«

Dein Gebet, dein Ruf »Herr! Herr!«, wird sich im Verlauf des Tages in tausend Formen äußern und mit dem Wunsch und dem tätigen Willen zusammengehen, den Willen Gottes zu tun.

Kind, sage Ihm: Jesus, ich will nicht, dass der Teufel sich der Seelen bemächtigt!

Wenn du, von der Liebe Gottes gerufen, zu seiner Nachfolge auserwählt worden bist, hast du die Pflicht, darauf zu antworten … Und du hast ebenso die nicht minder wichtige Pflicht, deinen Menschenbrüdern zu helfen, dass auch sie sich auf den Weg zur Heiligkeit machen.

Nur Mut! … Auch dann, wenn der Weg steil wird. Freut es dich denn nicht, dass die Treue gegenüber deinen Verpflichtungen als Christ zu einem guten Teil von dir abhängt?

Sei froh darüber und erneuere in Freiheit deinen Entschluss: Ja, Herr, ich will, rechne mit mir, auch wenn ich nichts bin!

Gott reißt dich nicht aus deinem Lebensumfeld heraus, Er nimmt dich nicht aus der Welt, nicht aus deinem Stand, nicht aus deinen guten menschlichen Bestrebungen und Plänen, nicht aus deiner beruflichen Arbeit … genau dort sollst du heiligmäßig leben.

Den Kopf zum Boden geneigt und in Gottes Gegenwart bedenke (denn so ist es wirklich): Du bist noch schmutziger und noch weniger wert als der Staub, den man mit dem Besen zusammenkehrt.

Und trotz allem hat der Herr dich auserwählt.

Wann wirst du dich endlich entscheiden!

Viele Menschen in deiner Nähe führen aus rein irdischen Gründen ein hartes Leben. Diese armen Geschöpfe denken nicht einmal daran, dass sie Kinder Gottes sind, und so sind die Beweggründe ihres Handelns, das ihnen oft große Opfer abverlangt, manchmal nur Stolz, Geltungsbedürfnis oder Suchen nach Annehmlichkeiten.

Aber du, der du mitträgst an der liebenswerten Last der Kirche, am Wohl deiner Familienangehörigen, deiner Freunde und Berufskollegen, alles Motive, für die es sich lohnt, sich zu verausgaben: Was tust du? Nimmst du deine Verantwortung wirklich wahr?

Herr, warum hast Du gerade mich ausgesucht, mich, der ich ein Nichts bin? Gibt es doch so viele Menschen, die heilig, gelehrt, reich oder angesehen sind!

So ist es. Gerade deshalb bedanke dich bei Ihm – mit Werken und mit Liebe.

Jesus, lass in Deiner heiligen Kirche alle ihren Weg – den Weg ihrer christlichen Berufung – mit ausdauernder Treue gehen! Gib, dass sie wie die Weisen aus dem Morgenland dem Stern folgen – und die Ratschläge des Herodes missachten … sie werden ihnen nicht fehlen.

Bitten wir unseren Herrn Jesus Christus darum, dass sein Erlösungswerk in den Seelen reiche Frucht bringe: Noch mehr, immer mehr! In göttlich überströmendem Maß!

Deshalb möge Er uns zu guten Kindern seiner heiligsten Mutter werden lassen!

Das Geheimnis, glücklich zu werden? – Verschenke dich an die anderen, diene ihnen – ohne Dank zu erwarten!

Wenn dein Leben und Arbeiten auf Gott ausgerichtet ist, weil du liebst und dienst und – ohne Priester zu sein – eine priesterliche Seele hast, dann erhält all dein Tun eine übernatürliche Dimension, deine ganze Existenz wird gespeist aus der Quelle aller Gnaden!

Das unendlich weite Feld der Seelen, die auf uns warten, und die gewaltige Verantwortung für sie lassen vielleicht auch in dir – wie es mir manchmal geschieht – den Gedanken aufkommen: Und dies alles ist mir anvertraut? Mir, der ich so wenig tauge?

Schlagen wir das Evangelium auf und betrachten wir, wie Jesus den Blindgeborenen heilt: Er macht einen Teig aus Erde und Speichel. Das ist das Heilmittel, das den blinden Augen die Sehkraft zurückgibt.

Dieser Teig – das sind wir! Wir wissen um unsere Schwachheit und unsere Ohnmacht, aber mit der Gnade Gottes und mit unserem guten Willen werden wir zum Heilmittel, das sehend macht, das die anderen und uns selbst stärkt.

Jemand, der den glühenden Wunsch hatte, apostolisch zu wirken, sagte zum Herrn: Jesus, Du wirst schon wissen, was Du tust … Ich arbeite ja nicht für mich …

Wenn dein ganzes Sein ein einziges beharrliches Gebet ist, wird dir Gott, unser Herr, die erforderlichen Mittel schenken, damit deine Arbeit wirksamer wird und zur Ausbreitung seines Reiches auf Erden beiträgt.

Eines jedoch tut not – treu bleiben und bitten, intensiv bitten … Meinst du, dass es bei dir so ist?

Der Herr will seine Kinder auf allen ehrbaren Wegen dieser Erde! Überall sollen sie den Samen des gegenseitigen Verstehens, der Vergebung, des ehrlichen Miteinanders, der Liebe, des Friedens aussäen.

Was tust du dazu?

Das Werk der Erlösung vollzieht sich immer noch, jetzt in diesem Augenblick … und du bist »Miterlöser«! – Du solltest es zumindest sein!

»Christsein in der Welt« bedeutet nicht sich abkapseln. Im Gegenteil! Es bedeutet, alle Menschen zu lieben und den Drang zu verspüren, sie mit dem Feuer der Liebe Gottes zu entzünden.

Maria, Mutter Gottes und meine Mutter, nicht im entferntesten will ich, dass du aufhörst, Herrin und Königin der ganzen Schöpfung zu sein.

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