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Du wolltest rastlos kämpfen, so hast du mir versichert. Und jetzt kommst du und lässt die Flügel hängen.
Sieh: sogar rein menschlich betrachtet, ist es ratsam, dass man dir nicht alle Hindernisse aus dem Wege räumt und alle Probleme löst. Denn du selbst musst ja einiges – vieles! – dazu tun … Wie willst du dich sonst heiligen?
Treue zu Gott erfordert Kampf, und zwar Nah-kampf: Mann gegen Mann – der alte Mensch und der Mensch, wie Gott ihn haben will – um jede Kleinigkeit, ohne nachzugeben.
Die Heiligkeit, der wahre Eifer, sie zu erreichen, kennt keine Pausen, kennt keine Ferien.
Wir müssen in unserer Seele einen wirklichen Abscheu vor der Sünde empfinden. Sage Ihm mit zerknirschtem Herzen: Herr, gib, dass ich Dich niemals mehr beleidige!
Erschrick aber nicht, wenn du die Last deines armen Leibes und der menschlichen Leidenschaften spürst … Es wäre töricht und naiv, wenn du jetzt erst entdecktest, dass es »so etwas« gibt. Deine menschliche Schwachheit ist kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um dich noch mehr mit Gott zu vereinen und Ihn beharrlich zu suchen. Denn bei Ihm ist Läuterung.
Dein Stimmungsbarometer steigt und fällt. Es gibt viel – zuviel! – Auf und Ab bei dir.
Der Grund ist klar: du hast bis jetzt ein bequemes Leben geführt, und nun willst du nicht wahrhaben, dass es zwischen dem bloßen Wunsch und der tatsächlichen Hingabe einen beträchtlichen Unterschied gibt.
Bei deiner albernen Oberflächlichkeit, bei dieser Leichtsinnigkeit im Inneren wie im Äußeren, bei diesem Zögern angesichts der Versuchung, bei diesem »willenlosen Wollen« ist es unmöglich, dass du im inneren Leben vorankommst.
Ich habe schon immer gedacht, dass viele ihren Widerstand gegen die Gnade mit »morgen« oder mit »später« umschreiben.
Ein weiteres Paradox des geistlichen Lebens: Die Seele, deren Zustand am wenigsten der Besserung bedarf, bemüht sich am meisten um sie und lässt nicht nach, bis sie sie erreicht hat. Und umgekehrt.
Du weißt nicht, was es ist, das dich überwältigt hat: physische Erschöpfung oder eine Art innerer Ermüdung oder beides zugleich … Du kämpfst ohne Kampf, ohne wirkliche Anstrengung, dich tatsächlich so zu bessern, dass du fähig würdest, die Seelen mit der Freude und der Liebe Christi anzustecken.
Da möchte ich dich an das klare Wort des Heiligen Geistes erinnern: Nur der wird den Siegeskranz erhalten, der »legitime« – wahrhaft und allen Widerständen zum Trotz – gekämpft hat.
Mein Verhalten könnte besser sein, ich könnte mehr Entschlossenheit, mehr Eifer an den Tag legen … Und warum tu ich’s nicht?
Weil du – entschuldige meine Offenheit – ein Dummkopf bist. Der Teufel weiß ganz genau, dass eines der am schwächsten bewachten Tore zur Seele das Tor jener Dummheit im Menschen ist, die in seiner Eitelkeit besteht. Gegen das stürmt er jetzt mit aller Kraft an: mittels deiner gefühlsduseligen Erinnerungen, der krankhaften Komplexe, ein schwarzes Schaf zu sein, der fixen Idee vom vermeintlichen Mangel an Freiheit …
Worauf wartest du noch, um das Wort des Meisters zur Kenntnis zu nehmen: Wachet und betet, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde?
Phrasendreschend und deiner Sache nicht ganz sicher, verkündest du: Die einen steigen auf, die anderen ab … Und wieder andere – wie ich! – bleiben am Wegesrand liegen.
Ich wurde über deine Lethargie traurig und entgegnete dir: Die da so herumlungern, werden gelegentlich von den »Aufsteigern«, meistens jedoch und stärker von den »Absteigern« mitgezogen. Bedenke, welch schmerzlichen Irrweg du einschlägst!
Schon der heilige Bischof von Hippo lehrte, dass, wer stehen bleibt, zurückfällt.
In deinem Leben passen Verstand und Gefühl nicht zusammen.
Dein Verstand, vom Glauben erleuchtet, zeigt dir nicht nur klar den Weg, sondern auch den Unterschied zwischen einer heroischen und einer verschlafenen Art, ihn zu gehen. Vor allem lässt er dich die Größe und die göttliche Schönheit der Aufgaben erkennen, die die Allerheiligste Dreifaltigkeit in unsere Hände legt.
Im Gegensatz dazu spricht dein Gefühl auf alles an, was du eigentlich verachtest, und es tut dies sogar noch, wenn du dir die Verachtungswürdigkeit klar machst. Es ist, als ob tausend kleine Widrigkeiten nur auf die passende Gelegenheit warteten, um – sobald dein armer Wille entweder aus physischer Müdigkeit oder aus verdunkelter Sicht für das Übernatürliche schwächer wird – deine Vorstellungskraft in Beschlag zu nehmen und sich in dir zu einem Gebirge aufzutürmen, das dich entmutigt und erdrückt: nun spürst du nur noch die Härten der Arbeit, dein Widerstreben im Gehorsam, den Mangel an Hilfsmitteln, die Illusion eines sorglosen Lebens … Widerliche Versuchungen im Kleinen und im Großen suchen dich heim, die Irrlichter einer seichten Sentimentalität, die Übermüdung, der bittere Geschmack von geistlicher Mittelmäßigkeit … Und gelegentlich auch die Angst: Angst, weil du weißt, Gott will dich heilig – und du bist es nicht.
Erlaube mir, es dir mit aller Härte zu sagen: Du hast zu viele »Gründe«, um dich abzuwenden, und zu wenig Courage, um der Gnade zu entsprechen, die Er dir schenkt: denn Er hat dich dazu berufen, ein anderer Christus zu sein, »ipse Christus«, Christus selbst! Du hast die Mahnung des Herrn an den Apostel vergessen: »Meine Gnade genügt dir!« Dieses Wort ist die Gewähr dafür, dass du kannst, wenn du nur willst.
Nicht das Gefühl der Frömmigkeit, sondern die entschiedene, großmütige Bereitschaft des Willens, auf das »Werben Gottes« einzugehen, ist für das Wachstum im inneren Leben und im Apostolat notwendig.
Betrachte den großen Unterschied in der Handlungsweise eines Menschen je nachdem, ob er sich von natürlichen oder von übernatürlichen Motiven leiten lässt. Im ersten Fall ist der Anfang vielversprechend, aber dann lässt der Schwung allmählich nach. Im zweiten Fall ist der Anfang auch vielversprechend … doch dann ist man bemüht, noch Besseres zu leisten.
Was für eine Art von christlicher Vollkommenheit meinst du erreichen zu können, wenn du immer nach deiner Laune handelst und nur das tust, »was dir liegt«?
So bekämpfst du deine Fehler nicht, und logischerweise werden aus ihnen dauernd böse Werke hervorgehen. Und gerätst du einmal in eine schwierige Situation, wird dein Wille machtlos sein, weil du ihn nie an einen beharrlichen Kampf gewöhnt hast.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/11982/ (08.05.2026)