Kämpfe
Nicht alle können reich, gelehrt, berühmt werden … Dafür sind wir aber alle – wirklich »alle« – dazu berufen, heilig zu werden.
Treue zu Gott erfordert Kampf, und zwar Nah-kampf: Mann gegen Mann – der alte Mensch und der Mensch, wie Gott ihn haben will – um jede Kleinigkeit, ohne nachzugeben.
Diese Prüfung, ich bestreite es nicht, erweist sich als zu hart: immer bergauf, alles geht dir »gegen den Strich«.
Was soll ich dir raten? Sag ein ums andere Mal: »omnia in bonum«, alles, was da geschieht – »alles, was mir ge-schieht« –, ist zu meinem Besten … Darum lautet die richtige Schlussfolgerung: Das, was dir so mühselig erscheint, als segensreiche Realität anzunehmen.
Lediglich »gute Männer« und »gute Frauen« – das genügt heute nicht. – Außerdem: wer sich damit zufriedengibt, »ziemlich gut« zu sein, ist nicht gut genug: Wir brauchen »Aufrührer«.
Angesichts des heutigen Hedonismus, der heidnischen und materialistischen Strömungen will Christus echte Nonkonformisten, »Rebellen aus Liebe«!
Die Heiligkeit, der wahre Eifer, sie zu erreichen, kennt keine Pausen, kennt keine Ferien.
Manche Leute benehmen sich in ihrem Leben so, als wären die Worte des Herrn über Hingabe und Rechtschaffenheit ausschließlich an die gerichtet worden, denen das keine Mühe bereitet oder die darum nicht zu kämpfen brauchen – aber die gibt es nicht!
Sie vergessen, dass Jesu Wort von den »Gewalttätigen, die das Himmelreich an sich reißen«, indem sie in jedem Augenblick einen heiligen Kampf ausfechten, für alle gilt.
Welchen Eifer entwickeln doch viele Zeitgenossen, um zu »reformieren« …
Wäre es nicht besser, wir alle – jeder einzelne – »reformierten« uns selbst, um das, was geboten ist, treu zu erfüllen?
Du plätscherst in den Versuchungen herum, bringst dich dabei in Gefahr, spielst mit Blicken und mit Vorstellungen, ergehst dich in seichtem Geschwätz. – Und dann bist du verstört, wenn Zweifel, Skrupel, Verwirrung, Trübsinn und Niedergeschlagenheit auf dich einstürmen.
Du musst mir zugeben, dass du wenig konsequent bist.
Nach der anfänglichen Begeisterung nunmehr Zögern, Unschlüssigkeit, Ängste … Vieles macht dir Sorge: das Studium, die Familie, Geldfragen und vor allem der Gedanke, dass du es nicht schaffst oder vielleicht nicht taugst oder noch zu wenig Lebenserfahrung besitzt.
Ich will dir ein sicheres Mittel nennen, um solche Befürchtungen – Versuchungen des Teufels oder Mangel an Großzügigkeit! – zu überwinden: Verachte sie, vergiss sie … Der Meister hat es schon vor zwanzig Jahrhunderten klar verkündet: Blicke nicht zurück!
Wir müssen in unserer Seele einen wirklichen Abscheu vor der Sünde empfinden. Sage Ihm mit zerknirschtem Herzen: Herr, gib, dass ich Dich niemals mehr beleidige!
Erschrick aber nicht, wenn du die Last deines armen Leibes und der menschlichen Leidenschaften spürst … Es wäre töricht und naiv, wenn du jetzt erst entdecktest, dass es »so etwas« gibt. Deine menschliche Schwachheit ist kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um dich noch mehr mit Gott zu vereinen und Ihn beharrlich zu suchen. Denn bei Ihm ist Läuterung.
Wenn deine Phantasie sich um dich selber dreht, bringt sie merkwürdige Situationen und Gebilde hervor, die meist nicht zu deinem Weg passen und dich sinnlos ablenken, erkalten lassen und das Bewusstsein der Gegenwart Gottes in dir verdunkeln. – All das: leerer Wahn!
Wenn sich die Phantastereien auf die anderen richten, dann verfällst du leicht in den Fehler, über sie zu urteilen – auch wenn das nicht deine Aufgabe ist –, und deutest ihr Verhalten in unangemessener und unsachlicher Weise, als fahrlässiger »Richter«.
Wenn sich deine Einbildungskraft mit deinen eigenen Fähigkeiten, deiner Ausdrucksweise etwa, beschäftigt oder mit der Bewunderung, die du bei anderen hervorrufst, dann läufst du Gefahr, die Lauterkeit der Absicht zu verlieren und stolz zu werden.
Der Phantasie freien Lauf zu lassen, ist für gewöhnlich Zeitverschwendung; sie bahnt außerdem – wenn man sie nicht zügelt – zahlreichen freiwilligen Versuchungen den Weg.
Unterlasse an keinem einzigen Tag die innere Abtötung!
Sei nicht so töricht oder naiv zu denken, du müsstest Versuchungen erfahren, um dich der Standhaftigkeit auf deinem Wege zu versichern. Genauso könntest du dir wünschen, man brächte dein Herz zum Stillstand, damit du dich von deinem Lebenswillen überzeugst.
Führe keinen Dialog mit der Versuchung. Lass es mich wiederholen: Hab den Mut zu fliehen! Und besitze ebenso die Stärke, keine Experimente mit deiner eigenen Schwachheit anzustellen – spiele nie mit dem Gedanken, wie weit du gehen könntest … Mach sofort Schluss – und zwar ganz!
Es gibt keine Entschuldigung. Du allein bist schuld. Wenn dir klar ist – und du kennst dich ja gut genug –, dass du auf diesem Weg – mit dieser Lektüre, mit dieser Freundschaft …– in einen Abgrund geraten kannst … Warum versteifst du dich dann darauf, es sei vielleicht von Vorteil für deine Bildung, für die Entwicklung deiner Persönlichkeit?
Ändere den Kurs – radikal! Mag das auch mehr Mühe kosten und weniger Zerstreuungen bieten. Es ist höchste Zeit, dass du dich wie ein verantwortlicher Mensch benimmst.
Dem Herrn tut die Gedankenlosigkeit so vieler Männer und Frauen sehr weh, die sich keine Mühe geben, freiwillige lässliche Sünden zu meiden. Das sei schließlich nur normal – denken sie und rechtfertigen sich damit –, alle begingen solche Fehltritte …
Hör gut zu: als der Pöbel Christus verurteilte und tötete, schrien die meisten zuerst nur mit – wie alle anderen! –, zogen zuerst zum Ölgarten nur mit – wie alle anderen! …
Am Ende aber vereinigte sich dies Verhalten »aller« zu einem reißenden Strom, dem sich niemand mehr entziehen konnte oder wollte … und so kreuzigten sie Jesus!
Zwanzig Jahrhunderte sind seitdem vergangen, und wir haben nichts dazugelernt.
Dein Stimmungsbarometer steigt und fällt. Es gibt viel – zuviel! – Auf und Ab bei dir.
Der Grund ist klar: du hast bis jetzt ein bequemes Leben geführt, und nun willst du nicht wahrhaben, dass es zwischen dem bloßen Wunsch und der tatsächlichen Hingabe einen beträchtlichen Unterschied gibt.
Unvermeidlich stößt du früher oder später auf das offenkundige Elend deiner selbst. Daher möchte ich dich gegen einige Versuchungen wappnen, die dir der Teufel einflüstern wird und die du sofort zurückweisen musst. Zum Beispiel Überlegungen wie: Gott habe dich vergessen, der Ruf zum Apostolat sei Illusion gewesen, die Last des Leidens und der Sünden der Welt gingen über deine Kräfte als Apostel …
Nichts davon ist wahr!
Wenn du wirklich kämpfst, brauchst du die Gewissenserforschung.
Prüfe täglich dein Gewissen! Frage dich, ob du Reue aus Liebe empfindest, weil dein Umgang mit dem Herrn nicht so ist, wie er sein sollte.
Ähnlich wie viele Leute an Grundsteinlegungen teilnehmen und sich dann nicht mehr um die Vollendung des so begonnenen Werkes kümmern, betrügen sich die Sünder mit einem vermeintlichen »letzten Mal«.
Wenn du Schluss machen willst und sagst: »Das letzte Mal!«, dann vergiss nicht: das »letzte Mal« muss das vorige sein, jenes »letzte Mal«, das schon hinter dir liegt.
Ich rate dir: Versuche von Zeit zu Zeit zu den Anfängen zurückzukehren – zu jener »ersten Bekehrung«. Das ist, wie wenn man wieder Kind wird … oder zumindest beinahe so. Im geistlichen Leben muss man sich vertrauensvoll führen lassen, ohne Ängste und ohne Falsch; rückhaltlos offen muss man über alles sprechen, was einem Hirn und Herz bewegt.
Wie willst du aus diesem Zustand der Lauheit, der kläglichen Schlaffheit herauskommen, wenn du die Mittel dazu nicht einsetzt? Du kämpfst sehr wenig. Wenn du dich einmal anstrengst, dann in einer Art von kindischem Groll und mürrisch, so als ob du wünschtest, deine lahmen Bemühungen möchten vergeblich sein, um ein Alibi dafür zu haben, dir selbst nichts mehr abzuverlangen und nichts mehr von dir verlangen zu lassen.
Du bist dabei, deinen eigenen Willen zu erfüllen anstatt den Willen Gottes. Solange du dich nicht änderst, und zwar ernstlich, wirst du weder das Glück noch den Frieden finden, die du jetzt vermisst.
Demütige dich vor Gott und bemühe dich darum, wirklich zu »wollen«.
Welch ein Zeitverlust, welch eine oberflächliche Sicht der Dinge, wenn man nur auf Taktik vertraut, als ob in ihr das Geheimnis des Erfolges läge.
Man vergisst dabei, dass die »Taktik« Gottes die Liebe ist, die grenzenlose Liebe: So überwand Er die unüberwindliche Kluft, die der Mensch durch seine Sünde zwischen Himmel und Erde aufreißt.
Sei, wenn du dein Gewissen erforschst, »wild« aufrichtig, das heißt, sei mutig: Prüfe wie vor einem Spiegel, um zu sehen, wo du dich verletzt oder wo du dich beschmutzt hast – oder wo die Fehler stecken, die es auszumerzen gilt.
Ich muss dich wappnen gegen eine List »satans« – absichtlich schreibe ich ihn klein, denn mehr verdient er nicht! Er versucht, sich der ganz gewöhnlichen Umstände zu bedienen, um uns mehr oder weniger von dem Weg abzubringen, der zu Gott führt.
Wenn du kämpfst – wenn du ernsthaft kämpfst –, darfst du dich nicht wundern, dass dich manchmal die Müdigkeit überkommt oder du durch Zeiten hindurch musst, da dir alles »gegen den Strich« geht und du weder geistlichen noch menschlichen Trost findest. Schau hier, was jemand mir vor kurzer Zeit schrieb – ich habe es damals aufbewahrt, weil ich an die naiven Leute dachte, die meinen, die Gnade könne auf die Natur verzichten: »Vater, seit einigen Tagen bemerke ich eine schreckliche Trägheit und Lustlosigkeit bei der Erfüllung meines Lebensplanes; alles tue ich wie gezwungen und innerlich recht teilnahmslos. Beten Sie für mich, damit diese Krise bald vorüber ist; denn ich leide sehr unter dem Gedanken, sie könnte mich vom Wege abbringen.«
Als Antwort schrieb ich nur: Wusstest du nicht, dass die Liebe Opfer verlangt? Lies langsam die Worte des Meisters: »Wer nicht sein Kreuz ›cotidie‹, täglich, auf sich nimmt, ist meiner nicht wert.« Er sagt auch: »Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen …« Der Herr lässt diese Dürre, unter der du leidest, zu, damit du Ihn mehr liebst, damit du einzig auf Ihn vertraust, damit du kreuztragend zum Miterlöser wirst – kurz, damit du Ihn »findest«.
Wie dumm scheint der Teufel zu sein – sagtest du. Ich begreife seinen Stumpfsinn nicht: Immer dieselben Täuschungsmanöver, immer dieselben Lügen …
Du hast Recht. Aber wir Menschen sind noch dümmer, lernen es nicht, durch fremden Schaden klug zu werden … Damit rechnet er, um uns zu versuchen.
Ich habe einmal gehört, dass sich bei großen Schlachten oft etwas Merkwürdiges ereignet: Auch wenn die quantitative Überlegenheit an Menschen und Material den Sieg im voraus zu sichern scheint, kann es mitten im Gewühl des Kampfes Augenblicke geben, da wegen der Schwäche eines Frontabschnitts die Niederlage droht. Dann erfolgen die strikten Befehle des Oberkommandos, und die Breschen an den Schwachstellen werden geschlossen.
Ich musste an dich und an mich denken. Mit Gott, der keine Schlachten verliert, werden wir immer Sieger sein. Wenn du also im Kampf um die Heiligkeit deine Kraft schwinden fühlst, höre die Befehle, richte dich nach ihnen – lass dir helfen … Denn Er scheitert niemals.
In aller Aufrichtigkeit hast du in der Gegenwart Gottes deinem Leiter das Herz ausgeschüttet … Und es war wunderbar zu sehen, wie du von allein allmählich die rechten Antworten auf deine »Rückzugsversuche« fandest.
Lieben wir die geistliche Leitung!
Ich gebe dir zu: Du benimmst dich anständig … aber erlaube mir ein offenes Wort: Mit deinem gemächlichen Schritt bist du nicht nur nicht ganz glücklich, sondern bleibst sehr weit weg von der Heiligkeit.
Deshalb frage ich dich: Benimmst du dich wirklich anständig? Oder hast du vielleicht eine falsche Vorstellung von Anstand?
Bei deiner albernen Oberflächlichkeit, bei dieser Leichtsinnigkeit im Inneren wie im Äußeren, bei diesem Zögern angesichts der Versuchung, bei diesem »willenlosen Wollen« ist es unmöglich, dass du im inneren Leben vorankommst.
Ich habe schon immer gedacht, dass viele ihren Widerstand gegen die Gnade mit »morgen« oder mit »später« umschreiben.
Ein weiteres Paradox des geistlichen Lebens: Die Seele, deren Zustand am wenigsten der Besserung bedarf, bemüht sich am meisten um sie und lässt nicht nach, bis sie sie erreicht hat. Und umgekehrt.
Bisweilen erfindest du dir selbst »Probleme«, weil du deinem Verhalten nicht auf den Grund gehst.
Das einzige, was dir not tut, ist, dass du die Richtung deines Kampfes änderst, nämlich deine Pflicht loyal erfüllst und die Hinweise, die du in der geistlichen Leitung erhältst, treu befolgst.
Noch stärker hast du den Drang, sozusagen die »fixe Idee«, verspürt, heilig zu werden. Ohne zu zögern hast du dann den alltäglichen Kampf aufgenommen in der festen Überzeugung, dass du jedes Anzeichen von Spießertum mutig in dir ausmerzen musst.
Später, im betenden Zwiegespräch mit dem Herrn, wurde dir immer klarer, dass Kampf ein anderes Wort für Liebe ist. Du hast Ihn um eine tiefere Liebe gebeten, die dir die Angst vor den zu bestehenden Kämpfen nimmt, denn du wirst kämpfen – für Ihn und mit Ihm und in Ihm.
Verstrickungen? … Sei ehrlich und gib zu, dass du lieber Sklave deines Egoismus sein willst, als Gott oder diesem Menschen zu dienen. – Geh in dich!
»Beatus vir qui suffert tentationem …« – Selig der Mann, der in der Versuchung standhält, denn, wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten.
Freut es dich nicht, die Erfahrung zu machen, dass diese Art »inneren Sports« eine nie versiegende Quelle des Friedens ist?
»Nunc coepi!« – Jetzt fange ich an! – Das ist der Ruf der verliebten Seele, die, mag sie treu oder kleinlich gewesen sein, in jedem Augenblick ihren Wunsch erneuert, mit ungeteilter Hingabe unserem Gott zu dienen – Ihn zu lieben!
Es hat dich in der Seele getroffen, als dir jemand sagte: Du suchst ja gar nicht die Bekehrung, sondern einen Rucksack für deine Armseligkeiten … damit du dein trauriges Gepäck weiterschleppen kannst – möglichst bequem, aber mit dem bitteren Geschmack von Aloe im Mund …
Du weißt nicht, was es ist, das dich überwältigt hat: physische Erschöpfung oder eine Art innerer Ermüdung oder beides zugleich … Du kämpfst ohne Kampf, ohne wirkliche Anstrengung, dich tatsächlich so zu bessern, dass du fähig würdest, die Seelen mit der Freude und der Liebe Christi anzustecken.
Da möchte ich dich an das klare Wort des Heiligen Geistes erinnern: Nur der wird den Siegeskranz erhalten, der »legitime« – wahrhaft und allen Widerständen zum Trotz – gekämpft hat.
Mein Verhalten könnte besser sein, ich könnte mehr Entschlossenheit, mehr Eifer an den Tag legen … Und warum tu ich’s nicht?
Weil du – entschuldige meine Offenheit – ein Dummkopf bist. Der Teufel weiß ganz genau, dass eines der am schwächsten bewachten Tore zur Seele das Tor jener Dummheit im Menschen ist, die in seiner Eitelkeit besteht. Gegen das stürmt er jetzt mit aller Kraft an: mittels deiner gefühlsduseligen Erinnerungen, der krankhaften Komplexe, ein schwarzes Schaf zu sein, der fixen Idee vom vermeintlichen Mangel an Freiheit …
Worauf wartest du noch, um das Wort des Meisters zur Kenntnis zu nehmen: Wachet und betet, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde?
Phrasendreschend und deiner Sache nicht ganz sicher, verkündest du: Die einen steigen auf, die anderen ab … Und wieder andere – wie ich! – bleiben am Wegesrand liegen.
Ich wurde über deine Lethargie traurig und entgegnete dir: Die da so herumlungern, werden gelegentlich von den »Aufsteigern«, meistens jedoch und stärker von den »Absteigern« mitgezogen. Bedenke, welch schmerzlichen Irrweg du einschlägst!
Schon der heilige Bischof von Hippo lehrte, dass, wer stehen bleibt, zurückfällt.
In deinem Leben passen Verstand und Gefühl nicht zusammen.
Dein Verstand, vom Glauben erleuchtet, zeigt dir nicht nur klar den Weg, sondern auch den Unterschied zwischen einer heroischen und einer verschlafenen Art, ihn zu gehen. Vor allem lässt er dich die Größe und die göttliche Schönheit der Aufgaben erkennen, die die Allerheiligste Dreifaltigkeit in unsere Hände legt.
Im Gegensatz dazu spricht dein Gefühl auf alles an, was du eigentlich verachtest, und es tut dies sogar noch, wenn du dir die Verachtungswürdigkeit klar machst. Es ist, als ob tausend kleine Widrigkeiten nur auf die passende Gelegenheit warteten, um – sobald dein armer Wille entweder aus physischer Müdigkeit oder aus verdunkelter Sicht für das Übernatürliche schwächer wird – deine Vorstellungskraft in Beschlag zu nehmen und sich in dir zu einem Gebirge aufzutürmen, das dich entmutigt und erdrückt: nun spürst du nur noch die Härten der Arbeit, dein Widerstreben im Gehorsam, den Mangel an Hilfsmitteln, die Illusion eines sorglosen Lebens … Widerliche Versuchungen im Kleinen und im Großen suchen dich heim, die Irrlichter einer seichten Sentimentalität, die Übermüdung, der bittere Geschmack von geistlicher Mittelmäßigkeit … Und gelegentlich auch die Angst: Angst, weil du weißt, Gott will dich heilig – und du bist es nicht.
Erlaube mir, es dir mit aller Härte zu sagen: Du hast zu viele »Gründe«, um dich abzuwenden, und zu wenig Courage, um der Gnade zu entsprechen, die Er dir schenkt: denn Er hat dich dazu berufen, ein anderer Christus zu sein, »ipse Christus«, Christus selbst! Du hast die Mahnung des Herrn an den Apostel vergessen: »Meine Gnade genügt dir!« Dieses Wort ist die Gewähr dafür, dass du kannst, wenn du nur willst.
Hole die Zeit nach, die du damit verloren hast, dich auf den Lorbeeren der Selbstzufriedenheit auszuruhen: Du hieltest dich für einen »guten Menschen« – so als ob es schon genügte, sich ohne Mord und Diebstahl durchzuschlagen.
Lege in deiner Beziehung zu Gott und auch in deiner Arbeit ein schärferes Tempo vor – der Weg, den du zurückzulegen hast, ist noch sehr weit! Sei gut zu allen, gerade auch zu denen, die dir auf die Nerven fallen; und gib dir Mühe, die besonders zu lieben, auf die du früher herabschautest, und ihnen zu dienen!
Du decktest in der Beichte das Elend deiner Vergangenheit auf – einen schlimmen Eiterherd … Der Priester behandelte deine Seele wie ein guter, gewissenhafter Arzt: er schnitt heraus, was nötig war, und erlaubte die Schließung der Wunde erst nach ihrer vollständigen Reinigung.
Sei dankbar dafür!
Es bringt großen Erfolg, ernste Angelegenheiten mit sportlichem Geist anzugehen … Ich habe einige Partien verloren? Nicht zu ändern – aber wenn ich durchhalte, werde ich am Ende doch noch gewinnen.
Bekehre dich jetzt, da du dich noch jung fühlst … Wie schwer fällt es, den Kurs zu begradigen, wenn die Seele vergreist ist!
»Felix culpa!« singt die Kirche … Gesegnet dein Fehltritt – flüstere ich dir ins Ohr –, wenn er bewirkt hat, dass du nicht noch einmal fällst; und auch, dass du deinen Nächsten, der nicht weniger wert ist als du, besser verstehst und stützt.
Ist es möglich, fragst du, nachdem du die Versuchung zurückgewiesen hast, ist es möglich, Herr, dass ich jetzt tatsächlich »ein anderer« bin?
Ich fasse deine »Krankengeschichte« zusammen: hier komme ich zu Fall – dort wieder auf die Beine … Letzteres ist das Wichtige.
Fahre also fort mit diesem inneren Kampf, auch wenn du nur im Schneckentempo vorankommst. Nur weiter!
Du weißt genau, mein Kind, wohin du gelangen kannst, wenn du nicht kämpfst: ein Abgrund reißt den nächsten auf …
Du schämst dich vor Gott und vor den anderen. In dir hast du eine alte und nun wieder frische Schmutzkruste entdeckt: kein Trieb, keine böse Neigung, die du nicht hautnah empfindest … dazu die dunkle Wolke der Ungewissheit im Herzen … Und die Versuchung überfällt dich ganz ungewollt, ganz unerwartet, wenn dein ermüdeter Wille nachzulassen beginnt.
Es tut dir zwar weh, dich in solchem Zustand zu sehen, aber du weißt nicht mehr, ob er dich demütigt oder nicht … Doch soll er dich ja seinetwegen schmerzen, aus Liebe zu Gott. Reue aus Liebe wird dir helfen, wachsam zu bleiben. Denn der Kampf währt, solange wir leben.
Welch brennende Sehnsucht verzehrt dich, die Hingabe zu besiegeln, zu der du dich damals entschlossen hast: dich als Kind Gottes zu wissen und auch so zu leben!
Leg deine vielen Armseligkeiten und Treulosigkeiten in die Hände Gottes: auch deswegen, weil dies die einzige Möglichkeit ist, ihr Gewicht zu verringern.
Erneuerung ist nicht Erschlaffung.
Tage der geistlichen Besinnung: in Stille sich sammeln, um zu Gott zu finden, um sich selbst zu finden und so innerlich zu reifen. Wir haben diese Zeit bitter nötig, damit wir entdecken, worin wir uns bessern müssen und wie das geschehen kann: Was soll ich tun? Was soll ich unterlassen?
Was im vorigen Jahr geschah, darf nicht noch einmal vorkommen.
Auf die Frage »Wie war es beim Einkehrtag?« hast du geantwortet: »Wir haben uns sehr gut erholt!«
Tage des Schweigens, Tage der spürbaren Gnade … Gebet vor Gott, von Angesicht zu Angesicht …
Ein Dankgebet stieg in meinem Herzen auf, als ich sah, wie Menschen mit der Last ihrer Jahre und ihrer Erfahrungen sich der göttlichen Nähe öffneten. Sie freuten sich wie Kinder über die Möglichkeit, ihr Leben doch noch in einer Weise fruchtbar werden zu lassen, die alle Irrwege und Versäumnisse der Vergangenheit tilgen könnte.
Mit dieser Perspektive vor Augen habe ich dich inständig ermahnt: Höre in deinem inneren Leben niemals auf zu kämpfen!
»Auxilium christianorum!« – Du Hilfe der Chris-ten, so beten wir voll Zuversicht in der Lauretanischen Litanei. Hast du dieses Stoßgebet schon in schwierigen Situationen erprobt? Wenn du es mit dem Glauben und mit der Zärtlichkeit einer Tochter, eines Sohnes betest, wirst du erfahren, wie mächtig die Fürsprache deiner heiligen Mutter Maria ist. Sie schenkt dir den Sieg.
Text gedruckt bei https://escriva.org/de/surco/kaempfe/ (26.04.2026)