Nur diese Aphorismen anzeigen
Du fragst dich häufig, warum Menschen, die schon als Kinder das Glück hatten, den wahren Jesus ken-nenzulernen, so sehr zögern, Ihm das Beste zu geben, was sie haben, ihr Leben, ihre Familie, ihre Träume, ihre Zukunftspläne …
Überleg einmal: Du, der du »alles« auf einmal erhalten hast, du musst dem Herrn in der Tat unendlich dankbar sein, etwa so wie ein Blinder, der plötzlich das Augenlicht zurückerlangt, indes die anderen nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass sie eigentlich dankbar sein müssten, weil sie seit eh und je sehen.
Und doch … das genügt nicht: Du musst Tag für Tag den Menschen deiner Umgebung dabei helfen, sich dafür dankbar zu erweisen, dass sie Kinder Gottes sind. Andernfalls sag mir nicht, dass du selbst dankbar bist.
Denke in Ruhe darüber nach: Was man von mir erbittet, ist im Grunde sehr wenig, verglichen mit dem, was mir geschenkt wird.
Wir, die wir uns Gott überlassen haben, haben nichts verloren.
Unsere Liebe Frau, Meisterin der Hingabe ohne Grenzen. – Erinnerst du dich? Auf sie bezog sich jenes rühmende Wort Jesu Christi: »Jeder, der den Willen meines Vaters tut, ist mir Mutter!«
Bitte diese gütige Mutter, dass sie dir helfe, in deiner Seele – nach ihrem Vorbild – die Antwort der rückhaltlosen Hingabe zu festigen, die stark wie die Liebe ist und frei macht: »Ecce ancilla Domini!« – Ich bin die Magd des Herrn.
Er schien vollkommen entschlossen zu sein … Als er sich aber hinsetzte, um den Abschiedsbrief an seine Verlobte zu schreiben, wurden Zögern und Unentschiedenheit übermächtig; der Mut verließ ihn … Das sei nur menschlich und verständlich, meinten einige. Offenbar gehört für manche die irdische Liebe nicht zu den Gütern, die man um der uneingeschränkten Nachfolge Christi willen verlassen soll, wenn der Herr darum bittet.
Manche Leute benehmen sich in ihrem Leben so, als wären die Worte des Herrn über Hingabe und Rechtschaffenheit ausschließlich an die gerichtet worden, denen das keine Mühe bereitet oder die darum nicht zu kämpfen brauchen – aber die gibt es nicht!
Sie vergessen, dass Jesu Wort von den »Gewalttätigen, die das Himmelreich an sich reißen«, indem sie in jedem Augenblick einen heiligen Kampf ausfechten, für alle gilt.
Dein Stimmungsbarometer steigt und fällt. Es gibt viel – zuviel! – Auf und Ab bei dir.
Der Grund ist klar: du hast bis jetzt ein bequemes Leben geführt, und nun willst du nicht wahrhaben, dass es zwischen dem bloßen Wunsch und der tatsächlichen Hingabe einen beträchtlichen Unterschied gibt.
Hole die Zeit nach, die du damit verloren hast, dich auf den Lorbeeren der Selbstzufriedenheit auszuruhen: Du hieltest dich für einen »guten Menschen« – so als ob es schon genügte, sich ohne Mord und Diebstahl durchzuschlagen.
Lege in deiner Beziehung zu Gott und auch in deiner Arbeit ein schärferes Tempo vor – der Weg, den du zurückzulegen hast, ist noch sehr weit! Sei gut zu allen, gerade auch zu denen, die dir auf die Nerven fallen; und gib dir Mühe, die besonders zu lieben, auf die du früher herabschautest, und ihnen zu dienen!
Erneuerung ist nicht Erschlaffung.
Das Ringen um Hingabe – es hat doch nur dann einen Sinn, wenn es ein großes, ein wirklich göttliches Werk zu vollbringen gilt: die Heiligkeit …
Daher verkündet die Kirche bei der Kanonisierung eines Heiligen: Sein Leben war eine heroische Christus-Nachfolge.
Vorsicht! Entwickle viel Feingefühl! Damit nicht, während du dich abmühst, die geistliche Temperatur deiner Umgebung zu erhöhen, deine eigene sinkt.
Selig jene begnadeten Menschen, die Jesus, sobald sie nur von Ihm hören – Er spricht uns ja beständig an! –, sogleich als Den Weg, Die Wahrheit und Das Leben erkennen.
Du weißt sehr wohl, woran es liegt, wenn uns dieses Glück entgeht: an der mangelnden Entschlossenheit, Ihm nachzufolgen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10444/ (08.05.2026)