Nur diese Aphorismen anzeigen
»Es ist so schwer!« stöhnst du entmutigt.
Hör zu: Die Gnade Gottes genügt, wenn du kämpfst. Dann wirst du von deinen persönlichen Interessen absehen, den Mitmenschen um Gottes willen dienen und der Kirche auf den Schlachtfeldern von heute beistehen: auf der Straße, in der Fabrikhalle, in der Werkstatt, an der Universität, im Büro – in deiner Umwelt, mitten unter den Deinen.
Die Christus gefunden haben, dürfen sich gegenüber ihrer Umwelt nicht abkapseln: solche Selbstgenügsamkeit wäre eine traurige Sache. Sie müssen sich vielmehr wie ein Fächer nach allen Seiten hin entfalten, um alle Menschen zu erreichen. Jeder muss um sich einen immerfort wachsenden Freundeskreis bilden, den er durch sein berufliches Ansehen, durch sein Verhalten, durch seine Freundschaft beeinflusst – doch mit dem Ziel, dass es Christus ist, der durch all das seinen Einfluss ausübt.
Der Wunsch, zu »lehren« und »von Herzen zu lehren«, bringt in den Lernenden jene Dankbarkeit hervor, die sich als ein fruchtbarer Boden für das Apostolat erweist.
Ich verstehe sehr gut, was du meinst, wenn du mir über dein Apostolat schreibst: »Jetzt werde ich drei Stunden Gebet mit meinem Physik-Lehrbuch halten. Mit diesem übernatürlichen Artilleriefeuer will ich die ›Stellung‹ auf der anderen Seite des Tisches hier in der Bibliothek erobern … Ich meine jenen Freund, den Sie schon von damals kennen, als Sie hier waren.«
Ich erinnere mich noch an deine Freude, als du von mir hörtest, dass es zwischen Gebet und Arbeit keinen Bruch geben darf.
Studium, Arbeit: unerlässliche Pflichten für jeden Christen; Mittel, um uns gegen die Feinde der Kirche zu verteidigen; Wege, um durch unser berufliches Ansehen so viele gute Menschen zu gewinnen, die unter ihrer Isolation, in der sie sich abmühen, leiden. Wer inmitten der Welt Apostel sein will, für den sind Studium und Arbeit sehr wesentliche Voraussetzungen, um wirken zu können.
Auch du hast eine Berufung zum Beruf. Sie ist ein »Stachel«, der dich zu arbeiten antreibt, und damit zugleich der »Angelhaken«, um Menschen für Christus zu »fischen«.
Läutere deshalb immer deine Absicht und strenge dich an, in deiner Arbeit für Gott und die Menschen ein hohes berufliches Prestige zu erlangen. Der Herr rechnet nämlich auch damit!
In der Heiligen Schrift lesen wir: »Stultorum infinitus est numerus« – unermesslich ist die Zahl der Toren. In der Tat scheint ihre Zahl täglich zu wachsen. – Wieviel Narrheit, wieviel Mangel an gesundem Menschenverstand musst du ertragen! Leute in den unterschiedlichsten Stellungen tarnen dies durch das Ansehen aufgrund ihres Amtes oder verbergen es hinter einer Maske von »Tugenden« … Und das geschieht auch da, wo du es am wenigsten erwartest.
Allerdings verstehe ich nicht, dass du die Ausrichtung des Lebens auf Gott hin aus dem Auge verlierst und innerlich davon ungerührt bleibst. Dein geistliches Leben muss arg verdorrt sein, wenn du solche Situationen aus rein menschlicher Berechnung erträgst – entziehen kannst du dich ihnen ja ohnehin nicht.
Wenn du diesen Menschen nicht hilfst, den rechten Weg zu finden, indem du selbst verantwortungsbewusst und vorbildlich arbeitest – heiligmäßig –, wirst auch du zu einem Scharlatan wie sie; mindestens aber machst du dich zum Komplizen.
Hast du einmal dieses Ideal der brüderlichen Arbeit um Christi willen erfasst, so wirst du dich stark und großer Dinge fähig fühlen; du wirst so glücklich sein, wie man in dieser Welt nur sein kann – mögen auch noch so viele Menschen sie verkommen und abscheulich finden, weil sie ausschließlich ihrem Ich nachjagen.
Jener Priester, unser gemeinsamer Freund, hat mich überzeugt. Als er von seiner apostolischen Arbeit sprach, versicherte er mir, dass es keine Tätigkeiten gibt, die unwichtig sind. »Denn«, so sagte er, »diese blühende Arbeit hier verdanken wir dem stillen Bemühen sehr vieler Menschen, die intensiv arbeiten und beten. Damit haben sie vom Himmel den Strom der Gnade herabgerufen, der alles zum Blühen bringt.«
Wenn mitten in deiner gewohnten Arbeit der Wille nachlässt, dann halte dir wieder einmal folgendes vor Augen: »Studium, Arbeit: das ist wesentlicher Bestandteil meines Weges. Ein mangelndes Berufsprestige als Folge meiner Trägheit würde meine Aufgabe als Christ unmöglich, unwirksam machen. Ich brauche – nach Gottes Willen – den Einfluss des beruflichen Ansehens, damit ich besser die Menschen erreichen und ihnen so helfen kann.«
Zweifle nicht daran: Wenn du deine Arbeit aufgibst, entziehst du dich und auch andere den göttlichen Plänen!
Du bist noch jung und stehst erst am Anfang deines Weges. Höre meinen Rat: Für Gott ist das Beste, das wir geben können, gerade gut genug; deshalb habe von Anfang an den festen Willen, in deinem Beruf hervorragend zu sein. Dann wirst du deine Einsichten überzeugender weitergeben können.
Benimm dich so, als ob die Atmosphäre an deinem Arbeitsplatz von dir allein abhinge. Es soll eine Atmosphäre der Arbeitsamkeit und der Freude sein, geprägt vom Bewusstsein der Gegenwart Gottes und von der Sicht des Glaubens.
Ich verstehe deine Schlaffheit nicht. Da stößt du auf eine Gruppe von Kollegen, die im Umgang etwas schwieriger sind – vielleicht hast du dich längere Zeit nicht um sie gekümmert –, und gleich gehst du ihnen aus dem Weg, drückst dich und hältst sie für nichts weiter als Ballast, der deinem Apostolat hinderlich ist, weil sie unfähig sind, dich zu verstehen.
Aber wie sollen sie dir Gehör schenken, wenn du ihnen zwar gerne hilfst mit deinem Gebet und deinem Opfer, aber nicht mit ihnen sprichst?
Wie viele Überraschungen wirst du erleben, wenn du dich einmal dazu entschließt, mit dem … und dem … und diesem dritten ernsthaft Kontakt zu pflegen! Außerdem: Wenn du deine gegenwärtige Einstellung nicht änderst, werden sie allen Grund haben, einst mit dem Finger auf dich zu weisen und zu sagen: »Hominem non habeo!« – Ich finde keinen Menschen, der mir hilft!
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/12568/ (08.05.2026)