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Es gibt 18 Nummer in «Die Spur des Sämanns» deren Stichwort lautet Hingabe → Großherzigkeit.

Viele Christen sind der Überzeugung, dass die Erlösung überall, wo Menschen leben, sich verwirklichen wird und dass es wohl einige Menschen geben muss – sie wissen nicht, welche –, die mit Christus dazu beitragen. Aber sie rechnen hierfür mit Zeiträumen von vielen Jahrhunderten … und in der Tat würde es ewig dauern, wenn es nach dem Ausmaß ihrer Hingabe ginge.

Auch du dachtest so – bis einer kam, der dich »wachrüttelte«.

Die Hingabe ist der erste Schritt auf einem Weg des Opfers, der Freude, der Liebe, der Vereinigung mit Gott.

Das ganze Leben wird dann von jener seligen Torheit durchdrungen, die das Glück gerade da finden lässt, wo rein menschliche Logik nichts als Ablehnung, Leid und Schmerz wahrnimmt.

»Beten Sie für mich«, sagtest du, »damit ich großzügig bin, innerlich wachse und mich so formen lasse, dass ich eines Tages zu irgendetwas nütze sein kann.«

Gut. – Aber: welche Mittel setzt du ein, um solche Vorsätze zu verwirklichen?

Du fragst dich häufig, warum Menschen, die schon als Kinder das Glück hatten, den wahren Jesus ken-nenzulernen, so sehr zögern, Ihm das Beste zu geben, was sie haben, ihr Leben, ihre Familie, ihre Träume, ihre Zukunftspläne …

Überleg einmal: Du, der du »alles« auf einmal erhalten hast, du musst dem Herrn in der Tat unendlich dankbar sein, etwa so wie ein Blinder, der plötzlich das Augenlicht zurückerlangt, indes die anderen nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass sie eigentlich dankbar sein müssten, weil sie seit eh und je sehen.

Und doch … das genügt nicht: Du musst Tag für Tag den Menschen deiner Umgebung dabei helfen, sich dafür dankbar zu erweisen, dass sie Kinder Gottes sind. Andernfalls sag mir nicht, dass du selbst dankbar bist.

Denke in Ruhe darüber nach: Was man von mir erbittet, ist im Grunde sehr wenig, verglichen mit dem, was mir geschenkt wird.

Du kannst dich noch nicht aufraffen. – Ich möchte dir zu beherzigen geben, was einer deiner Brüder mir schrieb: »Ja, es fällt schwer … aber ist ›die Entscheidung‹ einmal getroffen – welch ein beglückendes Aufatmen, sich endlich auf dem Weg zu wissen!«

Die letzten Tage, sagtest du mir, seien so herrlich wie noch nie gewesen. – Meine spontane Antwort war: Weil du dich mehr als sonst hingegeben hast.

Der Ruf des Herrn – die Berufung – lautet immer gleich: »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«

Es ist wahr: Die Berufung verlangt Entsagung, Opfer! Aber welches Glück liegt im Opfer – »gaudium cum pace«, Freude und Frieden! –, wenn die Entsagung vollkommen ist!

Ihm wurde nahegelegt, sich persönlich zu verpflichten; er wand sich – »dann könnte ich dies … dann müsste ich das …«

Daraufhin meinte jemand: »Hier feilschen wir nicht mit dem Herrn. Das Gesetz Gottes, die Aufforderung des Herrn – man nimmt sie an, so wie sie sind – oder man lässt es. Man muss sich entscheiden: entweder ohne Vorbehalte und mit Schwung voran, oder weggehen … ›Qui non est mecum …‹ – wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.«

Nur ein Schritt trennt den Mangel an Großzügigkeit von der Lauheit.

Damit du es nicht nachahmst, schreibe ich aus einem Brief ein Beispiel für Feigheit ab: »Selbstverständlich bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie an mich denken, denn ich kann die Gebete gut gebrauchen. Doch wäre ich Ihnen ebenfalls dankbar, wenn Sie sich bei Ihrem Gebet, der Herr möge aus mir einen ›Apostel‹ machen, die Mühe ersparten, auch noch von Ihm zu erbitten, Er möge mich zur Hingabe meiner Freiheit auffordern.«

Dein Bekannter – sehr intelligent, etwas spießig, ein lieber Mensch – meinte: »Das Gesetz erfüllen – ja, aber mit Maßen, ohne zu übertreiben, korrekt, nicht mehr.«

Und er fügte hinzu: »Sündigen? Nein! Aber sich hingeben – auch nicht!«

Sie tun einem wirklich leid, solche Menschen: knauserig, berechnend, unfähig, sich für ein hohes Ideal aufzuopfern.

»Aure audietis, et non intelligetis: et videntes videbitis, et non perspicietis.« Es sind klare Worte des Heiligen Geistes: mit ihren eigenen Ohren hören sie, und sie verstehen nicht; mit ihren eigenen Augen sehen sie, und sie nehmen nichts wahr.

Warum bist du bedrückt, wenn so mancher, der das apostolische Werk »sieht« und seine Großartigkeit erkennt, sich trotzdem nicht hingeben will? Du bete in Ruhe und harre auf deinem Weg aus! Für die, die ihn nicht mitzugehen wagen, werden andere kommen!

Seitdem du Ihm dein »Ja« zur Antwort gabst, ändert im Laufe der Zeit der Horizont seine Farbe: er wird jeden Tag schöner, weitet sich und erstrahlt immer herrlicher. Aber du musst dieses »Ja« immer wieder neu sprechen …

Unsere Liebe Frau, Meisterin der Hingabe ohne Grenzen. – Erinnerst du dich? Auf sie bezog sich jenes rühmende Wort Jesu Christi: »Jeder, der den Willen meines Vaters tut, ist mir Mutter!«

Bitte diese gütige Mutter, dass sie dir helfe, in deiner Seele – nach ihrem Vorbild – die Antwort der rückhaltlosen Hingabe zu festigen, die stark wie die Liebe ist und frei macht: »Ecce ancilla Domini!« – Ich bin die Magd des Herrn.

Du bist froher. Aber diesmal ist es eine Freude, die mit einer gewissen Ungeduld und Nervosität verbunden ist und bei der du zugleich spürst, dass etwas in dir zerreißt – und geopfert wird.

Hör mir gut zu: Auf dieser Erde gibt es nicht das vollkommene Glück. Gerade darum sollst du dich – und zwar jetzt gleich, wortlos und ohne Selbstmitleid – Gott als Gabe darbringen, ganz und gar, bedingungslos …

Petrus sagt: »Du, Herr, willst mir die Füße waschen?« Jesus antwortet: »Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.« Wieder Petrus: »Niemals sollst du mir die Füße waschen!« Jesus erwidert: »Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.« Simon Petrus ergibt sich: »Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.«

Wenn wir in uns den Ruf zu einer Ganzhingabe vernehmen, die keine Vorbehalte und kein Zaudern kennt, antworten wir oft in falscher Bescheidenheit, wie anfänglich Petrus … Hätten wir doch auch das große Herz dieses Apostels! Er lässt es nicht zu, dass jemand Jesus mehr liebt als er. Wer so liebt, muss auf diese Weise reagieren: Hier bin ich! Wasche meine Hände, mein Haupt, meine Füße! Reinige mich ganz! Denn ich will Dir ganz gehören.

Der Herr hat in deine Seele den guten Samen ausgesät. Und für diese Saat des ewigen Lebens hat Er sich eines mächtigen Mittels bedient: des Gebetes.

Denn eines kannst du nicht bestreiten: Viele Male hat Er dich während deines Gebetes vor dem Tabernakel, von Angesicht zu Angesicht, tief in der Seele den Ruf vernehmen lassen, dass Er dich ganz zu eigen haben wollte und dass du für Ihn alles aufgeben solltest. Wenn du das jetzt bestreitest, bist du ein schwächlicher Verräter. Wenn du es vergessen hast, bist du undankbar.

Ebenso hat Er sich – das kannst du nicht in Zweifel ziehen, und du hast es bis jetzt auch nicht bezweifelt – der Ratschläge und der geistlichen Anregungen deines Leiters bedient, der immer wieder und eindringlich Worte zu dir gesprochen hat, die du nicht einfach in den Wind schlagen kannst … Ganz am Anfang hat der Herr sich auch eines guten, aufrichtigen Freundes bedient, der dir harte Wahrheiten sagte, Wahrheiten der Liebe Gottes … Durch all das hat der Herr den guten Samen in deine Seele eingesenkt.

Nun entdeckst du – naiv und überrascht –, dass der Feind Unkraut in deiner Seele gesät hat. – Und er sät es weiter, während du bequem schläfst und dein inneres Leben vor die Hunde gehen lässt. – Hier und nirgends sonst liegt der Grund dafür, dass du nun in deiner Seele das ganze klebrige Gestrüpp der Weltverstricktheit wuchern siehst. Ja, schon kommt es dir gelegentlich so vor, als erstickten in ihm die Körner des guten Weizens, die du empfangen hattest …

Reiß das ganze Unkraut mit einem Ruck aus! Die Gnade Gottes genügt dir. Befürchte nicht, es könnte eine »leere Stelle« zurückbleiben, so etwas wie eine Wunde … Der Herr wird in sie von neuem seinen Samen säen: die Liebe zu Ihm, die Brüderlichkeit, den Eifer für das Apostolat … Nach einiger Zeit wird nicht mehr die geringste Spur von Unkraut zu finden sein. Jetzt aber – gerade noch rechtzeitig – musst du es mit Stumpf und Stiel ausreißen. Und am besten ist es, wenn du, statt zu schlafen, auch bei Nacht dein Feld bewachst.

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