Natürlichkeit
Der auferstandene Christus … Nur einige wenige Menschen – die, die nach Gottes Plan nötig waren – werden Zeugen des größten aller Wunder …
Die normale Unauffälligkeit ist das Siegel der göttlichen Werke.
Arbeitet man einzig und allein zur Ehre Gottes, dann geschieht alles einfach und natürlich. Es ist, als ob man es eilig hätte und sich nicht mit großen »Demonstrationen« aufhalten könnte, damit der einmalige, unvergleichliche Umgang mit dem Herrn nicht verloren-geht …
Aufgebracht fragtest du mich: Warum müssen Atmosphäre und Einrichtungen apostolisch arbeitender Zentren hässlich, ungepflegt … und so praxisfern sein? – Und dann sagtest du noch: Außerdem ist es ja auch keineswegs billiger!
Mir erschien dein Unmut sehr verständlich. Und ich überlegte, dass Jesus ja alle ansprechen und an sich ziehen wollte: Arme und Reiche, Gelehrte und Ungebildete, Frohe und Traurige, Alte und Junge … Wie liebenswert ist Er! Wie viel natürliche und übernatürliche Anziehungskraft Er hat!
Ohne Natürlichkeit keine Wirksamkeit! Was kann man von einem Pinsel erwarten – selbst in der Hand eines großen Malers –, der in einer seidenen Hülle steckt?
Die Heiligen sind ihren Mitmenschen immer »unbequem«.
Heiligsein gleich Anormalsein? … Es ist an der Zeit, dieses Vorurteil auszurotten.
Mit der übernatürlich geprägten Natürlichkeit christlicher Aszese müssen wir neu verständlich machen, dass selbst mystische Phänomene keineswegs anormal sind: sie besitzen nicht anders als etwa psychische oder physiologische Vorgänge die ihnen eigene Normalität.
Ich sprach mit dir über die Perspektiven, die sich vor unseren Augen auftun, und über den Weg, den wir zu gehen haben. – Ich sehe da keine wirklichen Hindernisse, sagtest du mir, fast verwundert darüber, dass alles so klar ist …
Präge dir das unverlierbar ein: Es darf auch keine Hindernisse geben!
Meide alberne Beflissenheit gegenüber dem Leiter, die du gelegentlich – vielleicht unbewusst – an den Tag legst, indem du dich auch in den belanglosesten Angelegenheiten regelmäßig zum Sprachrohr für seine Vorlieben oder Ansichten machst.
Sei jedoch mehr darauf bedacht, seine Schwächen nicht bloß als Schrullen hinzustellen. Das verführt zu einer Kumpanei, die seiner Autorität schadet, oder gar zu der Taktlosigkeit, ein Fehlverhalten als witzige Eigenart anzusehen. Du würdest ihm damit einen schlechten Dienst erweisen.
Du schaffst um dich eine künstliche Atmosphäre des Misstrauens und des Argwohns; wenn du sprichst, machst du den Eindruck eines Schachspielers: Bei jedem Wort denkst du schon an den über-übernächsten Zug …
Erinnere dich, wie das Evangelium die verschlagenen, heuchlerischen Pharisäer und Gesetzeslehrer schildert: die Fragen, die sie Jesus stellten, die Fälle, mit denen sie Jesus befassten, waren Fallstricke, »ut caperent eum in sermone«, damit Er sich darin durch seine Antworten verfangen sollte.
Verabscheue solche Falschheit!
Natürliche Einfachheit hat nichts mit Grobheit, Schmutz, Ärmlichkeit oder schlechter Erziehung zu tun.
Manche Leute möchten unbedingt den Dienst für Christus auf die Welt der Slums und – pardon! – der Läuse beschränken. Den Ärmsten der Armen beizustehen, ist eine notwendige, eine bewundernswerte Arbeit. Bei ihr stehenzubleiben, hieße indes, die große Mehrheit aller anderen Menschen links liegen zu lassen. Vor allem aber: Was tun, nachdem die Bedürftigen aus ihrer Not befreit sind? Sie etwa ignorieren?
Du seist dazu unwürdig? Nun – dann bemüh dich eben, würdig zu werden. Und damit basta!
Was soll diese Sucht, in allem »außergewöhnlich« sein zu wollen? – Was dich gegenwärtig drückt, ist ganz »gewöhnlich«!
Selig bist du, weil du geglaubt hast – so preist Elisabeth unsere heilige Mutter.
Die Vereinigung mit Gott – das Leben der Gnade in uns – bewirkt immer eine anziehende Art, die natürlichen Tugenden zu üben: Maria trägt die Freude in das Haus ihrer Base, weil sie Christus »trägt«.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/surco/natuerlichkeit/ (25.04.2026)