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Wenn ich mit dir vom »Apostolat der Freundschaft« spreche, dann meine ich eine persönliche Freundschaft, die opferfreudig ist und aufrichtig: eine Freundschaft von Du zu Du, von Herz zu Herz.
Im Apostolat der Freundschaft und des Vertrauens ist der erste Schritt das Verstehen, das Dienen … und eine heilige Festigkeit in der Glaubenslehre.
Die Christus gefunden haben, dürfen sich gegenüber ihrer Umwelt nicht abkapseln: solche Selbstgenügsamkeit wäre eine traurige Sache. Sie müssen sich vielmehr wie ein Fächer nach allen Seiten hin entfalten, um alle Menschen zu erreichen. Jeder muss um sich einen immerfort wachsenden Freundeskreis bilden, den er durch sein berufliches Ansehen, durch sein Verhalten, durch seine Freundschaft beeinflusst – doch mit dem Ziel, dass es Christus ist, der durch all das seinen Einfluss ausübt.
Ich verstehe sehr gut, was du meinst, wenn du mir über dein Apostolat schreibst: »Jetzt werde ich drei Stunden Gebet mit meinem Physik-Lehrbuch halten. Mit diesem übernatürlichen Artilleriefeuer will ich die ›Stellung‹ auf der anderen Seite des Tisches hier in der Bibliothek erobern … Ich meine jenen Freund, den Sie schon von damals kennen, als Sie hier waren.«
Ich erinnere mich noch an deine Freude, als du von mir hörtest, dass es zwischen Gebet und Arbeit keinen Bruch geben darf.
In der Heiligen Schrift lesen wir: »Stultorum infinitus est numerus« – unermesslich ist die Zahl der Toren. In der Tat scheint ihre Zahl täglich zu wachsen. – Wieviel Narrheit, wieviel Mangel an gesundem Menschenverstand musst du ertragen! Leute in den unterschiedlichsten Stellungen tarnen dies durch das Ansehen aufgrund ihres Amtes oder verbergen es hinter einer Maske von »Tugenden« … Und das geschieht auch da, wo du es am wenigsten erwartest.
Allerdings verstehe ich nicht, dass du die Ausrichtung des Lebens auf Gott hin aus dem Auge verlierst und innerlich davon ungerührt bleibst. Dein geistliches Leben muss arg verdorrt sein, wenn du solche Situationen aus rein menschlicher Berechnung erträgst – entziehen kannst du dich ihnen ja ohnehin nicht.
Wenn du diesen Menschen nicht hilfst, den rechten Weg zu finden, indem du selbst verantwortungsbewusst und vorbildlich arbeitest – heiligmäßig –, wirst auch du zu einem Scharlatan wie sie; mindestens aber machst du dich zum Komplizen.
Du hast den tiefsten Sinn der Freundschaft erfasst, seitdem dir aufgegangen ist, dass du gleichsam der Hirt einer kleinen Herde bist. Jetzt möchtest du die, die du früher links hast liegen lassen, neu um dich sammeln und jedem einzelnen dienen.
Du darfst dich nicht bloß passiv verhalten. Werde ein echter Freund, indem du deinen Freunden hilfst. Vor allem mit dem Beispiel deiner Lebensweise, dann auch mit deinem Rat und durch den Einfluss, der auf deiner Vertrauenswürdigkeit beruht.
Es ist für dich ein großes Glück gewesen, wahren Lehrern und echten Freunden begegnet zu sein, die dich mit Hingebung in allem unterwiesen, was immer du auch hast wissen wollen. Du musstest keine besonderen Winkelzüge anwenden, um dir gleichsam ihr Wissen zu »rauben«, denn immer haben sie dir den gangbarsten Weg gezeigt, den sie selbst vielleicht erst nach harter, mühsamer Arbeit entdeckt hatten … Jetzt ist es an dir, ebenso zu handeln: an diesem, an jenem – an allen!
Beherzige meinen Rat und handle danach: Diese Leute, denen du unsympathisch bist, werden ihre Meinung revidieren, sobald sie merken, dass du sie »wirklich« gerne hast. Alles hängt also von dir ab.
Durch deine Freundschaft und mit deiner »Beschlagenheit« in der Lehre der Kirche – besser ausgedrückt: durch die Liebe und die Botschaft Christi – wirst du viele Nichtkatholiken für eine ernsthafte Mitarbeit gewinnen können, zum Wohl aller Menschen.
Glaub mir: Das Apostolat, die Katechese – sie müssen kapillar sein: jeder einzelne Gläubige mit seinem unmittelbaren Nächsten.
Uns, die wir Christus dienen wollen, interessieren alle Menschen, weil jeder einzelne uns interessiert!
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/book-subject/surco/10835/ (08.05.2026)