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Göttliche Auserwählung bedeutet – und fordert – persönliche Heiligkeit.
Wenn du auf den Ruf antwortest, den der Herr an dich hat ergehen lassen, wird dein Leben – dein kleines unbedeutendes Leben – in der Geschichte der Menschheit eine tiefe und breite, leuchtende und fruchtbare Spur des Ewigen und Göttlichen hinterlassen.
Sei dir jeden Tag deiner Verpflichtung bewusst, heilig zu werden.
Heilig! Das bedeutet nicht, verstiegen zu sein, sondern zu kämpfen: im geistlichen Leben und in der heroischen, vollkommenen Erfüllung deiner Aufgaben.
Die Heiligkeit besteht nicht in großartigen Unternehmungen. Sie bedeutet Kampf, damit dein übernatürliches inneres Leben nicht versandet. Sie besteht darin, sich bis zum Letzten im Dienste Gottes zu verzehren; an der alleruntersten Stelle – oder an der obersten –, da, wohin der Herr dich ruft.
Der Herr hat sich nicht darauf beschränkt, uns bloß zu sagen, dass Er uns liebt. Er hat es uns mit seinen Werken, mit seinem ganzen Leben bewiesen. – Und du?
Wenn du den Herrn liebst, musst du »notgedrungen« die Verantwortung für die Seelen spüren, um sie zu Gott zu führen.
Für den, der aus Liebe – aus DER LIEBE – leben will, ist Mittelmaß sehr wenig, nämlich Knauserei und jämmerliche Berechnung.
Hier hast du das »Rezept« für deinen Weg als Christ: Gebet, Buße und nimmermüdes Arbeiten in liebevoller Pflichterfüllung.
Mein Gott, lehre mich lieben! Mein Gott, lehre mich beten!
So müssen wir von Gott Glauben, Hoffnung und Liebe erbitten – in Demut, in beharrlichem Gebet und dadurch, dass unser Verhalten klar, anständig und integer ist.
Du wüsstest nicht, so sagtest du mir, wie du mir für den heiligen Eifer, der dich erfüllt, danken könntest.
Ich antwortete dir sofort: Nicht ich gebe dir diesen inneren Schwung, der Heilige Geist gibt ihn dir.
Liebe Ihn, pflege Umgang mit Ihm! So wirst du Ihn immer mehr und immer inniger lieben und Ihm dafür danken, dass Er in deiner Seele wohnt und dir inneres Leben schenkt.
Bemühe dich mit allen Kräften darum, dass das Heilige Messopfer Mitte und Wurzel deines inneren Lebens ist. Der ganze Tag wird so – zuerst als Verlängerung der vergangenen Heiligen Messe, dann als Vorbereitung auf die kommende – zu einem Gottesdienst, der sich immer neu entfaltet: in Stoßgebeten, im Aufsuchen des Altarsakramentes, in der Darbringung deiner beruflichen Arbeit und deines Familienlebens …
Der Herr hat dich deinen Weg als Christ mitten in der Welt klar erkennen lassen. Jedoch versicherst du mir, du hättest dir oft voller Neid – eigentlich sei es Bequemlichkeit, meintest du – das Glück ausgemalt, ein Unbekannter zu sein, der von allen übersehen im letzten Winkel dieser Erde arbeitet … Gott und du!
Neben der Vorstellung, als Missionar nach Japan zu gehen, lockt dich jetzt der Gedanke an jenes verborgene, entbehrungsreiche Leben … Würdest du aber versuchen – nachdem du dich von manchen gottgewollten natürlichen Verpflichtungen befreit hast –, dich in irgendeiner religiösen Einrichtung zu »verbergen«, ohne dass dies deine Berufung wäre, dann würdest du nicht glücklich. Dir ginge der Friede ab, denn du hättest zwar deinen Willen, nicht aber den Willen Gottes getan.
Deine »Berufung« müsste man dann anders nennen, nämlich Flucht, und zwar nicht aufgrund göttlicher Eingebung, sondern aus bloßer menschlicher Angst vor kommenden Kämpfen. Das kannst du nicht wollen!
Sauberes Leben und heilige Reinheit sind stets einer ernsten Gefährdung ausgesetzt, die jeden von uns – auch die von Gott zur Ehe Berufenen – betreffen kann: die Gefahr, im geistlichen wie auch im beruflichen Leben abzusacken, zu egozentrischen Eigenbrötlern zu werden, zu Menschen ohne Liebe …
Geh mit allen Kräften gegen diese Gefahr an, ohne dich auf irgendwelche Kompromisse einzulassen.
Wenn du dein Haften am sinnlichen Genuss überwinden willst – denn immer werden wir dieses Eselchen, unseren Leib, mit uns schleppen –, dann musst du jeden Tag großherzig die kleinen Abtötungen – und gelegentlich auch die großen – üben; und sei dir dabei immer der Gegenwart Gottes bewusst, denn der Blick des Herrn ruht allezeit auf dir.
Deine Keuschheit darf sich nicht darauf beschränken, nur die Unkeuschheit oder die Gelegenheit dazu zu meiden … Sie darf kein bloßes Nein sein, kein Ausdruck der Kälte und Gefühllosigkeit.
Ist dir klar, dass die Keuschheit eine Tugend ist und als solche wachsen und sich vervollkommnen muss?
Eine bloß deinem Stand gemäß disziplinierte Geschlechtlichkeit darf also nicht genügen. Es geht um die echte Tugend der Keuschheit, die oft heroisches Bemühen fordert.
Der »bonus odor Christi« – der »Wohlgeruch« Christi muss auch um uns sein durch unser sauberes Leben, durch die Keuschheit – jeder gemäß seinem Lebensstand –, durch die heilige Reinheit, die freudige Bejahung bedeutet. Reinheit ist zart und fest zugleich, und ihrer taktvollen Zurückhaltung sind auch ordinäre Ausdrücke, die Gott missfallen, tief zuwider.
Gewöhne dich daran, den heiligen Schutzengeln im voraus zu danken … um sie noch mehr zu verpflichten.
»Gottesträger« … Jeden Christen sollte man mit diesem frühchristlichen Beinamen bezeichnen können.
Verhalte dich so, dass man dich zu Recht so nennen kann.
Denke einmal darüber nach, wie es wäre, wenn wir Christen nicht hielten, was unser Name verspricht … und korrigiere dann deine Lebensweise!
Sieh den Herrn hinter jedem Ereignis, hinter jeder Situation. So wird alles, was geschieht, in dir die Liebe zu Gott vermehren und deinen Wunsch nach Treue vertiefen. Denn der Herr wartet immer auf uns, und Er bietet uns die Möglichkeit, unseren einmal gefassten Vorsatz »Serviam!« – Ich will Dir dienen! – stets von neuem zu erfüllen.
Lass jeden Tag von neuem den Wunsch nach Entsagung und Selbstverleugnung in dir wirksam werden, vergiss dein Ich und lebe »in novitate sensus«, in einem erneuerten Geist, der das Elend des eigenen Lebens eintauscht gegen die verborgene und ewige Größe Gottes.
Gewähre mir, Herr, so sehr Dein eigen zu sein, dass auch die edelsten Gefühle nur durch Dein verwundetes Herz in mein Inneres gelangen.
Bemühe dich darum, taktvoll zu sein, mit guten Umgangsformen. Sei nicht grob!
Immer feinfühlig – aber nie geziert …
Heilig werden! Wer sich Kind Gottes weiß, sollte ruhig in den Tugenden übertreiben, falls darin Übertreibung möglich ist … Er muss sein Ziel sehr hoch stecken, damit die Menschen, die sich in ihm wie in einem Spiegel anschauen, zumindest eine durchschnittliche Höhe erreichen.
Schäme dich nicht, wenn du in deinem Herzen den »fomes peccati«, den Hang zum Bösen entdeckst. Du wirst ihn verspüren, solange du lebst; denn niemand ist frei von dieser Last.
Schäme dich nicht, denn der allmächtige und barmherzige Herr hat uns alle erforderlichen Mittel gegeben, um diese Neigung überwinden zu können: die Sakramente, das Gebetsleben, die geheiligte Arbeit.
Nutze diese Mittel beharrlich, mit der Bereitschaft, immer wieder zu beginnen, ohne den Mut zu verlieren.
Herr, befreie mich von mir selbst!
Ein Apostel, dem das regelmäßige Gebet nicht zur Selbstverständlichkeit wird, verfällt unausweichlich der Lauheit … und hört auf, Apostel zu sein.
Herr, ich möchte von jetzt an ein anderer sein! Nicht mehr »ich«, sondern »der«, den Du Dir wünschst!
Ich möchte mich keiner Deiner Bitten versagen. Ich möchte beten lernen … und leiden lernen … und für nichts anderes Sorge tragen als für Deine Ehre … und immerfort Deine Gegenwart erfahren.
Ich möchte den Vater lieben … und Dich, mein Jesus, in nie endender Kommunion ersehnen … und brennen im Feuer des Heiligen Geistes.
»Meus es tu« – du bist mein, hat der Herr dir gesagt.
Gott, der die Herrlichkeit und die Weisheit, die Größe und die Güte selbst ist, spricht so zu dir. Sein bist du! … Und du antwortest Ihm nicht darauf!
Es soll dich nicht beunruhigen, wenn du in deinem Leben jene Last verspürst, von der Paulus sagt: »Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt.«
Vergegenwärtige dir dann, dass du zu Christus gehörst, und eile zur Mutter Gottes, die deine Mutter ist. Sie werden dich nicht verlassen!
Nimm die Ratschläge, die du in der geistlichen Leitung empfängst, so an, als kämen sie von Jesus Christus selbst.
Du hast mich um einen Rat gebeten, wie du in deinen täglichen Kämpfen bestehen kannst. Ich antwortete dir: Wenn du dein Herz öffnest, bring zuerst das zur Sprache, wovon du nicht möchtest, dass es bekannt wird. Auf diese Weise wird der Teufel jedesmal besiegt.
Öffne die Tore deiner Seele sperrangelweit, sei ganz klar und einfach, damit die Sonne der Liebe Gottes sie bis in den letzten Winkel hinein erleuchten kann.
Wenn der »stumme Teufel«, von dem das Evangelium spricht, in die Seele eindringt, dann verdirbt er alles. Treiben wir ihn aber sofort aus, so wird alles gut; wir gehen froh unseres Weges und kommen voran.
Fester Vorsatz für deine geistliche Aussprache: schonungslose Aufrichtigkeit – mit Takt und prompt.
Wisse die Hilfe deines geistlichen Leiters zu schätzen, suche sie! In der vertraulichen Aussprache mit ihm enthülle dein Herz ganz – auch dann, wenn es voller Fäulnis ist! –, aufrichtig und mit dem Wunsch, geheilt zu werden. Sonst wird die Fäulnis niemals verschwinden.
Wenn du dich an jemanden wendest, der deine Wunden nur oberflächlich versorgen kann, dann bist du feige! Im Grunde willst du die Wahrheit geheimhalten und schadest dir damit selbst.
Hab niemals Angst, die Wahrheit zu sagen, aber vergiss nicht, dass es manchmal besser ist, aus Nächstenliebe zu schweigen. Doch niemals darfst du schweigen aus Nachlässigkeit, Bequemlichkeit oder Feigheit.
Wenn ihr es wirklich versteht, einander zu lieben und in einer warmherzigen Verbundenheit zu leben – die letztlich in der zartfühlenden Liebe Christi wurzelt –, dann werdet ihr euch gegenseitig stützen. Und einer, der gerade stolpern will, wird sich von dieser spürbaren festen Brüderlichkeit getragen und angespornt fühlen, Gott treu zu bleiben.
Stärke in dir den Willen zur Opferbereitschaft in den kleinen Dingen der Nächstenliebe, um allen Menschen den Weg der Heiligkeit mitten in der Welt liebenswert zu machen. Ein Lächeln kann manchmal der deutlichste Ausdruck für den Geist der Buße sein.
Sei jeden Tag von Herzen bereit, dir freudig und unauffällig das Leben ein wenig »sauer« zu machen, um den anderen zu dienen und ihnen das Leben angenehm zu machen.
Das ist die Art wahrer Liebe Christi.
Sei immer bestrebt, dass da, wo du bist, die gute Laune, die echte Freude herrschen, die Frucht des inneren Lebens sind.
Achte stets darauf – es kann eine hervorragende Übung der Selbstzucht sein! –, dass deine Unterhaltungen nicht um dich kreisen.
Hier hast du einen Rat für deine Gewissenserforschung!
Habe ich heute im Geist der Sühne die Widrigkeiten angenommen, die Gott für mich bestimmt hatte? Auch die, deren Grund in der Eigenart meiner Mitmenschen lag? Und die, die von meiner eigenen Armseligkeit herrühren?
Habe ich dem Herrn den Schmerz über die Beleidigungen, die ich Ihm – so oft! – zufügte, als Sühne aufgeopfert? Habe ich Ihm meine innere Beschämung und Demütigung aufgeopfert, die ich darüber empfinde, dass ich auf dem Weg des wirklichen Christseins nur so langsam vorankomme?
Wiederkehrende, regelmäßige Abtötungen – ja! Aber sei nicht »manisch« auf sie fixiert.
Sie brauchen nicht immer gleich zu sein! Das eigentlich Regelmäßige und immer Wiederkehrende, das Gewohnte – jedoch ohne Gewöhnung – soll der Wille zur Abtötung sein.
Es drängt dich, in die Fußstapfen Jesu zu treten, Ihn »als Gewand anzulegen«, Ihm gleichförmig zu werden … Lass also deinen Glauben tätig und bereit zum Opfer und zum Dienst sein. Und schiebe alles beiseite, was dich daran hindert.
Heiligkeit hat etwas von der Geschmeidigkeit entspannter Muskeln. Wer heilig werden will, versteht es, unverkrampft zu sein! Während er etwas, das ihn Anstrengung oder Opfer kostet, tut, unterlässt er froh und dankbar etwas anderes, das ihm ebenfalls schwerfällt – vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um eine Beleidigung Gottes. Würden wir Christen uns anders verhalten, liefen wir Gefahr, und leblos wie Puppen zu werden.
Heiligkeit ist nicht starr wie Karton – sie vermag zu lächeln, ist biegsam und kann warten. Sie ist Leben – übernatürliches Leben.
Verlass mich nicht, Mutter! Gib, dass ich deinen Sohn suche; dass ich deinen Sohn finde; dass ich deinen Sohn liebe – aus ganzer Seele!
Gedenke meiner, Mutter Maria, gedenke meiner!
Wenn unser Blick getrübt ist und unsere Sehkraft schwindet, müssen wir dichter an die Lichtquelle herantreten. Christus hat uns gesagt, dass Er das Licht der Welt ist und gekommen, um die Kranken zu heilen.
Deshalb sollen deine Krankheiten und – falls Gott sie zulässt – deine Stürze dich nicht von Christus entfernen, sondern dich Ihm nähern!
In meinem Elend, klagte ich einem Freund, sei es mir so, als ob Jesus an mir vorüberginge … und mich allein ließe.
Doch sogleich berichtigte ich mich, reuig und voll Vertrauen: Es stimmt nicht, Herr, meine Liebe! Ich bin es, der sich von Dir entfernt … Nie wieder, Herr!
Wie viel Gemeinheit in meinem Verhalten! Wie viel Untreue angesichts der Gnade Gottes!
Du, meine Mutter, Zuflucht der Sünder, bitte für mich, damit ich nie wieder das Wirken Gottes in meiner Seele erschwere.
So viele Jahre schon Christus so nahe und … was für ein Sünder bin ich immer noch!
Wie liebevoll hat Jesus dich angenommen! Berührt es dich nicht schmerzlich, wenn du daran denkst?
Keineswegs fehlt mir die wahre Freude, im Gegenteil! Und doch möchte ich, wenn ich auf meine Erbärmlichkeit schaue, wie Paulus ausrufen: Ich unglücklicher Mensch!
Deshalb wächst in mir der Wunsch, von Grund auf die Hindernisse zu beseitigen, die das eigene Ich errichtet.
Erschrick nicht! Lass den Mut nicht sinken, wenn du deine Fehler entdeckst … und was für Fehler!
Streng dich an, sie zu überwinden. Und sei in deinem Ringen gewiss, dass es für dich gut ist, all diese Schwächen zu spüren; sonst würdest du hochmütig werden, und Hochmut trennt von Gott.
Betrachte die Güte Gottes und staune, denn Christus will in dir leben … obwohl du die ganze Last deines leiblichen und geistlichen Elends verspürst, deiner Niederträchtigkeit, deiner staubgeborenen Existenz!
Ja, gerade dann sollst du den Ruf Gottes in dir vernehmen, denn Christus – Gott und Mensch – versteht mich und hilft mir als mein Bruder und mein Freund.
Du bist zufrieden und sehr glücklich, obwohl du manchmal die Traurigkeit mit kalter Hand nach dir greifen fühlst und sogar fast ständig eine Schicht von Trübsal über deiner Seele verspürst.
Und wirklich können beide, Freude und Trauer, zusammenwohnen, jede in ihrem »Menschen«; die Freude in dem neuen, die Trauer in dem alten …
Die Demut erwächst als Frucht der Gotteserkenntnis und der Selbsterkenntnis.
Ich bitte Dich, Herr, um eine Gabe: die Liebe … eine Liebe, die mich rein macht. – Und noch um eine weitere Gabe bitte ich Dich: um Selbsterkenntnis, damit ich demütig werde.
»Heilig« sind die zu nennen, die bis zum letzten Atemzug kämpfen; die es fertigbringen, nach jedem Fehltritt, nach jedem Sturz sich wieder zu erheben und ihren Weg beherzt weiterzugehen: in Demut, in Liebe, in Hoffnung.
Wenn deine Verirrungen dich demütig machen, wenn sie dich dahin bringen, entschlossener nach der starken Hand Gottes zu greifen, dann sind sie ein Weg zur Heiligkeit! »Felix culpa« – selige Schuld! – singt die Kirche.
Das Gebet – auch mein Gebet – ist allmächtig.
Die demütige Seele lässt beim Anblick der eigenen Fehler den Mut nicht sinken.
Echte Demut drängt nur zu einem: um Vergebung zu bitten!
Bestürme den Herrn und bitte Ihn um die Bußgesinnung eines Menschen, der sich jeden Tag zu überwinden weiß und Ihm still und mit Selbstverleugnung diese beharrliche Überwindung als Opfergabe darbringt.
Wenn du spürst, dass das Fleisch schwach wird, sage dem Herrn in deinem persönlichen Gebet: Dein Kreuz, Jesus, für meinen armen Leib, der müde wird und rebelliert!
Wie beeindruckend sind die Worte dieses Priesters, der sagte: »Trotz meiner Undankbarkeit hat mir Jesus den Berg meiner Sünden vergeben. Wie unermesslich groß ist sein Herz! Wenn Er Maria von Magdala viele Sünden vergab, weil sie viel geliebt hatte, um wie viel mehr Liebe schulde dann ich Ihm, da Er mir noch mehr Sünden vergeben hat!«
Ich möchte Dich, Jesus, bis zum Äußersten lieben, bis zum Heldenhaften! Auch wenn ich für Dich sterben müsste, mit Deiner Gnade werde ich Dich, Herr, nie wieder verlassen.
Lazarus kam aus dem Grabe hervor, weil er die Stimme Gottes hörte – und sogleich wollte er aus dem Kerker des Todes herauskommen. Hätte er nicht »gewollt«, so wäre er von neuem gestorben.
Nimm es dir aufrichtig vor: Ich will immer an Gott glauben; ich will immer auf Gott hoffen; ich will Gott immer lieben … Er verlässt uns niemals, auch wenn – wie bei Lazarus – die Verwesung schon begonnen hat.
Bestaune dieses wunderbare Paradoxon des Christseins: Die eigene Armseligkeit führt uns dazu, bei Gott unsere Zuflucht zu suchen, uns zu »vergöttlichen«, und mit Ihm vermögen wir alles.
Wenn du gesündigt hast oder die Last deiner Armseligkeit dich niederdrückt, dann bete in fester Hoffnung: Herr, Du siehst, dass ich krank bin. Herr, der Du aus Liebe zu mir am Kreuz gestorben bist, komm und heile mich.
Hab Vertrauen, sage ich dir noch einmal. Appelliere beharrlich an sein unendlich liebevolles Herz! Wie die Aussätzigen des Evangeliums wird Er auch dich gesund machen.
Erfülle deine Seele mit Gottvertrauen. Lass in dir den Wunsch immer stärker werden, Christus nie mehr zu verlassen!
Du reine, makellose Jungfrau, du meine Mutter! Verlass mich nicht! Blicke auf mein armes Herz, das tief betrübt ist. – Ich will meinen Herrn nicht beleidigen!
Ich weiß – und niemals will ich es vergessen! –, dass ich nichts wert bin. Meine Nichtigkeit und Einsamkeit lasten schwer auf mir. Und doch – ich bin ja nicht allein: Du, gütige Mutter, Du, Gott mein Vater – ihr verlasst mich nicht.
Dieser irdische Leib lehnt sich auf, teuflische Versuchungen erheben sich gegen meinen Glauben … Aber ich liebe Jesus, ich glaube an Jesus. Ich liebe! Ich glaube!
Folge der Mahnung des heiligen Paulus: »Hora est iam nos de somno surgere!« – es ist schon an der Zeit, mit der Arbeit zu beginnen. Mit der Arbeit nach innen – der Entfaltung deiner Seele – und mit der Arbeit nach außen – der Entfaltung des Reiches Gottes.
Reumütig sagst du mir: »Wie viel Elend gewahre ich in mir! Ich komme mir vor, als hätte ich niemals das Geringste getan, um Gott näherzukommen – so stumpf bin ich, so sehr von bösen Begierden geplagt. Anfangen, anfangen … O Herr, immer nur dieses Anfangen! Aber ich will versuchen, mir jeden Tag von neuem einen mächtigen Ruck zu geben.«
Gott segne deinen Vorsatz!
Vater, so sagtest du mir, ich habe viele Fehler, ich mache vieles verkehrt.
Ich weiß es, antwortete ich. Aber auch Gott, unser Herr, weiß es und rechnet damit. Von dir erwartet Er nur die Demut, dein Versagen anzuerkennen, und das aufrichtige Bemühen, jeden Tag den Weg von neuem zu begradigen, um Ihm besser zu dienen – mit mehr innerem Leben, mit beharrlichem Beten und echter Frömmigkeit, mit deiner Anstrengung, dich in der Arbeit zu heiligen, indem du die dazu erforderlichen Mittel anwendest.
Hoffentlich gelingt es dir – du willst es ja! –, die Tugenden des Eselchens zu erlangen. Es ist ein anspruchsloses, demütiges Tier, tüchtig, bei der Arbeit ausdauernd, zäh!, dazu treu, mit sicherem Schritt, kräftig und – wenn sein Herr gut ist – auch dankbar und gehorsam.
Einverstanden! Deine Sorge soll den anderen gelten. Aber zuallererst musst du dich um dein eigenes inneres Leben kümmern; denn andernfalls kannst du den anderen nicht dienen.
Wie viel kostet dich doch diese Abtötung, die der Heilige Geist dir nahelegt. Blicke mit innerer Sammlung auf ein Kruzifix … und du wirst das Opfer als Sühne lieben!
An das Kreuz genagelt sein! Diese Sehnsucht erfüllte, gleich einer Erleuchtung und häufig wiederkehrend, Geist, Herz und Worte eines Beters.
Er überlegte: An das Kreuz genagelt sein – wer hält das aus? Doch er wusste genau, wie man es macht: »agere contra!« – mit Selbstverleugnung … Und er flehte zu Gott: Hilf mir, Herr!
Wir stehen auf Golgotha, wo Jesus gestorben ist. Wir fühlen die Wucht unserer persönlichen Sünden. Von Reue erschüttert, fassen wir in reiferer und tieferer Weise den Vorsatz, Ihn niemals mehr zu beleidigen.
Ähnlich wie man Stein oder Holz bearbeitet, müssen wir Tag für Tag im Geist der Buße die eigenen Unebenheiten glätten, die Fehlhaltungen in unserer Lebensweise beseitigen. Dies geschieht durch zweierlei Arten von kleiner Abtötung: durch die »aktiven«, die wir freiwillig suchen, wie man im Laufe des Tages kleine Blumen sammelt, und die »passiven«, die wir erleiden – sie kommen auf uns zu, und es fällt uns schwer, sie anzunehmen. Alles Übrige – das vollbringt Christus.
Welch ein herrliches Kruzifix wirst du werden, wenn du dich großmütig, freudig und vollständig formen lässt!
Der Herr hat seine Arme weit ausgebreitet: Er bittet dich um das Almosen einer beständigen Liebe.
Geh auf Jesus zu, der für dich starb; geh auf das Kreuz zu, das sich auf Golgotha erhebt …
Aber nähere dich aufrichtig und innerlich gesammelt, dem Zeichen christlicher Reife, damit das Göttliche und das Menschliche der Leidensgeschichte den Grund deiner Seele erreicht.
Wir sollen die Abtötung mit der gleichen Gesinnung annehmen, mit der Jesus seine heilige Passion auf sich nahm.
Die Abtötung ist eine unerlässliche Voraussetzung für das Apostolat und für das gute Gelingen jeder einzelnen apostolischen Unternehmung.
Der Geist der Buße besteht vor allem darin, dass wir die zahlreichen Kleinigkeiten, die uns jeden Tag auf unserem Weg begegnen – irgendein Tun, ein Verzicht, ein Opfer, ein Dienst –, in Akte der Liebe oder der Reue verwandeln, in Abtötungen; sie bilden am Ende des Tages einen wunderschönen Strauß, den wir Gott darbringen!
Der beste Ausdruck von Opfergeist ist die Beharrlichkeit bei der Arbeit, die man begonnen hat – wenn sie Freude macht und wenn sie schwerfällt.
Besprich mit deinem geistlichen Leiter die Abtötungen, die du jeden Tag zu verrichten pflegst, damit er sich dazu äußern kann.
Ob er dir nun rät, auf die eine oder andere Abtötung zu verzichten oder, im Gegenteil, die eine oder andere hinzuzufügen: Nimm in jedem Fall seinen Rat an!
Heilig werden wir mit dem Beistand des Heiligen Geistes, der in unserer Seele Wohnung nimmt, durch die Gnade, die uns in den Sakramenten zuteil wird, und durch einen beharrlichen aszetischen Kampf.
Wir wollen uns nichts vormachen, mein Sohn! Du und ich, wir alle – ich werde nicht müde, es zu wiederholen – werden immer, immer kämpfen müssen, bis zu unserem Lebensende. So werden wir den Frieden lieben, den Frieden weitergeben und den ewigen Lohn erhalten.
Begnüge dich nicht damit, zum Heiligen Geist, deinem Beistand, nur zu sprechen. Höre auf Ihn!
Betrachte in deinem Gebet, wie das Leben der geistlichen Kindschaft, das dir die Tiefe deines Daseins als Kind Gottes erschloss, dich mit kindlicher Liebe zum Vater erfüllt hat; betrachte auch, wie du zuvor durch Maria zu Jesus gelangtest, den du brennend liebst wie ein Freund, wie ein Bruder, wie ein Liebhaber, der du ja bist …
Nun hörst du meinen Rat und merkst, dass du bis jetzt die Einwohnung des Heiligen Geistes in deiner Seele wohl begriffen, dich die Realität dieser Gegenwart aber noch nicht »ergriffen« hatte. Dir fehlte das, was ich dir gerade als Anregung zu geben versuchte. Jetzt empfindest du in dir die Liebe selbst; du suchst den Umgang mit Ihm und wünschst, Ihm Freund und Vertrauter zu sein … du möchtest es Ihm leichtmachen, in dir manches abzuschleifen, auszureißen, zu entzünden …
Dann wieder der Gedanke: Aber ich kann das nicht! – Ich sage es noch einmal: Höre auf Ihn! Er wird dir Kraft geben. Er wird alles in dir wirken, wenn du nur willst … und du willst doch!
Bete zu Ihm: Du göttlicher Gast meiner Seele, Du Lehrer, Licht, Lenker, Liebe: Gib, dass ich lerne, Dich freudig aufzunehmen, auf Deine Unterweisung zu hören, mich entflammen zu lassen, Dir zu folgen, Dich zu lieben.
Um dich Gott zu nähern, um dich zu Gott zu erheben, benötigst du die breiten, weiten Schwingen des Gebetes und der Sühne.
Willst du die Routine bei den mündlichen Gebeten meiden, versuche sie mit derselben Liebe zu sprechen, die zwei Verliebte in ihr erstes persönliches Gespräch hineinlegen … und sprich sie zugleich so, als ob sie die letzte Gelegenheit wären, dich an den Herrn zu wenden.
Wenn du eine Art »heiligen Stolz« empfindest, Sohn oder Tochter Unserer Lieben Frau zu sein, dann frage dich: Wie steht es mit den täglichen, von morgens bis abends nie aussetzenden Äußerungen meiner Liebe zu Maria?
Zwei wichtige Gründe gibt es für mich, sagte jener Freund, weshalb ich an den Samstagen und an den Tagen vor großen Marienfesten meiner Unbefleckten Mutter Wiedergutmachung leisten möchte.
Der zweite ist: An den Sonntagen und Festtagen der Mutter Gottes – häufig sind es Volksfeste – spielt für die Leute das Beten kaum noch eine Rolle, vielmehr wird Gott durch vielerlei größere oder kleinere Sünden und Anstößigkeiten öffentlich beleidigt. Man braucht sich nur umzusehen, um das festzustellen.
Der erste Grund aber ist: Wir, die wir gute Kinder unserer Mutter sein wollen, sind – vielleicht auf Betreiben des Teufels – an diesen Tagen, die doch dem Herrn und seiner Mutter gewidmet sind, nicht aufmerksam genug.
Du weißt, dass diese Gründe leider weiterhin aktuell bleiben, damit auch wir Sühne leisten.
Das Gebet des Christen – so habe ich es immer verstanden – ist liebevolles Gespräch mit Jesus, das nicht verstummen darf, auch wenn wir weit von jedem Tabernakel entfernt sind. Denn unser ganzes Leben gleicht einem durch und durch menschlichen Liebeslied, das sich an Gott richtet …. und lieben können wir immer.
So sehr liebt Gott seine Geschöpfe, und so sehr sollten wir seine Liebe erwidern, dass bei der Feier der heiligen Messe eigentlich alle Uhren stehen bleiben müssten …
Die Reben, die mit dem Weinstock verbunden sind, bringen reife Frucht.
Was sollen wir – du und ich – tun? Durch das Brot und durch das Wort mit Jesus Christus, der unser »Weinstock« ist, eng verbunden bleiben … und den ganzen Tag über Ihm Worte der Liebe sagen. So verhalten sich Verliebte.
Liebe den Herrn sehr. Bewahre in deiner Seele diese Sehnsucht, Ihn zu lieben. Nähre sie! Liebe Gott, gerade jetzt, da Ihn einige, die Ihn in ihren Händen halten, nicht lieben, Ihn misshandeln, Ihn ignorieren.
Geh mit dem Herrn zart um, feinfühlig – in der Heiligen Messe und den ganzen Tag hindurch.
Das Gebet ist die mächtigste Stütze für den Christen. Das Gebet verhilft uns zur Wirksamkeit. Das Gebet macht uns glücklich. Das Gebet verleiht uns die nötige Kraft, um Gottes Gebote erfüllen zu können.
Glaube mir! Dein ganzes Leben kann und muss Gebet sein.
Persönliche Heiligkeit! Das ist kein Hirngespinst, sondern die konkrete Realität, die Gott und den Mitmenschen zum Mittelpunkt hat und die sich immerfort, jeden Tag aufs Neue, in Taten der Liebe bewahrheitet.
Mit allen auskommen, alle verstehen, Bruder deiner Menschenbrüder sein. Wie der spanische Mystiker sagt: Bring Liebe dorthin, wo es keine Liebe gibt – und du wirst Liebe ernten!
Wenn wir aus Furcht, Menschen unserer näheren Umgebung könnten unser Verhalten missdeuten und unerfreulich reagieren, den geraden Weg nicht mehr gehen wollen, dann sind wir schlechte Brüder unserer Brüder …
Deine Liebe zur heiligen Kirche und deine Dienstbereitschaft ihr gegenüber dürfen sich nicht nach der mehr oder weniger großen Heiligkeit ihrer Glieder richten, wiewohl wir für alle die christliche Vollkommenheit brennend wünschen.
Du sollst sie lieben, die Braut Christi, deine Mutter, die jetzt und allezeit rein und makellos ist.
Das Ringen um die persönliche Heiligung hat seine Auswirkung auf die Heiligkeit so vieler Menschen, wie auf die der ganzen Kirche Gottes!
Sei überzeugt davon: Da Gott dich hört, dich liebt, dir die Herrlichkeit des Himmels verheißt, vermagst du – wenn du willst – an der allmächtigen Hand des himmlischen Vaters zu einem tapferen Menschen zu werden, der bereit ist, überall für seine liebenswerte Wahrheit Zeugnis abzulegen.
Der Acker des Herrn ist fruchtbar, der Same des Herrn ist gut. Schießt also in unserer Welt das Unkraut empor, dann offensichtlich deswegen: Die Menschen – die Christen vor allem – haben es an Wachsamkeit fehlen lassen. Sie haben geschlafen und das Feld dem Feind überlassen.
Klage nicht darüber, das ist sinnlos, aber überprüfe, wie du lebst.
Eine Bemerkung, die mich sehr schmerzte, wird auch dich nachdenklich stimmen: »Es ist ganz klar, wo der mangelnde oder unwirksame Widerstand gegen infame Gesetze herrührt: auf jeder Ebene der Gesellschaft, von der untersten bis zur höchsten, gibt die Mittelmäßigkeit den Ton an.«
Die Feinde Gottes und seiner Kirche, die der Teufel in seinem unwandelbaren Hass antreibt, sind unablässig dabei, zu agieren und ihre Pläne zu schmieden.
Mit »beispielhafter« Ausdauer formen sie ihre Kader, unterhalten Schulen, bilden Aktivisten und Agitatoren aus. Sie verbreiten auf verkappte, aber wirksame Art ihre Gedanken und streuen sowohl in den Familien als auch an den Arbeitsstätten ihre Saat aus, die alle Religiosität im Keim ersticken soll.
Wie viel mehr müssten wir Christen uns anstrengen, unserem Gott zu dienen und seine Wahrheit auszusäen!
Verwechsle Gelassenheit bitte nicht mit Faulheit, Nachlässigkeit, Entscheidungsschwäche und Sich-vor-Problemen-Drücken!
Gelassenheit wird immer von Sorgfalt ergänzt. Diese Tugend ist nötig, um zügig die anstehenden Fragen zu erörtern und zu lösen.
Mein Kind: Wo ist das Abbild Christi, das die Menschen in dir suchen? In deinem Hochmut? In deiner Herrschsucht? In deinen »Eigenarten«, die abzulegen du nicht gewillt bist? Oder in deiner Rechthaberei? … Soll darin etwa Christus zu finden sein? – Nein!
Gewiss – du musst eine eigenständige Persönlichkeit sein, aber deine Persönlichkeit soll Christus immer mehr gleichförmig werden.
Ich nenne dir eine gute Verhaltensregel der Brüderlichkeit und der Dienstbereitschaft: Deine Aufgaben müssen auch dann, wenn du nicht da bist, von den anderen fortgeführt werden können. Denn du wirst ihnen großzügig deine Erfahrungen mitteilen und dich nicht unentbehrlich machen.
Trotz deiner schlechten Neigungen fällt auf dich die Verantwortung für die Heiligkeit und das christliche Leben der anderen, für die Fruchtbarkeit ihrer Arbeit …
Du bist ja nicht isoliert. Wenn du auf deinem Wege stehen bleibst – wie viele Menschen werden dann ebenfalls stehen bleiben und Schaden nehmen!
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