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Manchmal hat Josef sicherlich nur einen kleinen Betrag in Rechnung gestellt, um Menschen, die ärmer waren als er, nicht die Befriedigung zu nehmen, bezahlt zu haben. Für gewöhnlich wird er aber einen angemessenen Lohn verlangt haben: nicht zuviel und nicht zuwenig. Er hat sicherlich das gefordert, was ihm gerechterweise zustand, denn Treue zu Gott heißt nicht, auf Rechte verzichten, die eigentlich Pflichten sind. Josef musste einen gerechten Lohn verlangen, denn mit dem Ertrag seiner Arbeit hatte er die ihm von Gott anvertraute Familie zu unterhalten.
Das Pochen auf das eigene Recht darf nicht die Folge eines individualistischen Egoismus sein. Man liebt die Gerechtigkeit nicht, wenn man sie nicht im Hinblick auf die anderen lebt. Ebensowenig ist es legitim, sich auf Kosten der anderen hinter einer bequemen Frömmigkeit zu verstecken. Wer vor Gott gerecht sein will, kämpft auch um die Verwirklichung der Gerechtigkeit unter den Menschen; und er tut es nicht nur in der guten Absicht, dass der Name Gottes nicht beleidigt wird, sondern auch, weil Christsein bedeutet, alle echten menschlichen Anliegen zu den eigenen zu machen. In Anlehnung an einen bekannten Text des Apostels Johannes19 können wir sagen, dass jener lügt, der behauptet, vor Gott gerecht zu sein, zu seinen Mitmenschen aber ungerecht ist: Er lügt, und die Wahrheit ist nicht in ihm.
Wie alle Christen, die jenen Augenblick erlebten, habe auch ich voll Freude die Entscheidung begrüßt, das Fest Josefs des Arbeiters in die Liturgie aufzunehmen. Dieses Fest ist wie eine Heiligsprechung der Arbeit als gottgewollter Wert, und es zeigt, wie in der Gemeinschaft der Kirche jene Kernwahrheiten des Evangeliums widerhallen, die nach dem Willen Gottes in unserer Zeit besonders bedacht und beherzigt werden sollen.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/es-cristo-que-pasa/52/ (28.04.2026)